Benedikt XVI. verstorben

Deutschland und die Welt würdigen Benedikts Lebenswerk

Politiker aus dem In- und Ausland bezeugen ihre Wertschätzung für den verstorbenen emeritierten Papst.
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ein engagierter Kämpfer für die Einheit der Kirche
Foto: Picasa (www.imago-images.de) | Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat Benedikt XVI. gewürdigt. Die Nachricht vom Tod erfülle ihn mit großer Trauer, betonte er in einem am Samstag veröffentlichten Kondolenzschreiben.

Politiker aus dem In- und Ausland haben ihre Trauer bekundet und den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. gewürdigt. „Sein Glaube, sein Intellekt, seine Weisheit und seine menschliche Bescheidenheit haben mich immer tief beeindruckt“, schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Weiter würdigte er Benedikt als Mittler zwischen den christlichen Konfessionen und den Religionen: „Die Einheit der Christenheit und der Dialog der Religionen, das Miteinander von Religion und Gesellschaft lagen ihm besonders am Herzen. Er suchte das Gespräch mit Juden und Muslimen sowie allen christlichen Konfessionen weltweit.“

Schon im Wirken des Professors Joseph Ratzinger habe sich hohe theologische und philosophische Bildung mit verständlicher Sprache verbunden. „Deswegen fanden viele Menschen, nicht nur Katholiken, in seinen Schriften und Ansprachen klare Orientierung. Er hat sich dem Suchen und Fragen der Menschen gestellt“, so der Bundespräsident, der zur Trauerfeier für Benedikt am 5. Januar nach Rom reisen wird. Derzeit werde mit den anderen Verfassungsorganen abgestimmt, welche weiteren hochrangigen deutschen Vertreter zu der Beisetzung kommen werden, teilte eine Sprecherin mit.

"Benedikt wusste um das große Leid der Opfer"

Spätestens als Präfekt der Glaubenskongregation sei er mit dem bedrückenden Problem des weltweiten sexuellen Missbrauchs und dessen systematischer Vertuschung konfrontiert gewesen. „Hier war er besonders in der Verantwortung. Benedikt wusste um das große Leid der Opfer und den immensen Schaden für die Glaubwürdigkeit der Kirche.“ Benedikt habe sich zum Amtsverzicht in dem Moment entschieden, in dem er gewiss war, sein Amt nicht mehr mit der nötigen Kraft ausführen zu können. „Das war eine unerwartete kirchengeschichtliche Zäsur“, so Steinmeier, der am Samstag zu einer Reise nach Brasilien aufgebrochen war.

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Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat Benedikt XVI. gewürdigt. Die Nachricht vom Tod erfülle ihn mit großer Trauer, betonte er in einem am Samstag veröffentlichten Kondolenzschreiben. Seine Gedanken seien bei jenen, die ihm in den letzten Jahren Stütze und Hilfe gewesen seien. Ihnen und den Gläubigen weltweit gelte sein Mitgefühl, so Scholz. In einem Tweet hatte Scholz zuvor betont, die Welt verliere mit Benedikt „eine prägende Figur der katholischen Kirche, eine streitbare Persönlichkeit und einen klugen Theologen“. Bundesratspräsident Peter Tschentscher würdigte den früheren Papst als einen der bedeutendsten Theologen seiner Zeit. Er habe die Traditionen der katholischen Kirche aus großer Überzeugung vertreten und zugleich den Dialog mit Vertretern der evangelischen Kirche, des Judentums und des Islam geführt. Sein Tod bewege die Gläubigen in Deutschland und in seiner bayerischen Heimat in besonderer Weise, so Hamburgs Erster Bürgermeister. 

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Bundesvorsitzende der CDU, Friedrich Merz, betonte, der Verstorbene habe vor allem in seinem Heimatland Deutschland „eine neue Hinwendung zur katholischen Kirche über alle Generationen hinweg auslösen können“. Bundesfinanzminister Christian Lindner nannte Benedikt XVI. eine „geschichtsträchtige Persönlichkeit“. Der Verstorbene sei ein nicht unumstrittener Intellektueller gewesen, „heute aber gedenken wir seiner als Menschen“, schrieb der FDP-Vorsitzende via Twitter. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat für die obersten Bundesbehörden bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet. Sie gilt für den Todestag wie für den Tag der offiziellen Trauerfeierlichkeiten im Vatikan.

