Vier Religionsgemeinschaften haben sich nach der Ankunft von mehr als 60.000 Migranten in Ceuta mit Erfolg zusammengeschlossen: Am Sonntag folgten Tausende einem gemeinsamen Aufruf christlicher, jüdischer, muslimischer und hinduistischer Religionsführer, um bei einer friedlichen Kundgebung politische Lösungen für die spanische Enklave zu fordern. Bereits für Samstag wird der nächste Massenansturm erwartet.
Dass die katholische Kirche über die Grenzen Marokkos und Spaniens hinaus als Stimme der Vernunft wahrgenommen worden ist, verdankt sie vor allem Erzbischof Emilio Rocha Grande OFM von Tanger. Der couragierte Franziskaner sprang seinem angefochtenen Mitbruder, dem Apostolischen Administrator der Diözese Cádiz-Ceuta, Bischof Ramón Darío Valdivia Giménez, bei. Dieser hatte Nervenstärke gezeigt und in der ersten Augustwoche alle religiösen Festlichkeiten zu Ehren der Stadtpatronin „Maria von Afrika“ wie geplant stattfinden lassen. Doch seine Einschätzung, es handele sich bei dem Vorfall Ende Juli um eine politische Krise und nicht um ein klassisches Migrationsproblem, war das Letzte, was die Politiker in Madrid hören wollten. Spaniens Regierung mag partout keinen Zusammenhang zwischen der von ihr durchgesetzten Massenlegalisierung von Migranten und der Krise in Ceuta erkennen.
Erzbischof Rocha sagt die unbequeme Wahrheit
Erzbischof Rocha bestätigte Bischof Valdivias Beobachtungen und sagte die vielen eher ungelegene Wahrheit: Marokko sei kein armes Land, in dem junge Menschen dem Hunger entfliehen müssten. Medial geschürte Träume, soziale Ungleichheit und der Wunsch nach besseren finanziellen Verhältnissen trieben die Menschen fort, aber weder die Mafia noch das Elend. Der gebürtige Spanier zeigte auch Empathie für die Bevölkerung von Ceuta, die sich zu Recht von den staatlichen Behörden im Stich gelassen fühlt. Allein der Einzelhandel in Ceuta verzeichnet bisher 18 Millionen Euro Einbußen, weil das normale Leben tagelang ruhte, Geschäfte geschlossen blieben und das Stadtfest abgesagt wurde.
Erzbischof Rocha appellierte an den gesunden Menschenverstand: Migranten dürften nicht zur politischen Verhandlungsmasse werden. Die Kirche in Marokko wolle den Rückkehrern unter die Arme greifen. Mutige Hirten erkennt man heute am Verzicht auf routinierte Betroffenheitsfloskeln und diskreten Appellen an die Eigenverantwortung der Migranten.
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