So hatte ich mir meinen Sommer bestimmt nicht vorgestellt! Ich war mit Freunden unterwegs auf einem Hüttenwochenende, den ersten Teil der Tour hatten wir bereits hinter uns und ließen den Abend beschwingt im Kaminzimmer ausklingen, während wir die Sternschnuppen beobachteten, die an diesem Abend besonders gut zu sehen waren. Ein Traum! Der allerdings platzte, als ich mir in sehr tollpatschiger Weise den Kopf an einem Dachbalken anstieß und am nächsten Tag mit Kopfschmerzen und starkem Unwohlsein erwachte. Schnell war klar: Ich hatte eine leichte Gehirnerschütterung. Der Rest der Tour musste abgesagt werden. Ich war frustriert, aber sobald ich zu Hause im Bett lag, wusste ich, dass ich es ohnehin nicht mehr geschafft hätte, weiterzuwandern. Ruhe war für mich gleichbedeutend mit Langeweile. Und doch ist mir Gott in diesen Tagen auf besondere Weise begegnet.
Wer schon einmal eine Gehirnerschütterung hatte, weiß, dass man wirklich nichts tun kann, außer herumzuliegen. Eigentlich wollte ich am nächsten Wochenende schon weiter, wieder in die Berge, doch Fehlanzeige – ich musste für die nächsten zehn Tage alle Pläne streichen, was mich umso unzufriedener machte. Irgendwann begann ich, ein paar Seiten in Alexandre Dumas’ „Der Graf von Monte Christo“ zu lesen – jeweils nur in kleinen Portionen, um meinen Kopf nicht zu überanstrengen. Podcasts, Netflix, all die Ablenkungen, die eine Krankheit sonst etwas spannender gestalten, waren tabu.
Ich versuchte, zu beten, und bat Gott, er möge mich doch bitte schnell wieder gesund machen, damit ich vielleicht doch noch zum Wandern fahren könnte. Doch ich spürte, dass es jetzt um etwas anderes ging. Die Langeweile ließ nach. An ihre Stelle trat eine tiefe Ruhe, die ich so seit Langem nicht mehr gespürt habe.
Mindfullness, dieser Dauerbrenner
Fast scheint es mir, als hätte Gott mich bewusst aus dem schnellen, abgelenkten Lebensrhythmus geholt, den ich nur allzu oft praktiziere. Als hätte er mich zur Ruhe zwingen wollen, weil ich mir sonst selten Zeit dafür nehme. Und diese Ruhe, die mich durch das Leben fast ohne jede Tätigkeit erfüllte, war tiefer. Nachhaltiger. Und irgendwie befreiend. Plötzlich merkte ich, dass ich eine neue Perspektive auf Stille bekam, die ich davor nicht gut aushalten konnte. Und ich durfte erfahren, dass in der Ruhe wirklich die Kraft liegt. So ein Reset kann sich am Anfang ganz schön überfordernd anfühlen, aber im Rückblick merke ich, dass mir diese unfreiwillige Auszeit unglaublich gutgetan hat! Bis heute spüre ich ihre Auswirkungen, weil ich bewusster versuche, langsamer zu leben – und mich nicht mehr so leicht von der Fülle des Außens von meinem Fokus ablenken zu lassen.
Der gesellschaftliche Trend hin zu mehr Achtsamkeit, Ruhe und Entschleunigung ist mittlerweile überall präsent – sei es in Unternehmen, die Achtsamkeitstrainer für ihre Mitarbeiter engagieren, oder auf Social Media, wo #mindfulness ein Dauerbrenner ist. Während hier die Ruhe oft ein Mittel zum Zweck bleibt, um noch leistungsfähiger zu werden, meint der Glaube etwas anderes. Die christliche Ruhe ist kein Werkzeug zur Selbstoptimierung, sondern eine Einladung Gottes, in seiner Gegenwart zu verweilen. Sie gründet nicht im „Ich“, sondern im „Du“ – im Vertrauen darauf, dass Gott mich hält, auch wenn ich nichts leiste.
Gott möchte, dass dieser Frieden, den nur er uns in der Tiefe schenken kann, unser ganzes Leben durchzieht. Und dass wir nicht rastlos durch unser Leben hetzen und zwischendurch schnell meditieren, um dann weiterhetzen zu können. Es geht vielmehr um einen ganzen Lebensstil, der auf Gottes Frieden fußt – und auf der Gewissheit, dass wir zuallererst angenommen und geliebt sind.
Die Autorin studiert Strategisches Management und Innovation an der Universität Innsbruck.
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