Herr Cavar, wieso ist die MEHR-Konferenz wichtig für die Ökumene?
Erstmal ist es für die Ökumene wichtig, Räume zu schaffen – damit Christen zusammenkommen. Damit sie sich sehen und sich austauschen. Das geht bei der MEHR eben gut. Sie ist ein Event, das explizit darauf ausgelegt ist, Christen unterschiedlicher Konfessionen zusammenzubringen.
Sie wurden katholisch getauft, haben über Freikirchen im Glauben Feuer gefangen und sind vor einiger Zeit zur katholischen Kirche zurückgekehrt.
Worauf freuen Sie sich – als Katholik – am meisten bei der MEHR?
Ganz besonders darauf, Christen aller Couleur zu treffen. Natürlich katholische Glaubensgeschwister, aber eigentlich vor allem Geschwister, die eben nicht katholisch sind. Weil ich es sehr bereichernd finde, wenn man sich dann austauscht und über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede spricht. Das ist etwas, was ich an der MEHR klasse finde: Connecten, zusammen den Fokus auf Jesus Christus zu setzen und immer wieder gute Gespräche zu haben.
Sehen Sie Gefahren in zu viel Ökumene?
Ich denke, eine Ökumene ist gefährlich oder problematisch, wenn man seine eigene Identität dafür verleugnet. Ich glaube, Ökumene kann so funktionieren, wie hier auf der MEHR. Das Programm sorgt dafür, dass nicht alles zusammengemixt ist. Die Katholiken und alle, die interessiert sind, können zum Beispiel die heilige Messe feiern. Aber wir haben hier auch einen evangelischen Gottesdienst. Insgesamt finde ich es also wichtig bei der Ökumene, dass man ehrlich ist und zu seiner eigenen Konfession steht.
Was denken Sie, was können die verschiedenen christlichen Konfessionen voneinander lernen?
Aus der katholischen Perspektive heraus glaube ich, dass Katholiken ganz besonders stark von ihren freikirchlichen Geschwistern lernen können, für dieses Feuer, für die eigene Überzeugung, für den Glauben an Jesus Christus einzustehen. Und vor allem auch die Liebe zum Wort Gottes, zu der Bibel. Andersherum denke ich, freikirchliche Geschwister können von Katholiken von dieser Stabilität, der Verwurzelung bis hin zu den Aposteln lernen. Sie können lernen, dass das zwei Dinge sind, die nicht getrennt, sondern zusammengehören.
Was ist Ihre Vision von der Verkündigung des christlichen Glaubens, jetzt, als Katholik?
Ich nutze nach wie vor die sozialen Medien. Doch durch meine Biografie hat sich mein Fokus geändert. Für mich sind zwei Sachen ziemlich wichtig: Erstens sehe ich aus meiner eigenen Vergangenheit, dass es ganz viele Dinge gab, die ich über die katholische Kirche und katholische Theologie geglaubt habe – und die einfach nicht wahr waren. Ich habe sie wiederholt und selber verbreitet. Das ist ein Missstand, den ich korrigieren möchte. Das geht nur, wenn man miteinander in den Dialog kommt. Wenn man wirklich Fragen stellt. Das Zweite ist, Menschen von der frohen Botschaft zu begeistern, die vielleicht katholisch sind und der Kirche fernstehen oder die gar nichts sind. Diese beiden Aspekte gehen Hand in Hand.
Was müssten die Katholiken in Deutschland Ihrer Meinung nach ändern? Wo sehen Sie die größten Baustellen?
Die größte Baustelle in Deutschland ist zum einen, dass wir Katholiken den Katholizismus ein wenig auf einen Verein reduzieren, dem wir angehören. Ich komme aus Kroatien, da ist es nochmal anders, darum habe ich den Kontrast dazu. Katholizismus bedeutet – wie das Christentum generell – eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus zu haben. Er äußert sich durch die katholische Kirche, aber ohne eine Beziehung zu ihm ist es fragwürdig, warum ich dann überhaupt zur Kirche gehe. Das ist ein Punkt: der lebendige Glaube.
Zweitens brauchen wir Katechese. Ich habe den Eindruck, die Glaubensunterweisung ist leider in den letzten Jahrzehnten nicht sehr gut gelaufen. Darum möchte ich jeden ermutigen, der katholisch ist, die Bibel und den Katechismus der katholischen Kirche zur Hand zu nehmen und zu schauen, was wir eigentlich glauben und was das Fundament unseres Glaubens ist.
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