Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Leipzig

De Maiziere und Gysi: Christentum gesellschaftlich wichtig

Die Kirchen sind weiterhin prägende gesellschaftliche Größen, so Thomas de Maiziere. Gregor Gysi pflichtet ihm bei.
Thomas de Maiziere
Foto: A3390/_Kay Nietfeld (dpa) | Thomas de Maiziere sieht die Kirchen weiter als gesellschaftlich prägende Größe.

Der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) sieht die Kirchen trotz sinkender Mitgliederzahlen weiter als gesellschaftlich prägende Größe. „Religion hat eine Bedeutung für die Wertbindung und Wertbildung - und zwar weit über die Kirchenmitglieder hinaus,“ sagte de Maiziere am Dienstagabend in Leipzig. „Das christlich-kulturelle Erbe prägt unser Land und ich sehe nicht, dass wir dort aussteigen sollten oder wollen.“ Starke Religionsgemeinschaften und Kirchen seien eine „Entlastung“ für staatliches Handeln, so der bekennende evangelische Christ.

Ohne Bergpredigt keine allgemeinverbindliche Moral

Der Linken-Politiker Gregor Gysi pflichtete ihm bei: „Ohne die Bergpredigt hätten wir gar keine allgemeinverbindliche Moral. Ob man sie nun einhält oder nicht.“ Er betonte, dass er nicht in einer religionslosen Gesellschaft leben wolle, auch wenn er selbst nicht an Gott glaube, so Gysi. „Ja, die Zahl der Kirchenmitglieder nimmt ab, aber ich glaube, nicht die Zahl der Gläubigen.“ Er finde es überdies wichtig, dass gegenwärtig jemand wie Papst Franziskus Kirchenoberhaupt sei: „Er erinnert authentisch an die Ursprünge des Christentums.“

Die Theologie hat einen Platz in der Universität

Gysi warnte davor, die staatliche Finanzierung theologischer Fakultäten einzuschränken: „Man kann sicher über die notwendige Anzahl diskutieren, aber im Prinzip brauchen wir diese Fakultäten.“ Wolle man sie abschaffen, müsse man sich fragen: „Wer kümmert sich dann um die Ausbildung von Theologen - und zwar ganz ohne unseren staatlichen Einfluss?“, so Gysi auch unter Verweis auf die Ausbildung von islamischen Religionslehrern und Imamen. De Maiziere ergänzte: „Es tut den Theologie-Studierenden gut, im Austausch mit Studierenden anderer Disziplinen zu sein - und umgekehrt.“ Es sei wichtig aus vielen Perspektiven auf unterschiedliche Sachverhalte zu blicken und darüber interdisziplinär zu diskutieren. „Nicht nur deshalb gehören Theologische Fakultäten in den innersten Kern einer Universität.“

Hintergrund: 500. Jahrestag der Leipziger Disputation

Beide äußerten sich bei einer Festveranstaltung zum 500. Jahrestag der „Leipziger Disputation“. Es handelte sich um ein religiöses Streitgespräch, das 1519 zwischen dem Reformator Martin Luther (1483-1546) und dem Theologen Johannes Eck (1486-1543) stattfand. Im Fokus der mehrwöchigen Disputation stand die Frage nach der Autorität katholischer Institutionen als höchste Instanz in Glaubensfragen. Luther bekannte dabei seine endgültige Abkehr vom Papsttum.

KNA / DT (jobo)

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

Themen & Autoren
Josef Bordat CDU Christentum Evangelische Kirche Gregor Gysi Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kirchliche Reformatoren Martin Luther Papst Franziskus Päpste Religionslehrerinnen und -lehrer Religiöse und spirituelle Oberhäupter

Weitere Artikel

Liturgiereform: Vor 500 Jahren entwarf Martin Luther den deutschen Gottesdienst mit neuer Gebetsrichtung.
09.11.2025, 11 Uhr
Dirk Weisbrod
Der polnische Priester Marian Górecki wurde unmittelbar nach dem deutschen Angriff auf Polen verhaftet und im Lager Stutthof ermordet. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1999 selig.
21.03.2026, 19 Uhr
Claudia Kock
Nationalistische Regierungsvertreter in Prag laufen gegen den Sudetendeutschen Tag Sturm. Der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt übt Kritik.
13.05.2026, 14 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Gefährliches Spiel: Mit einem Antrag, der vorgibt, Pro Familia Fördergelder entziehen zu wollen, sollen Lebensrechtler umarmt und der Union Stammwähler entzogen werden.
11.07.2026, 14 Uhr
Stefan Rehder
Das Gleichnis vom Sämann zeigt: das Evangelium ist vor allem dann fruchtbar, wenn der Mensch es nicht nur hört, sondern auch danach lebt.
11.07.2026, 21 Uhr
Ludger Schwienhorst-Schönberger 
Unerlaubte Bischofsweihen und Exkommunikation: Weit weg von Rom, in Écône, spürt man die Last eines historischen Moments jenseits der roten Linie.
09.07.2026, 09 Uhr
Alexander von Schönburg