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Lampedusa: Papst besucht Brennpunkt der Migration

Wie einst Franziskus reist Leo XIV. zur „Porta d'Europa“ und machte das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter zum Programm.
Papst Leo auf Lampedusa
Foto: IMAGO/VATICAN MEDIA (www.imago-images.de) | Papst Leo XIV. an der „Porta d’Europa“ (Tor nach Europa) auf Lampedusa.

Am Samstagmorgen ist Papst Leo XIV. auf Lampedusa gelandet. Die italienische Insel zwischen Sizilien und Nordafrika ist nicht nur eine attraktive Urlaubsinsel; sie gilt seit Jahren auch als Brennpunkt der Migration.

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Mit seinem Besuch knüpfte Leo XIV. bewusst an seinen Vorgänger Franziskus an. Als Sohn italienischer Einwanderer in Argentinien war diesem das Schicksal von Migranten ein besonderes Anliegen. Auch er besuchte Lampedusa bereits kurz nach seinem Amtsantritt, um ein Zeichen gegen die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ zu setzen und den im Mittelmeer ertrunkenen Migranten zu gedenken. Lampedusa gehört zu den zentralen Ankunftsorten von Bootsflüchtlingen im zentralen Mittelmeer. Jährlich erreichen laut dem Migrationsmagazin „Migazin" durchschnittlich etwa 40.000 Migranten die italienische Insel über das Mittelmeer. 2025 waren es nach Angaben des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) 49.500.

„Das Wunder des Mitgefühls“

Nachdem Leo XIV. im Beisein zahlreicher Gläubiger, die seinen Besuch mit Musik und Jubelrufen begleiteten, auf dem Friedhof von Lampedusa an den Gräbern einiger Migranten einen Blumenkranz niedergelegt hatte, ging er zunächst zur berühmten Pforte, der „Porta d’Europa“ (Tor nach Europa), und schaute aufs Meer hinaus, über das Migranten ihre gefährliche Reise von Nordafrika nach Europa wagen – eine Reise, die unberechenbar ist wie der Wind, der Leos Pileolus an der „Porta d’Europa“ vom Kopf fegte.

Die Porta ist ein Mahnmal für alle Migranten, die bei der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben verloren haben, gilt aber auch als Symbol der Hoffnung und des Willkommens für diejenigen, die die Überfahrt überstehen. In seiner Predigt während der heiligen Messe auf dem Sportplatz „Arena“ im Stadtteil Salina sagte der Papst, die Überfahrt über das Mittelmeer sei ein Weg, „der so gefährlich ist wie jener, der von Jerusalem nach Jericho hinabführte“.

Er dankte den Menschen auf Lampedusa für die Hilfe, die sie den Gestrandeten zuteilwerden lassen. Dazu gehören auch Migranten, die Leo explizit erwähnte: „Sie selbst haben auf ihrem Weg nicht nur Solidarität erlebt, sondern sie oft auch selbst gepflegt, als Arme, die den noch Ärmeren helfen.“ Damit geschehe „das Wunder des Mitgefühls“ – „jene innere Revolution, die das ‚Fühlen‘ Gottes in uns zur Entfaltung bringt und unsere Gedanken, unser Herz und unser Leben weitet“.

Worin die Zivilisation der Liebe besteht

Mit Blick auf das Evangelium vom barmherzigen Samariter erklärte der Papst: Wer sich von dieser Dynamik des Mitgefühls und der Barmherzigkeit leiten lasse, beginne, „anders zu leben, anders Bürger zu sein und anders zu arbeiten“. Dann könne wirklich die Zivilisation der Liebe entstehen, die schon seine „heiligen Vorgänger Johannes XXIII., Paul VI. und Johannes Paul II. vor Augen hatten“.

Wie der barmherzige Samariter könne jeder Mensch heute Pläne und Richtung ändern. „Mehr noch als der Samariter verfügen wir über Ressourcen und Möglichkeiten, der Hoffnung eine geschichtliche Gestalt zu verleihen.“ Wir müssten erkennen, dass die Zivilisation der Liebe nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste entstehe, sondern – er zitierte aus seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ – „aus der Summe kleiner und beharrlicher Akte der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen“.

Niemand sei ohne Verantwortung: „Alle verfügen über einen eigenen Handlungsbereich, und genau dort – nirgendwo anders – sind wir aufgerufen, zu entscheiden, ob wir die Logik der Stärke nähren, und sei es nur durch Gleichgültigkeit, Zynismus, Lüge oder Hass, oder die Logik des Friedens hochhalten – mit Wahrheit, Besonnenheit, Nähe und Fürsorge.“

Engel beherbergt, ohne es zu ahnen

Wie der Priester und der Levit in dem Gleichnis am Verletzten vorbeigegangen seien, so gebe es auch heute Menschen, „die Angst haben, sich durch den Kontakt mit anderen zu ‚verunreinigen‘“. Es sei an der Zeit zu erkennen und zu bekräftigen, dass die Religionszugehörigkeit niemals zu einem Grund für Diskriminierung werden dürfe, „denn der Glaube kennt keine Grenzen, sondern ist ein universaler Ruf zur Erlösung“. Mit Rekurs auf die erste Lesung erinnerte der Papst daran, „dass einige durch ihre Gastfreundschaft ‚ohne es zu ahnen, Engel beherbergt‘ haben“ und appellierte an die Bewohner Lampedusas: „Seid im Kleinen also ein prophetisches Zeichen für das, wonach wir gemeinsam im Großen streben können.“

Während seines kurzen Besuchs auf Lampedusa segnete der Papst am Landungssteg „Molo Favaloro“ die Gedenktafel, mit der der Pier nach Papst Franziskus benannt worden ist. Laut Leo ist diese Tafel ein „Zeichen der Verbundenheit, die mein Vorgänger mit Ihrer Gemeinschaft sowie mit den Brüdern und Schwestern unter den Migranten aufgebaut hat“. Auch er sicherte den Bewohnern Lampedusas zu: „Der Papst begleitet Sie weiterhin, er steht Ihnen bei und ermutigt Sie.“ Nach der heiligen Messe traf Leo in den Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung Vertreter der zivilen und militärischen Behörden, Freiwillige, Priester und Kranke, bevor er nach Rom zurückkehrte.  DT/dsc

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