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Ernstfall der Dankbarkeit

In guten wie in schlechten Zeiten sollten wir Gott danken, schreibt Kurt Kardinal Koch. Nach dem Vorbild Jesu, der in der äußersten Niederlage seines irdischen Lebens dankt.
Jesus fällt, Marija Bistrica
Foto: Imago | Die ganze Tiefe und den radikalen Ernst dieses Gebets kommen erst vor unsere Augen, wenn wir bedenken, in welcher Situation Jesus es spricht.

Es zeichnet den wachen Menschen aus, dass er denken und deshalb danken kann. Dies gilt in besonderer Weise vom Christen, der aus dem großen Dankgebet der Kirche, der heiligen Eucharistie, lebt. Als eucharistischer Mensch versteht er sich als dankbares Lebewesen, das darum weiß, dass im menschlichen Leben nichts selbstverständlich ist. Wer dessen inne wird und es in seiner ganzen Tragweite erfasst, wird immer wieder dazu bewegt, Gott für alles Dank zu sagen und selbst noch bei allem Schweren, das einem widerfährt, Grund zum Danken zu finden. Ob solche Dankbarkeit wirklich glaubwürdig ist, zeigt sich freilich erst, wenn wir die Situation in den Blick nehmen, in der wir unseren Dank aussprechen.

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Es fällt uns gewiss leicht zu danken, wenn es uns gut geht und wir uns auf dem Höhepunkt der beruflichen Karriere befinden. Wie steht es aber um unsere Dankbarkeit, wenn wir uns in einer schwierigen und uns belastenden Situation vorfinden? Auf diese Frage gibt das Sonntagsevangelium eine hilfreiche Antwort, indem es uns dieses Gebet Jesu schenkt: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen“ (Mt 11, 25–26).

Die ganze Tiefe und den radikalen Ernst dieses Gebets kommen erst vor unsere Augen, wenn wir bedenken, in welcher Situation Jesus es spricht. In seinem irdischen Leben und Wirken handelt es sich um jene Situation, in der der sogenannte „Galiläische Frühling“, während dem die Menschen auf Jesu Wort hören und ihm nachgehen, vorbei ist und seine Sendung stets deutlicher ans Kreuz führt.

Sie wissen nicht, was sie tun

Jesus spricht sein tiefes Gebet in der Situation, in der sich die äußere Niederlage im Leben des Gottessohnes abzeichnet und in der sich zeigt, dass sein Weg mit einem äußeren Scheitern enden wird. Wer in einer solchen Situation zu beten und Gott zu danken vermag, der meint es wirklich ernst mit seinem Gebet. Das Gebet Jesu ist dabei „bloß“ der Vorschein jenes Gebetes, das Jesus am Kreuz gesprochen hat, als er sich im und durch das Gebet zur Bitte um Vergebung und Versöhnung durchgerungen hat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23, 34).

Das Gebet Jesu kann uns so lehren, was christliches Beten bedeutet. Jesus will uns vor allem zeigen, dass es in allem Beten um die Ausrichtung unseres Lebens auf den Willen Gottes geht. Christliches Beten will uns befähigen, den Willen Gottes zu suchen und deshalb gewillt zu sein, in seinen Willen einzuwilligen. Wer so zu beten versucht, wird dann auch in den weiteren vom Evangelisten Matthäus überlieferten Worten Jesu Trost finden, dass sein Joch nicht drückt und seine Last leicht ist: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“

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