Dass ein Gerät kein Ersatz für echte Bewegung ist, das sieht jeder sofort ein, der einen Hometrainer im Wohnzimmer herumstehen hat. Wenigstens bei mir ist das feststehende Fahrrad eher ein Staubfänger als Sportgerät; bestenfalls noch eine stumme Garderobe für abgelegte Klamotten. Viel lieber bin ich in der freien Natur unterwegs, um Abstand zum Alltag zu gewinnen, aber auch, um auf neue Gedanken zu kommen und sie zu sortieren. Ein Technikfeind bin ich keineswegs, wie man aus meiner Aversion gegenüber dem Hometrainer vielleicht schließen könnte.
Gott sei Dank wurde die alte Draisine weiterentwickelt! Es wäre schließlich viel zu anstrengend, müsste man sein Fahrrad nach wie vor jeden Steilhang hochschieben. Und wenn die Kette trotzdem mal herausspringt? Nun, dann war man meist selbst sehr unachtsam. Bergauf einen viel zu hohen Gang einzulegen, ist eben denkbar unklug. Da braucht es dann ein wenig mechanisches Geschick. Das aber kann man erlernen. Und danach getrost weiterfahren in Gottes schöner Natur.
Beim sogenannten E-Bike schlagen wiederum zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits frage ich mich bis heute: Ist das überhaupt noch echtes Radeln? Als würde einer hintendran anschieben. Nicht schlecht, aber schwierig! Ich will doch meine Kilometer aus eigener Kraft zusammenbringen und nicht schummeln. Außerdem handelt es sich dabei doch sowieso um eine Erfindung für ältere Leute!
Dank E-Bike in die Berge
Umdenken ließ mich erst meine Zeit als Kaplan in einer Gemeinde im Bayerischen Wald. Täler und Höhen sind zwar schön anzuschauen, aber unschön mit dem handelsüblichen Drahtesel zu erklimmen. Und manchmal muss man im Leben kompromissfähig sein, um handlungsfähig zu bleiben. So war’s damals auch bei mir. Auf das Rad wollte ich keinesfalls verzichten, am Berg aber kam ich nicht vorbei. Darum bin ich mittlerweile oft mit dem E-Bike unterwegs. Und um mir selbst noch ehrlich ins Gesicht schauen zu können, schalte ich auf der Ebene meist den Motor aus. Spart Strom, kräftigt die Muskeln und schenkt mir ein sanftes Fahrradsattelgewissen.
Viel lieber als auf holprigen Schotterpisten bin ich übrigens auf festen Teerstraßen unterwegs. Auf dem Schotter kommt man weit langsamer voran, und gefährlicher ist es ohnehin: Ein ausgeschwemmtes Loch, eine Pfütze oder ein loser Stein bringen einen hinterrücks zu Fall. Auf dem Asphalt kann das natürlich auch passieren, aber deutlich seltener.
Am besten ist der Rückenwind
Wenn ich recht darüber nachdenke, hat so ein unbeweglicher Hometrainer eigentlich nur einen einzigen Vorteil: Der lästige Gegenwind ist abgeblasen! Keine Probleme mehr. Doch wer nie mehr gegen den Strom schwimmt, treibt als toter Fisch im Wasser. Und in der Luft ganz sicher auch. Vielleicht gibt es also gar keinen echten Vorteil.
Wäre Jesus eigentlich auch ein Outdoor-Radfahrer gewesen? Rein hypothetisch natürlich, es gibt weiß Gott wichtigere Fragen und das hier ist eine seriöse Zeitung. Bestimmt. Denn auch er war unermüdlich unterwegs, hat genau hingeschaut, kluge Beobachtungen gemacht und konnte darum solche Hammersätze sagen wie: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Sausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht.“ (Joh 3,8) Am besten ist der Rückenwind, keine Frage!
Der Autor, 32 Jahre alt, ist Pfarrer im Bistum Regensburg.
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