Dreitägige Trauerbeflaggung in Bayern

In Benedikts Heimat in Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine dreitägige Trauerbeflaggung angeordnet, sie gilt bis zum 2. Januar. „Wir trauern um unseren bayerischen Papst. Der Tod von Benedikt XVI. berührt mich genau wie viele Menschen in Bayern und aller Welt sehr. Mit ihm verliert die Gesellschaft einen überzeugungsstarken Repräsentanten der katholischen Kirche sowie einen der einflussreichsten Theologen des 20. Jahrhunderts. In bewegten und herausfordernden Zeiten war er das religiöse Oberhaupt der katholischen Gläubigen. Viele Menschen in seiner Heimat werden ihn nicht nur als Papst Benedikt XVI., sondern auch als bescheidenen Seelsorger in dankbarer Erinnerung behalten. Er gab vielen Menschen Kraft und Orientierung“, erklärte der bayerische Ministerpräsident.

Weiterhin hob Söder hervor: „Zugleich musste er sich aber auch der Verantwortung für schwierige Phasen in seinem Wirken stellen. Ganz persönlich denke ich gern an die vielen bewegenden Begegnungen mit Benedikt XVI. zurück. Unvergessen ist uns sein mehrtägiger Besuch in Bayern als neuer Papst, der seine Liebe zu Land und Leuten zum Ausdruck brachte. Er trug seine Heimat immer im Herzen.“ Die Präsidentin des Bayerischen Landtages, Ilse Aigner (CSU), bezeichnete Benedikt XVI. als eine der „bedeutendsten Persönlichkeiten Bayerns, Deutschlands und weltweit“. Auch sie erinnerte an eine zurückliegende Begegnung mit Benedikt XVI.: „Als Papst war er ein Botschafter Bayerns in der Welt, der seiner Heimat stets verbunden blieb. Das habe ich deutlich gespürt während meines Treffens mit ihm im Jahr 2012, bei dem er unter anderem sehr interessiert daran war, wie es unseren Bäuerinnen und Bauern geht. Auch deshalb erfuhr er gerade bei uns in Bayern große Verehrung. Ich habe ihn als sehr warmherzigen Menschen empfunden.“ 

Auch in den anderen Bundesländern würdigen die Vertreter von Staat und Politik das Lebenswerk des verstorbenen emeritierten Papstes. „Sein Tod berührt mich zutiefst. Aus einfachen Verhältnissen stammend hat er als erster deutscher Papst seit dem Mittelalter durch hohe Gelehrsamkeit, festen Glauben, Bescheidenheit und seine Verdienste um den Dialog der Religionen tief beeindruckt“, erklärte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Rainer Haseloff (CDU), in Magdeburg. Er habe sich Benedikt XVI. immer sehr verbunden gefühlt.

