Im Gleichnis vom Sämann geht es um die Aufnahme des Evangeliums. Diese ist an Voraussetzungen gebunden. Eine gute Saat kann nur aufgehen und Frucht bringen, wenn der Boden, auf den sie fällt, gut ist. Das Gleichnis wirft einen realistischen Blick auf die Verkündigung des Evangeliums. Eine fruchtbare Aufnahme der Frohen Botschaft ist an zwei Bedingungen geknüpft: Hören und Verstehen. Hören allein reicht nicht. Auch mit einer freudigen Aufnahme allein ist es nicht getan. Sie kann nur allzu schnell ins Leere laufen, wenn es zu Bedrängnissen kommt.
In der Deutung des Gleichnisses spricht Jesus nicht von Gruppen, sondern von Einzelnen. Es geht um die Frage, wie dieser Mensch beschaffen sein muss, damit das Wort vom Himmelreich aufgehen und Frucht bringen kann. Gerahmt wird die Deutung von dem Begriffspaar: „Hören und (nicht) Verstehen“ (Mt 13,19.23). Der erste Menschentyp hört, versteht aber nicht. Die Saat geht gar nicht erst auf, der Böse kommt und nimmt sie weg. Der zweite Typ hört das Wort und nimmt es sofort freudig auf. Doch es gelingt ihm nicht, sich der lebensprägenden Kraft des Wortes zu öffnen. Es bleibt an der Oberfläche, entfaltet keine Wurzeln, die in Zeiten der Bedrängnis Halt geben. Beim dritten Typ geht die Saat tatsächlich auf, doch es fehlt ihr die Kraft, sich gegen konkurrierende Artgenossen durchzusetzen. Der Boden, auf den dieser Teil der Saat fällt, war mit Dornen übersät. Mag eine Biodiversität unter ökologischem Gesichtspunkt empfehlenswert sein, ein mit Dornen überwucherter Acker bringt keine Frucht (vgl. Spr 24,30–34). Die Diversitätstoleranz bringt die gute Saat zum Ersticken. Drei Teile der Saat bleiben unfruchtbar. Entscheidend ist: Eine fruchtbare Aufnahme des Evangeliums ist alles andere als selbstverständlich. Und doch endet das Gleichnis am Ende nicht in Resignation. Denn die Frucht, die jene Saat bringt, die auf guten Boden fällt, ist enorm: hundertfach, sechzigfach, dreißigfach.
Es geht im Gleichnis um jene, die bereits mit der Botschaft in Kontakt gekommen sind. Aus der Sicht des Evangelisten Matthäus handelt es sich um Christen. Viele von ihnen hören Jesu Worte, doch sie verstehen sie nicht. Ihnen stehen die Jünger gegenüber. Sie hören und verstehen. Zu ihnen sagt Jesus: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen, jenen aber ist es nicht gegeben“ (Mt 13, 11). Wer das Wort vom Himmelreich gehört und verstanden hat, dem wird ein immer tieferes Verständnis und reiche Fruchtbarkeit geschenkt. Wer jedoch das Wort hört, aber nicht versteht, das heißt: nicht wirklich angenommen und zur zweiten Natur seines Lebens hat werden lassen, dem wird es abhandenkommen. Im Gleichnis paaren sich nüchterner Realismus mit Zuversicht: Mögen es auch nur wenige sein, die verstehen, so bringen doch gerade sie reiche Frucht. Ihnen ist es zu verdanken, dass Gottes Wort zur Wirkung kommt.
Jesaja 55,10–11
Römer 8,18–23
Matthäus 13,1–23
Zu den Lesungen des 15. Sonntags im
Jahreskreis 2026 (Lesejahr A)
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