Kinderkatechese

Was hat Schach mit Mariä Himmelfahrt zu tun?

Was hat Schach mit dem Fest Mariä Himmelfahrt zu tun, das wir am 15. August feiern? Für Jugendliche und ältere Kinder.
Wie im Schach: Ohne die Dame geht es nicht.
Foto: Alte Pinakothek, München | Wie im Schach: Ohne die Dame geht es nicht.

 Wer kennt das „königliche Spiel“ nicht? Sein Name leitet sich vom persischen šāh (Schah) – König – ab. Schach ist ein strategisches Brettspiel mit dem Ziel, den Gegner schachmatt zu setzen, das heißt den feindlichen König unabwendbar anzugreifen – und den eigenen König zu schützen.
Vielleicht darf man auch das Leben des Christen als königliches Spiel bezeichnen. Der feindliche König, oder wie Jesus sagt: der Teufel, der Menschenmörder und Lügner von Anfang an (vgl. Johannesevangelium 8,44) muss schachmatt gesetzt werden. Wir wissen: Jesus hat bereits gesiegt (vgl. Johannesevangelium 16,33) und auch wir können mit ihm das Böse durch das Gute besiegen (vgl. Römer 12,20). Oder anders ausgedrückt: In unserem Spiel des Lebens geht es um den Christkönig, darum, ihm zu dienen. Und es geht um unsere Beziehung zu ihm. Diese Beziehung gilt es zu leben und zu schützen.


Obgleich der König die wichtigste Figur ist, steht er beim Schachspiel doch eher im Hintergrund, er ist selten spiel- und bewegungsauffällig. Das ist schon eher die Dame, die Königin. Sie ist ein „Allrounder“, die beweglichste und stärkste Figur. 
Auch bei Marienfesten scheint das irgendwie so. Obwohl natürlich Christus immer im Zentrum des Glaubens bleibt, tritt seine Mutter und ihr Handeln in den Vordergrund. Welche Figur der Weltgeschichte hätte Jesus mehr geliebt, mehr für ihn getan? Wer war mehr von der Gnade Gottes erfüllt? Und in wem hat sich sein Heilsplan für uns Menschen schon jetzt so vollkommen erfüllt, wie in der mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria?


Ohne die Dame geht überhaupt nichts


Auf Persisch wird die Dame Vazir, auf Deutsch „Strategin“, genannt. Die Dame im Spiel haben oder nicht haben ist beim Schach spielentscheidend. Und Maria im Leben als Mutter haben oder nicht haben, ist lebensentscheidend. Auch in unserem Leben geht es um ein königliches Spiel: Wie können wir mit Jesus das Leben gewinnen? (vgl. Lukasevangelium 10,25). Wie können wir den himmlischen König auf dem Spielbrett unseres Herzens bewahren? Die Jungfrau und Gottesmutter Maria ist uns dabei Vorbild und Fürsprecherin. „In den Himmel aufgenommen, fährt sie durch ihre vielfältige Fürbitte fort, uns die Gaben des ewigen Heils zu erwirken“, heißt es in Lumen Gentium, einem Dokument aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Gott hat ganz allein die Schöpfung ins Dasein gerufen. Aber es gefällt ihm, durch die Mitwirkung Marias im großen und dramatischen Schachspiel der Menschheitsgeschichte das Leben der Bauern, Läufer, Springer und Türme zu retten. Gott hat Maria einzigartig erschaffen. Sie ist ein Geschöpf, aber der Gottessohn wird durch Maria geboren.


Jesus wirkt bei der Hochzeit von Kana sein erstes Wunder auf die Fürsprache Mariens (Johannesevangelium 2,1-11). Die Brautleute haben keinen Wein mehr. Das schönste Fest des Lebens droht ein vorschnelles Ende zu nehmen. Jesus hilft. Und er hilft auch uns, wenn uns der Wein der Gnade fehlt, wenn wir in Not sind. Er hilft – auf die Fürsprache Mariens. Am Kreuz vertraut uns Jesus seiner Mutter als Kinder an. Stellvertretend für uns sagt er zum Apostel Johannes: „Siehe deine Mutter!“ Und zu Maria: „Siehe dein Sohn!“ (Johannesevangelium 19,26-27).
Unsere himmlische Dame und Königin ist mit-verantwortlich, uns in unserem Leben zu schützen und zu retten. Ohne diese Dame, ohne Maria läuft nichts! Weil Gott es so will. Marienverehrung heißt nichts anderes als Maria so zu lieben, wie Jesus sie liebt. Wir sollen Maria in unser Leben einbinden, wie Jesus es tut. Dazu kann uns beispielsweise das Rosenkranzgebet helfen, bei dem wir die Geheimnisse des Lebens Jesu an der Hand Mariens betrachten. Also, es geht um ein Leben an der Seite DER Dame.