Engagierter Kämpfer für die Einheit der Kirche

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), sagte: „Als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und herausragender Theologe wird Joseph Aloisius Ratzinger in das kollektive Gedächtnis der deutschen Geschichte eingehen.“  Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), schrieb in einer Mitteilung: „Er war engagierter Kämpfer für die Einheit der Kirche und beharrlicher Verteidiger dessen, was ihm als Wesensgehalt des Katholizismus unaufgebbar erschien.“ So wichtig Benedikt die Größe der Kirche gewesen sei, so wenig habe er Wert auf seine Person gelegt. „2011 in Freiburg habe ich ihn genau so erlebt: persönlich uneitel, sanft und bescheiden“, so Kretschmann. Der Dialog der Religionen sei ihm bei aller Überzeugung von der eigenen Position wichtig gewesen. Weiterhin äußerte Kretschmann seinen Respekt wegen des 2013 erklärten Amtsverzichts aus Altersgründen, der das Papstamt dauerhaft prägen werde.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat nach eigenem Bekunden „mit großer Trauer“ auf den Tod des früheren Papsts reagiert. „Als deutscher Papst hat er sich um den Glauben und den Dialog zwischen Gläubigen unterschiedlicher Konfessionen verdient gemacht. Möge er in Frieden ruhen“, schrieb Ramelow, selbst bekennender Protestant, auf Twitter. Berlins Bürgermeisterin Bettina Jarasch (Grüne) hat mit gemischten Gefühlen auf den Tod von Benedikt XVI. reagiert. Er sei ein Papst gewesen, „der mich als Katholikin immer wieder auf die Probe stellte, weil er dringend nötige Reformen in der katholischen Kirche verhindert hat und über wichtige Debatten den Mantel des Schweigens hüllte“, erklärte Jarasch in Berlin. Zugleich sagte sie: „Dass er selbst den Mut und die Kraft hatte, zu Lebzeiten den Weg für eine Neuwahl freizumachen und so indirekt Türen für Reformen geöffnet hat, nötigt mir aber Respekt ab.“ Jarasch ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

International große Anteilnahme

Auch international ist die Anteilnahme am Tod Benedikt XVI. groß. Die Spitzen der EU bekundeten ihre Trauer über den Tod des emeritierten Papstes. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf Twitter, der frühere Papst habe „durch seinen Rücktritt ein starkes Zeichen gesetzt.“ „Er sah sich selbst zuerst als Diener Gottes und seiner Kirche. Als seine physische Kraft nachließ, diente er weiter mit der Kraft seiner Gebete“, so die CDU-Politikerin.

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Auch die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, bekundete Trauer. „Europa betrauert ihn“, twitterte sie und zitierte eine Aussage Benedikts XVI. beim Weltjugendtag 2011 in Madrid: „Habt keine Angst vor der Welt noch vor der Zukunft oder vor eurer Schwachheit.“ In Paris schrieb Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron: „Meine Gedanken sind bei den Katholiken in Frankreich und der ganzen Welt, die um Seine Heiligkeit Benedikt XVI. trauern, der sich mit Seele und Verstand für eine brüderlichere Welt eingesetzt hat.“ Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte Benedikt XVI. einen „Gigant des Glaubens und der Vernunft“, „einen Mann aus Liebe zum Herrn, der sein Leben in den Dienst der Weltkirche gestellt hat und mit der geistigen, kulturellen und intellektuellen Tiefe seines Lehramtes zu den Herzen und Köpfen der Menschen gesprochen hat und weiterhin sprechen wird“. 

Polens Präsident Andrzej Duda schrieb bei Twitter, die Welt habe mit Benedikt „einen der außerordentlichsten Theologen des 20. Und 21. Jahrhunderts“ verloren. Mit seinem Leben, seinem Werk und seinem pastoralen Dienst habe er wie ein Wegweiser durch die verwundenen und trügerischen Straßen der Gegenwart gewirkt. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki beschrieb den Verstorbenen als einen „großen katholischen Denker, eine geistliche Autorität und einen - wenngleich bescheidenen - Menschen außergewöhnlichen Formats“. Ratzinger habe als langjähriger Vorsitzender der Glaubenskongregation eng mit dem aus Polen stammenden Papst Johannes Paul II. zusammengearbeitet. „Vielleicht hatte er deshalb ein besonderes Verhältnis zu unserem Land“, sagte Morawiecki der Agentur PAP zufolge.

Irlands Präsident Michael D. Higgins hob das Engagement des verstorbenen, emeritierten Papsts für den Frieden hervor: „In dieser Zeit der Rückkehr des Kriegs auf unserem Kontinent und in so vielen Teilen der Welt, erinnern wir uns an seine einenden Bemühungen, einen gemeinsamen Weg zur Förderung von Frieden und gutem Willen auf der ganzen Welt zu finden“, sagte Higgins einer Mitteilung zufolge. Er wies dabei auf „das unerschütterliche Interesse“ Benedikts XVI. am Frieden in Nordirland hin.  DT/KNA/dpa

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