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Leo XIV. und die Welt am Abgrund

Nur eine geeinte Kirche kann ein „Licht“ für die Völker sein. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit hat der Papst mit den Kardinälen angefangen. Und vor den Diplomaten spricht er Tacheles.
Vatikankorrespondent Guido Horst, Papst Leo XIV.
Foto: DT / IMAGO / ABACAPRESS | Der Mahner der Einheit fängt im innersten Kreis an: die Kardinäle will der Papst als geeintes Team hinter sich wissen.

Das Ende eines Treffens des Papstes mit seinem „roten Senat“ und am Tag darauf, heute im Vatikan, der Empfang Leos XIV. für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps: Nichts könnte die „Zeichen der Zeit“ für die Gläubigen in der katholischen Weltkirche deutlicher machen als dieser Zusammenfall der Ereignisse. Um die Dramatik des historischen Augenblicks zu unterstreichen – hier ein Zitat aus der heutigen Ansprache von Papst Leo vor den Diplomaten aus aller Welt: „In unserer Zeit gibt insbesondere die Schwäche des Multilateralismus auf internationaler Ebene Anlass zur Sorge. Eine Diplomatie, die den Dialog fördert und den Konsens aller sucht, wird durch eine Diplomatie der Stärke, durch einzelne Staaten oder Gruppen von Verbündeten ersetzt. Krieg ist wieder in Mode gekommen, und eine kriegerische Stimmung breitet sich aus.

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Das nach dem Zweiten Weltkrieg festgelegte Prinzip, das es Ländern verbot, Gewalt anzuwenden, um die Grenzen anderer zu verletzen, ist gebrochen worden. Der Friede wird nicht mehr als Geschenk und als an sich erstrebenswertes Gut gesucht, mit dem Ziel einer von Gott gewollten Ordnung, die eine vollkommenere Gerechtigkeit unter den Menschen herbeiführt, sondern mit Waffen als Voraussetzung für die Durchsetzung der eigenen Herrschaft. Dies stellt eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Rechtsstaatlichkeit dar, die die Grundlage für jedes friedliche gesellschaftliche Zusammenleben bildet.“ Zitat Ende. Die Worte des Papstes könnten nicht deutlicher sein: Krieg ist wieder in Mode gekommen, das Recht zählt nicht mehr, von einer gottgewollten Ordnung ist überhaupt nicht mehr die Rede, nur noch die Macht des Stärkeren zählt. Wer etwas will, nimmt es sich, auch wenn es so groß ist wie Grönland oder der Donbas.

Nur geeint ist man stark

Die Kirche hat einen Weltauftrag. Und beim außerordentlichen Konsistorium hat der Papst vor den Kardinälen klar gesagt, dass eine verletzte und zerrissene Welt nach Nahrung schreit, so wie die Menge, die die Jünger Jesu dann auf Geheiß des Herrn mit fünf Broten und zwei Fischen sättigten. Ein unmögliches Unterfangen. Ein Wunder. Aber es kann sich wieder ereignen, wenn, so Leo XIV., die Kirche geeint ist und alle, jeder an seinem Platz und mit seiner spezifischen Aufgabe, in Treue dem Auferstandenen folgen. Was diese Einheit in der Jüngerschaft Jesu angeht, so hat der Papst jetzt bei den Kardinälen angefangen. Eigentlich logisch. Was für die arme Europäische Union gilt, gilt auch für das Kardinalskollegium: Nur wenn es geeint ist und mit einer Stimme klar und vernehmbar spricht, wird es gehört und kann etwas erreichen.

Und unter Papst Franziskus hat sich das Kardinalskollegium auseinandergelebt. Da gibt es überhaupt nichts zu beschönigen. Zum einen, weil der Jesuiten-Papst den „roten Senat“ so gut wie nie zusammenkommen ließ, zum anderen wegen der pastoralen Unsicherheiten, die – etwa in der Zulassung von gleichgeschlechtlichen Paaren zu Segnungen und den Sakramenten – Laien wie Kleriker gegeneinander aufgebracht haben. Ein Symptom für den Irrglauben, man könne eine „neue“ Kirche bauen, in der das möglich ist, was früher ausgeschlossen war, ist der Synodale Weg in Deutschland mit seinen fatalen Folgen.

Das Konzil als Kompass

Als Kompass für die neu zu findende Einheit in der Kirche hat sich Leo XIV. das Zweite Vatikanische Konzil erwählt. Nicht den ominösen „Geist“ des Konzils, sondern das Konzil, so wie es sich in seinen Texten klar ausgedrückt hat. Darüber spricht Papst Leo jetzt in den Generalaudienzen. Aber das Konzil hat auch nichts anderes formuliert als das, was die Kirche schon immer wusste: Entweder spiegelt sie den Leib Christi wider – oder sie bleibt Menschenwerk und alles ist für die Katz. Politisch wie kirchlich steht man heute in einer hochdramatischen Zeit. Und in aller Ruhe macht sich der amerikanische Papst daran, das Schifflein Petri mit einer klaren Vision zu führen.

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