Gabriele und Tomas Eitavicius vertreiben in einem Internetshop vier Rosenkranz-Modelle. Davon lebt das litauische Ehepaar, so gut läuft ihr Geschäft. Das haben sie auch Matt Fradd zu verdanken, dem bekanntesten katholischen Podcaster der Welt. Dieser entdeckte 2025 ihr kleines Familienunternehmen und bewirbt es seither in seinen Videos. Die Gottesmutter habe das gefügt, sagt Gabriele. „Sie passt auf ihre Kinder auf und führt sie zusammen.“
Die 33-Jährige sitzt in Vilnius auf der Terrasse eines Cafés. Die Sonne scheint, Pilger füllen die Straßen. 5.000 sind aus der ganzen Welt angereist, für den „Weltkongress der Barmherzigkeit“. So auch Gabriele und Tomas. „Theotokos Rosarys“, wie ihr Unternehmen heißt, hat in der Kongressmesse einen Stand. ‚Theotokos‘ – das bedeutet auf Griechisch ‚Gottesgebärerin‘. „Ich mag diesen geheimnisvollen Titel. Uns fragen ständig Menschen, welche Bedeutung dahintersteckt“, sagt Gabriele. „Dadurch bieten sich immer wieder Gelegenheiten, von Christus und Maria zu erzählen.“
Jeder Rosenkranz wird in Handarbeit gemacht
Sie und ihr Ehemann Tomas wohnen nicht in Vilnius, sondern in Telsiai, am anderen Ende von Litauen. Die hübsche Frau ist Illustrateurin. Man sieht es ihr äußerlich an: am Blumenkleid, abgestimmt mit ihren braunen Locken, ihrer Ledertasche und ihren Lederschuhen. Mit Mitte zwanzig fand sie zurück zum katholischen Glauben. Den möchten sie und Tomas jetzt durch „das Wahre, Gute und Schöne“ weitergeben. „Den Rosenkranz zu beten, das ist so, als würde man die Hand der Gottesmutter halten“, meint sie. Vor sechs Jahren entdeckte sie dieses Gebet. In der praktischen Umsetzung haperte es jedoch: „Ich habe keinen Rosenkranz gefunden, den ich wirklich schön fand. Daher bastelte ich einen. Mein Mann hat mir dann vorgeschlagen, daraus ein Produkt zu machen.“

Was klein begann, sind heute drei Vollzeitstellen. Das Team von Theotokos stellt jeden Rosenkranz händisch her. 16 Stunden arbeitete sie an manchen Tagen, als die Bestellzahlen in die Höhe schossen. Sofern alles an Material bereitliegt, rechnet sie eine Stunde pro Produkt: um die Perlen aufzufädeln und zu knüpfen; für Verpacken, Versiegeln und Abschicken. Ab und zu wünschen sich Kunden, dass sie eine handgeschriebene Karte beilegt. „Häufig stehen darauf Glückwünsche zum Schulabschluss und zur Erstkommunion oder Firmung. Manchmal sind es auch Liebesbriefe“, sagt sie. Die Hauptkunden leben in den USA und Kanada, weitere in Deutschland, Korea, Australien, England und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Selten kämen Bestellungen aus Litauen. „Dort sind wir gar nicht so bekannt.“
Inspiriert durch die alte Messe
„Wir wollen unsere Rosenkränze möglichst schön gestalten, nicht möglichst billig. Das Material ist das, aus dem Kirchen gebaut werden: Stein, Metall, Glas und Holz.“ Die Rosenkränze sind inspiriert von und benannt nach vier großen Kirchen: der Kathedrale von Chartres, St. Germain in Paris, Notre Dame de Fourvière in Lyon und dem Petersdom“, sagt Gabriele. Kunden würden zurückmelden, wie die schönen Rosenkränze ihnen helfen, mehr zu beten, teilweise täglich einen Rosenkranz. Das bezeuge wiederum, wie transzendent Schönheit sei, folgert Gabriele.
„Schönheit erhebt die Seele zu Gott. Darum gehe ich auch so gerne in die traditionelle lateinische Messe im überlieferten Ritus“, meint sie. Gestern Abend sei sie in Vilnius in einer wunderschönen „alten Messe“ gewesen, schwärmt sie dann. „Die lateinische Messe motiviert uns zu mehr Ästhetik in der Produktion. Schönheit umgeht das Gehirn und erreicht sofort die Seele. Daher kann Schönheit die Begegnung zwischen Gott und einem Menschen ermöglichen. Indem wir die Dinge für Gott machen, werden sie umso schöner für uns und nähren uns. Wenn wir die Liturgie andersherum für die Menschen machten, würden wir uns einschränken“, sagt Gabriele.
55.000 Follower auf Instagram
Ihren Online-Shop verbreiten sie auch auf X, Facebook, Pinterest und Instagram. Auf Instagram folgen ihnen über 55.000 Menschen. Vor allem sieht man dort Fotos von den vier Rosenkränzen: in Weiß, Türkis, Schwarz und Braun. Jeder kostet 110 Euro. Gabriele fotografiert sie überall, in Rom, am Meer, im Weinberg oder vor einem sprudelnden Brunnen. Darunter postet sie Bibelzitate oder Informationen zum Verkauf.
Der Kaffee ist fast ausgetrunken, jetzt muss die Litauerin gehen, zurück zum Stand von Theotokos. Dort können Kunden auch ihre anderen Produkte kaufen: das Weihrauchstäbchen, ein ölbasiertes Parfüm, hergestellt von französischen Ordensschwestern, und ein Kruzifix für den Rückspiegel im Auto. Bevor sie aufbricht, erinnert sie noch einmal daran: Um 18 Uhr gibt es in Vilnius’ Altstadt in der 500 Jahre alten St.-Anne-Kirche wieder die „alte Messe“. Es lohne sich, zu kommen.
Zum Online-Shop von Theotokos geht es unter theotokosrosaries.com
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