Pater Androić, wollten Sie schon immer Priester werden?
Nein, eigentlich habe ich mein Bestes getan, vor dieser Berufung wegzurennen (lacht). Ursprünglich dachte ich, das sei nichts für mich, wollte heiraten und eine Familie gründen. Dazu hätte es auch die Möglichkeit gegeben. Menschlich betrachtet, war ich überzeugt, alles ging in die Richtung Ehe. Entscheidend war eine Wallfahrt in Marija Bistrica bei Zagreb. Dort habe ich lange vor dem Allerheiligsten verweilt und Gott darum gebeten, dass er mir seinen Weg zeige. Sehr bald darauf sind Dinge geschehen, die mich Richtung Seminar und Petrusbruderschaft geführt haben.
Ist das „normal“ für eine Berufungsgeschichte?
Bei Berufungsgeschichten gibt es oft zwei Varianten: Manchmal weiß ein Bub von klein auf, dass er Priester werden möchte. Und dann wird alles so in diese Richtung gesteuert, vom lieben Gott. Oder die Männer entdecken ihre Berufung zum Priester erst später, sind also „spätberufen“. Zu dieser Kategorie zähle ich mich. Denn obwohl ich katholisch erzogen wurde, stellte ich mir die Frage der Priesterberufung erst mit 17 oder 18 Jahren.
Dann waren Sie also schon als Kind gläubig?
Ja, so wie die meisten Kroaten. Ich komme aus einer recht katholischen Umgebung, wobei es da Unterschiede in meiner Familie gibt. Vor allem dank meiner Großmutter mütterlicherseits habe ich zum Glauben gefunden. Sie hat mir den Rosenkranz und andere Grundgebete beigebracht. Wir sind häufig zusammen in die Kirche gegangen.
Als Kind und Jugendlicher war ich eng mit meiner Pfarrei im Stadtzentrum von Zagreb verbunden, St. Blasius. Letztendlich war es jedoch wirklich vor allem meine Großmutter, die mir im Glauben geholfen hat. Abgesehen davon war ich immer tief davon überzeugt, dass Jesus und Maria bei mir sind. Das hat meine jungen Jahre geprägt.
Wie ging es dann weiter?
Aufgrund verschiedener Umstände bin ich nach dem Schulabschluss nicht ins Seminar eingetreten. Ich habe fünf Jahre in Zagreb englische und russische Philologie studiert. In dieser Zeit erlebte ich so etwas wie eine innere Bekehrung oder Vertiefung des Glaubens.
Ich bin mein ganzes Leben lang am Sonntag in die Messe gegangen. Aber im Studium hatte ich auf einmal diesen Wunsch, den Glauben tiefer zu leben und zu verstehen. Das haben verschiedene Begegnungen bedingt und verstärkt. Besonders prägend war, dass ich 2017 die Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus kennenlernte. Zwei Jahre danach bin ich in das Seminar der Petrusbruderschaft in Wigratzbad eingetreten. Ich war 24 Jahre alt und konnte wenig Deutsch. Das erste Jahr war vor allem ein Überlebenskampf, was die Sprache angeht. Ich durfte auch nicht nach Hause fahren, wegen der Corona-Pandemie.
Gab es andere Herausforderungen?
Ja, ich wusste nicht, wie das alles funktionieren sollte: Abgesehen von der fremden Sprache war ich weit weg von zu Hause und das hat meinen Eltern Sorgen bereitet. Sieben Jahre ist außerdem lang, besonders wenn man schon vorher studiert hat. Meine kroatischen Freunde waren damals schon am Arbeiten, hatten teilweise bereits Familien. Und ich fing noch einmal an, ohne zu wissen, ob ich am Ende tatsächlich Priester würde.
Aber ich denke, Gott hatte diese Herausforderungen vorbereitet, damit ich meine Berufung prüfen und am Ende des Weges ganz frei ,Ja’ dazu sagen konnte. Es geht letztlich darum, dass Liebe sich nie aufzwingen will. Gottes Liebe muss frei angenommen werden. Diese Zeit war sehr wichtig und auch die Ungewissheiten waren eine Vorbereitung auf das priesterliche Leben.
Worauf freuen Sie sich jetzt am meisten?
Zunächst einmal: Priester für die Kirche Christi zu sein ist das größte Glück, das ich mir vorstellen kann. Ich freue mich darauf, die heilige Messe zu feiern. Darin finden wir – wie uns die Kirche lehrt – die Quelle und den Höhepunkt unseres christlichen Lebens. Abgesehen davon spüre ich schon jetzt, den Menschen beizustehen und ihnen die Sakramente zu bringen, ist eine riesige Freude. Vor allem, durch das Sakrament der Buße Mittler der barmherzigen Liebe Gottes für die Menschen zu sein. Weil Christus das Priestertum genau dafür eingesetzt hat. Sicherlich kommen auch schwierige Momente. Der priesterliche Alltag ist nicht immer einfach.
Was haben Sie seit Ihrer Priesterweihe gemacht?
Am Sonntag war meine Primizmesse und bis Montag hatte ich Familie und Freunde zu Besuch. Abgesehen davon gibt es viel zu organisieren. Dienstag und Mittwoch musste ich – nach sieben Jahren – mein Zimmer im Priesterseminar ausräumen. Gerade bin ich in Türkheim in unserer Niederlassung und bald fliege ich für Heimatprimizen nach Kroatien.
Was würden Sie jungen Männern empfehlen, die Priester werden möchten?
Jede Berufungsgeschichte ist eine eigene Sache, das sehe ich allein schon an meinen Mitbrüdern. Gott begegnet uns dort, wo wir sind. Am besten versteht man, ob man Priester werden sollte, wenn man viel Zeit mit Jesus verbringt: betet, vor dem Allerheiligsten, in der Stille. Das gilt für jede Berufung. John Henry Newmans Wappenspruch drückt es gut aus: „Cor ad cor loquitur“ (dt.: „das Herz spricht zum Herzen“), eine tiefe Beziehung zu Christus braucht man. Er hat uns nicht nur Diener genannt, sondern auch Freunde. Manche jungen Männer fühlen sich vielleicht unwürdig, Priester zu werden. Doch Gott verlangt nicht im Voraus Vollkommenheit. Ganz im Gegenteil: Er befähigt uns überhaupt erst, den Weg zu gehen. Von uns braucht er nur die Bereitschaft und das Vertrauen. Wenn wir ihm mit Liebe antworten, dann wird er sich auch um alles kümmern, was danach noch kommt. Das ist meine Erfahrung.
Wie können die Gläubigen die Priester unterstützen?
Kein Priester ist dazu berufen, Priester für sich selbst zu werden. Sondern für die Menschen. Deshalb ist er von Anfang an auf sie angewiesen. Wir sind berufen, um den Gläubigen zu dienen. Ohne sie können wir nicht bestehen und unsere Berufung wird nicht das, was sie sein soll. Die Kirche ist eine große Familie Gottes und die Gläubigen sind Teil der Berufung von einem selber.
Gott schickt unaufhörlich gute Priester, Mitbrüder und Gläubige, die einen unterstützen. Das ist unerlässlich, denn es wird immer Widerstand geben. Und diese Hilfe, die uns Gott schenkt, ist auch manchmal ein starkes Zeichen, dass man den Weg des Priestertums gehen soll. Alleine können wir es nicht schaffen, weder vor noch im Seminar.
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