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Der Bischof, den der Zar verbannte

Zygmunt Szczesny Felinski kämpfte für die Freiheit Polens und der katholischen Kirche – und bezahlte mit 20 Jahren im russischen Exil. Ein Patriot und Mann der Versöhnung.
Kirche
Foto: IN | Der selige Zygmunt Szczesny Felinski lebte von 1822 bis 1895. Er war Erzbischof von Warschau.

1815 wurde Europa auf dem Wiener Kongress neu geordnet. Polen wurde zur Monarchie in Personalunion mit Russland: Der russische Zar war gleichzeitig polnischer König. Das theoretisch autonome Polen stand als „Kongresspolen“ praktisch unter russischer Kontrolle. Viele Polen wünschten sich einen unabhängigen Staat und begehrten gegen die russische Vorherrschaft auf. Im Januar 1863 kam es zum bewaffneten Aufstand, der durch die russische Armee niedergeschlagen wurde. Um den Adel zu zersprengen, wurden viele Polen nach Sibirien und in andere Teile Russlands deportiert, darunter der Erzbischof von Warschau, Zygmunt Szczesny Felinski, der den Aufstand unterstützt hatte, da die Freiheit Polens auch die Freiheit der katholischen Kirche von russischer Bevormundung bedeutete. Er bezahlte seinen Einsatz mit 20 Jahren im russischen Exil und dem erzwungenen Verzicht auf eine Rückkehr nach Warschau. 2002 wurde er von Johannes Paul II. selig- und sieben Jahre später von Benedikt XVI. heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 17. September.

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Zygmunt Szczesny Felinski wurde am 1. November 1822 im wolhynischen Wojutyn – heute in der Ukraine – in eine adlige Familie katholischer Tradition geboren. Mit 11 Jahren verlor er seinen Vater; als er 16 war, wurde seine Mutter, die Schriftstellerin Ewa Wendorff, wegen patriotischer Aktivitäten nach Sibirien verbannt. Besonders ihr Vorbild prägte den Gymnasiasten Zygmunt sehr. Nach dem Schulabschluss studierte er Mathematik in Moskau und französische Literatur in Paris, wo er in engen Kontakt mit Künstlern und Schriftstellern der Romantik kam. Zurück in Polen, nahm er 1848 an einem patriotischen Aufstand teil, entfernte sich aber in der Folgezeit von der Politik, da er erkannte, dass nur der christliche Glaube einen echten Wandel in der Gesellschaft bewirken könne. Schließlich trat er in das Priesterseminar von Schytomyr ein und besuchte anschließend die katholische Akademie in Sankt Petersburg, wo er am 8. September 1855 die Priesterweihe empfing.

„Der heilige polnische Bischof”

Nur zwei Jahre später wurde er Direktor der Akademie. Gleichzeitig widmete er sich intensiv der karitativen Tätigkeit, gründete ein Werk zur Armenfürsorge sowie eine Schwesternkongregation, die sich um Kinder, arme und kranke Menschen kümmerte. Am 26. Januar 1862, mit 39 Jahren, wurde Zygmunt Szczesny Felinski auf Wunsch von Papst Pius IX. zum Metropolitan-Erzbischof von Warschau geweiht, wo die Lage zwischen den russischen Autoritäten und der katholischen Kirche sehr angespannt war. Nachdem russische Truppen die Kathedrale entweiht hatten, weihte er sie neu. Außerdem kümmerte er sich um die Bildung des Klerus, die Katechese sowie um die Armenfürsorge.

Im Januaraufstand 1863 forderte der Erzbischof die Achtung der Rechte der polnischen Bevölkerung, die Freiheit der katholischen Kirche und das Recht auf direkte Beziehungen zum Heiligen Stuhl in Rom, ohne Mediation der russischen Regierung. Seine feste Haltung brachte ihm das Exil ein: Am 14. Juni 1863 wurde er von Warschau nach Jaroslawl an der Wolga deportiert. Hier verbrachte er die folgenden zwei Jahrzehnte unter ständiger Beobachtung. Trotzdem setzte er seine Pastoralarbeit fort und initiierte den Bau einer katholischen Kirche, die er mit Spenden aus der Bevölkerung finanzierte. Gleichzeitig widmete er sich einer intensiven literarischen Tätigkeit. Aufgrund seiner karitativen Tätigkeit und der Hinwendung zu den Menschen war er in der Stadt als „der heilige polnische Bischof“ bekannt.

1883 bekam Bischof Zygmunt nach langjährigem diplomatischem Tauziehen zwischen dem Heiligen Stuhl und der russischen Regierung die Freiheit zurück, durfte jedoch nicht nach Warschau zurückkehren. Er verbrachte die letzten zwölf Jahre seines Lebens im galizischen Dzvyniachka, das zum Habsburgerreich gehörte und von Österreichern und Ukrainern bewohnt war. Hier zeichnete er sich besonders als Mann des Friedens und der Versöhnung aus, jenseits jeder nationalen Zugehörigkeit. Er starb am 17. September 1895 in Krakau. Seit 1921 ruhen die sterblichen Überreste von Bischof Zygmunt Szczesny Felinski in der Johannes-Kathedrale in Warschau.

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Claudia Kock Erzbischöfe Johannes Paul II. Katholische Kirche Pius IX. Päpste Russische Regierung

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