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Graf: Kirche könnte „viri probati“ zulassen

Während der Regensburger Weihbischof die Frauenordination ablehnt, sieht er im Zölibat keine unabdingbare Voraussetzung für die Priesterweihe. Den Priestermangel würde das allerdings nicht beheben.
Der Regensburger Weihbischof plädiert für viri probati
Foto: Bistum Regensburg | Die Ursache für den Priestermangel sieht der Regensburger Weihbischof im Glaubensschwund.

Der Regensburger Weihbischof Josef Graf hält die Weihe sogenannter „viri probati“, also bewährter verheirateter Männer, zu Priestern grundsätzlich für möglich. In einem Interview mit dem „Katholischen Sonntagsblatt“ der Diözese Bozen-Brixen von dieser Woche sagte er, der Zölibat sei zwar ein Charisma und für die „Ausübung des priesterlichen Dienstes hilfreich“, aber keine unabdingbare Voraussetzung für die Priesterweihe. Zugleich räumte er ein, dass der Priestermangel durch die Zulassung verheirateter Männer „wohl nicht“ beseitigt werde.

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In Regensburg und Passau gebe es derzeit gemeinsam rund 25 Seminaristen, da die Priesteramtskandidaten beider Diözesen seit mehreren Jahren zusammen in Regensburg studieren. Zu seiner Zeit als 26-jähriger Spiritual des Regensburger Priesterseminars habe es dagegen – für Regensburg allein – noch bis zu 100 Seminaristen gegeben. Als Gründe dafür nannte Graf nicht nur schwächere Geburtenjahrgänge, sondern die „säkulare Situation“ sowie die „unschöne antikirchliche Stimmung“.

Glaubensschwund ist der Kern des Problems

Wörtlich sagte der Weihbischof: „Der Priesterberuf ist ein angefochtener Beruf, Stichwort Missbrauchsskandal.“ Schon seit dem Konzil spreche man von einer Identitätskrise des Priesters. Das früher vorhandene gesellschaftliche und familiäre „fördernde, bestärkende Element“ fehle heute vielfach. Und „vielleicht haben wir es auch versäumt, den geistlichen Beruf noch mehr zu fördern“, stellte Graf fest.

Den Kern des Problems sieht der Weihbischof allerdings im Glaubensschwund und nicht in Reformfragen wie der Frauenordination. Diese lehnt er mit Verweis auf die Tradition und „sehr gewichtige theologische Gründe", die er im Interview jedoch nicht näher ausführte, ab. Wenn ein Papst mit dieser Tradition brechen würde, „so würde dies gegenwärtig zur Spaltung der Kirche führen“, sagte er. Auch bezweifelt er, dass dies den Priestermangel beheben würde. „Alle unsere katholischen Reizthemen wie Zölibat und Frauenordination hat bei uns in Deutschland die evangelische Kirche längst abgehakt. Trotzdem leidet sie mittlerweile auch unter Personalmangel und anhaltendem Mitgliederschwund.“

Lebendige Gottesbeziehung als Grundlage für Priestertum

Für die „viri probati" zeigte sich Graf dagegen offen. Die Kirche könne seiner Ansicht nach „bewährten Männern“ mit Ehe und Familie die Priesterweihe erteilen. Dabei verweist er auch auf die Praxis anderer Kirchen. In seiner Diözese Regensburg habe es, so Graf, seit Jahrzehnten einige verheiratete Priester: evangelische Pfarrer, die in die katholische Kirche konvertierten und mit Erlaubnis Roms zu Priestern geweiht wurden. Zudem würde die katholische Kirche „ja auch die Priesterweihe der orthodoxen Kirchen und der mit Rom unierten Kirchen des byzantinischen Ritus“ anerkennen, die neben dem Mönchsstand auch verheiratete Priester kennen.

Grundsätzlich sei ein funktionierendes kirchliches Leben wichtig für Berufungen. Eine Berufung zum Priester müsse nach Graf vor allem aus einer lebendigen Gottesbeziehung hervorgehen. Wer Priester werden wolle, müsse „in Gott verwurzelt“ sein und ein Interesse an Gott gefunden haben. Der Priester könne dann die Erfahrung machen, etwas in die Welt einzubringen, „das sich die Welt selber nicht geben kann“. Dabei dürfe der Priesterberuf allerdings nicht auf Gebet und Sakramentenspendung verkürzt werden. Ein Priester müsse auch „ein Herz für die Menschen“ haben. Caritas, Schulen und Krankenhäuser seien Ausdruck davon, dass der Glaube in der Liebe wirksam werde. Grundlegend bleibe jedoch die Beziehung zu Gott.  DT/dsc

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