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Studie: Gläubigenzahl halbiert sich bis 2060

Eine heute veröffentlichte Studie wartet mit drastischen Zahlen auf. Auch das Kirchensteueraufkommen werde bis 2060 die Hälfte seines Werts einbüßen, wie Wissenschaftler des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg prognostizieren.
Studie zu Kirchenaustritten und Kirchensteuer
Foto: Franziska Kraufmann (dpa) | Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie könnte sich die Zahl der Mitglieder in den beiden Großkirchen in den nächsten Jahrzehnten halbieren.

Die katholische und evangelische Kirche in Deutschland erwarten einen massiven Verlust an Gläubigen. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie könnte sich die Zahl der Mitglieder in den beiden Großkirchen in den nächsten Jahrzehnten halbieren. Demnach werde auch das Kirchensteueraufkommen bis 2060 die Hälfte seines Werts einbüßen. Die Wissenschaftler des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg prognostizieren dabei sehr ähnliche Entwicklungen für katholische Diözesen und evangelische Landeskirchen.

Von 44,8 Millionen Kirchenmitgliedern im Jahr 2017 auf 22,7 im Jahr 2060

Die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder von 44,8 Millionen im Jahr 2017 bis 2060 auf 22,7 Millionen reduzieren könnte. Die Zahl der staatlich erfassten Katholiken könne demnach um 48 Prozent etwas weniger stark zurückgehen wie die der evangelischen Christen. Die Studie prognostiziert einen Mitgliederrückgang von 23,3 Millionen (2017) auf 12,2 Millionen (2060).

„Wir geraten angesichts der Projektion nicht in Panik, sondern werden unsere Arbeit entsprechend ausrichten“, erklärte der DBK-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, zur Vorstellung der Studie. Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, betonte, es sei „gut, in einer heute wirtschaftlich guten Lage die Fragen von morgen in den Blick zu nehmen“. Beide Kirchenvertreter verwiesen auf bereits angestoßene oder geplante Reformen zum Umgang mit der absehbaren Entwicklung. Im Zentrum stehe die Frage, wie die Kirchen auch künftig ihrem Verkündigungsauftrag gerecht werden können. „Für mich ist die Studie auch ein Aufruf zur Mission“, so Marx.

Ergebnisse seien erwartet gewesen

Auch Projektleiter Bernd Raffelhüschen erklärte, die Ergebnisse „dem Grunde nach so erwartet“ zu haben. Neu sei aus der Sicht des Freiburger Finanzwissenschaftlers jedoch der relativ geringe Einfluss der allgemeinen demografischen Entwicklung auf die Kirchenmitgliedschaftszahlen gewesen. So hätten die Demografen in ihrer Berechnung neben der aktuellen Zusammensetzung der Kirchen und deren Mitgliederentwicklung der zurückliegenden Jahre auch offizielle Kennzahlen zur Sterblichkeits- und Geburtenrate einbezogen. Solche demografischen Effekte sind jedoch nur für den kleineren Teil des Rückgangs der Mitgliederzahlen verantwortlich, wie aus den vorgestellten Zahlen hervorgeht. So rechnen die Forscher bis 2035 mit einem Rückgang der Katholikenzahl um 20 Prozent. Nur ein Viertel davon soll jedoch auf Sterbefälle oder Wegzüge entfallen. Weitere 15 Prozent der Katholiken könnten hingegen aufgrund „anderer Faktoren“ wegfallen, also in der Regel aufgrund Kirchenaustritts.

Kirchensteuer: Bis 2035 Rückgäng der Kaufkraft um 26 Prozent

Parallel dazu errechneten die Forscher eine Prognose für die Kirchensteuer bis 2060. Demnach gehen sie von einem nominell fast unveränderten Steueraufkommen in den kommenden Jahrzehnten aus. Gemessen an der Kaufkraft des Geldes werde dieses allerdings bis 2060 etwa die Hälfte an Wert verlieren. Bereits bis 2035 rechnen die Wissenschaftler mit einem Rückgang der Kaufkraft um 26 Prozent. Grundlage ihrer Berechnung ist eine Verteilung der kirchlichen Ausgaben auf 70 Prozent Personalkosten, 20 Prozent Baukosten und 10 Prozent sonstiger Ausgaben. Die gleichbleibende Höhe des Steueraufkommens von insgesamt etwa 12 Milliarden Euro bei rückläufiger Mitgliederzahl erklärten die Forscher mit konstanter Steigerung der Löhne und Gehälter.

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DT/kim

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