Was ist das Besondere an Mariä Himmelfahrt?


Am 15. August feiern wir die Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele. Wenn wir anderen Menschen in den Himmel kommen, dann erst einmal mit unserer Seele. Erst am Ende der Welt wird auch unser Leib neu geschaffen. Wir sind erst dann sozusagen komplett. Maria zeigt uns heute schon den ewigen Plan Gottes, die Auferstehung mit Leib und Seele, die Schönheit des ewigen Lebens für jeden Menschen, der sich von Gott damit beschenken lassen will.
Jesus sagt uns: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Maria und das Fest ihrer Aufnahme in den Himmel bezeugen uns: „Ja, es ist wirklich so, wie Jesus gesagt hat!“


Nach einer INSA-Umfrage glaubte im Jahr 2017 jeder dritte Deutsche (30 Prozent) an ein Weiterleben nach dem Tod. Bei Katholiken waren es 40 Prozent, bei freikirchlichen Christen 49 Prozent und bei evangelischen 32 Prozent. Was die Auferstehung Jesu betrifft, glaubte 35 Prozent der Deutschen daran, bei Katholiken 52 Prozent, bei evangelischen Christen 48 Prozent und bei freikirchlichen 59 Prozent. Die niedrigen Zahlen lassen aufhorchen, denn hier geht es um den Kern des Glaubens. Der Apostel Paulus sagt nicht von ungefähr: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist euer Glaube sinnlos.“ Maria zeigt in ihrer Himmelfahrt, dass das Leben einen Sinn hat, weil es ein Ziel gibt: Gott und die Gemeinschaft mit ihm im Himmel. Wir wissen, wohin wir gehören. Wir wissen, wo unsere Heimat ist.

„Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es reiche Frucht – wird neues und größeres Leben.“

Am Mariä-Himmelfahrtstag werden vielerorts Kräuter gesegnet, die für Schutz, Hilfe und Mut in den Schwierigkeiten des Lebens stehen. Leid, Krankheit, Not und Tod sind sinnlos, wenn sie nicht aufgehoben werden in der lebensschaffenden Liebe Gottes. Die Dame, unsere Strategin, zeigt den Sinn des Lebens, der in der Schöpfung angedeutet ist. 
Nach der Himmelfahrt Mariens sollen die Apostel in ihrem Grab Rosen, Lilien und duftende Kräuter gefunden haben. In diesen Blumen strahlte Gottes Schönheit und Leben auf. Gott liebt nicht das Sterben, sondern in jedem Samen steckt neues Leben, die Kraft für mehr Leben. 
Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es reiche Frucht – wird neues und größeres Leben. Blumen und Kräuter verweisen auf das Leben, das Gott seinen Kindern schenken will. Und Maria ist in ihrer Aufnahme in den Himmel ein Unterpfand für unsere eigene „Himmelfahrt“, unser ewiges Leben.

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Im Schach können Bauern zu Damen werden


Wenn wir wieder zum Schachspiel zurückkehren, ist noch von den Bauern zu reden, von uns. Der Bauer kann im Schachspiel wenig bis nichts. Er kommt nur schwerfällig voran und ist daher gut beraten, sich in der Nähe der Dame aufzuhalten. Doch im Bauern steckt die große Möglichkeit zur Umwandlung und Vollendung. Wenn er an die gegnerische Grundlinie gelangt, wird er selbst zur Dame. 
Theoretisch können alle Bauern zu Damen werden. Und genau das ist die Bestimmung des Christen: Zur Grenzlinie des Lebens gelangen und wie Maria werden, ihrer Vollkommenheit ähnlich. Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnet Maria als „das Urbild des Christen“ und betont, dass „die Mutter Jesu im Himmel jetzt schon mit Leib und Seele verherrlicht und damit das Bild des künftigen Menschen ist“.


Dieses Ziel erreichen wir in Begleitung unserer Dame, in der Begleitung Mariens. Unsere Berufung ist es, wie Maria Teilnehmer des himmlischen Spiels im ewigen Leben zu werden, und zwar – das geht über das Schachspiel noch hinaus – auch als Könige, denn Jesus macht „uns zu Königen und zu Priestern vor Gott, seinem Vater, in alle Ewigkeit“ (Offenbarung 1,6). 

Pater Martin Linner ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.

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