Die Taufe schafft eine Realität, von der die Sehnsüchte der aktuell raumgreifenden transhumanistischen Phantasien nur träumen können. Wenn wir der Überzeugung des Apostels Paulus folgen, die er im sechsten Kapitel des Römerbriefs ausspricht, hat Christus die absolut unüberwindliche Grenze unserer menschlichen Existenz, den Tod, in jeder Hinsicht überwunden, und das nicht nur für sich allein, sondern für alle, die zu ihm gehören, die in sein menschliches Sterben hineingetaucht und in diesem Sakrament so untrennbar mit ihm verbunden sind, dass sie mit ihm und in ihm, dem Auferstandenen, das unzerstörbare, ewige Leben haben. In 2 Kor 5, 17 spricht der Apostel davon, dass wir „in Christus eine neue Schöpfung“ sind, und in Röm 6,4, dass „wir in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln“.
Und das bedeutet, dass dieses neue Leben, die ganz neue Existenzweise, nicht etwa irgendetwas rein Zukünftiges ist, sondern ganz real schon hier auf Erden stattfindet. Äußerlich unterscheiden sich Christen in nichts von allen anderen Menschen, aber von innen her sind wir eine ganz neue „Art“, und das bleibt nicht ohne Auswirkung auf die gesamte Lebensführung. Das christliche „Wandeln“ in der „Neuheit des Lebens“, wie Röm 6, 4 wörtlich übersetzt lautet, verdankt sich dem Vermögen, die Spuren Gottes und seines Handelns in dieser Welt wahrzunehmen, oder anders gesagt: den realen Beginn der Gottesherrschaft zu begreifen. Und diese Wahrnehmung bewirkt eine völlige Umgestaltung der alten Lebensweise.
Die Lesung aus dem zweiten Buch der Könige stellt die Frau von Schunem als Vorausbild einer solchen Wirklichkeitswahrnehmung vor, denn sie vermag zu erkennen, dass Elischa „ein heiliger Gottesmann ist“ (2 Kön 4, 9), und diese Gewissheit ermutigt sie, dem Propheten Gutes zu tun, noch bevor der sich durch Wort und Tat als solcher zu erkennen gegeben hat.
Taufe bringt neues Leben
Nach dem Wort Jesu im Evangelium lässt dieser geschärfte Blick des neuen, mit Christus verbundenen Lebens entdecken, wo einem ein Prophet und ein Gerechter begegnet (vgl. Mt 10, 41), und mehr noch: der Blick aus der „Wirklichkeit des neuen Lebens“ offenbart, dass unter den „Kleinen“ – dabei ist wohl an Menschen zu denken, die wir schnell als „unwichtig“ abtun oder die vordergründig vielleicht keinen besonders frommen oder religiösen Eindruck machen – echte Jünger Jesu sind (vgl. Mt 10, 42). Und diese Erkenntnis fordert eine entsprechende Haltung und ein unverzügliches Handeln.
Durch die Taufe, so sagt es Paulus, wird die „Neuheit des Lebens“ vermittelt, die nichts anderes ist als die existenzielle Gemeinschaft mit Christus. Die Lebensaufgabe eines jeden Getauften besteht darin, das eigene Leben von dieser echten Neuheit immer tiefer prägen und transformieren zu lassen, sodass die Liebe zu Christus zu der großen und starken Liebe wird, aus der heraus die Liebe zu allem anderen wächst (vgl. Mt 10,37).
2 Könige 4, 8–11.14–16a
Römer 6, 3–4.8–11
Matthäus 10, 37–42
Zu den Lesungen des 13. Sonntags
im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A)
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