Auch diese Sommerferien wollte ich wieder ein paar Tage ganz meinem Herrn widmen und mir eine geistliche Auszeit nehmen. Während ich in den letzten zwei Jahren jeweils fünf Tage im Stift Heiligenkreuz am mönchischen Leben teilnahm und Kloster auf Zeit genoss, wollte ich dieses Jahr etwas Neues ausprobieren. Schnell ist mein Blick auf die geistliche Kraftsportwoche gefallen, die Anfang August im Stift Heiligenkreuz unter der Betreuung zweier junger Mönche stattgefunden hat.
Als Pater Wilhelm ein paar Tage vor Beginn den Ablaufplan in der WhatsApp-Gruppe veröffentlichte, wusste ich, dass auf uns ein sehr spannendes Programm wartete. Nachdem wir uns am Sonntag in Heiligenkreuz einfanden, gab es eine kleine Vorstellungsrunde der etwa 15 männlichen Teilnehmer. Unsere Gruppe bestand aus den unterschiedlichsten Personen. So waren Schüler, Studenten und bereits berufstätige Personen in unseren Reihen zu finden. Trotz unserer Verschiedenheit erkannten wir schnell eine Verbindung durch unseren Glauben, der uns über die Woche hinweg als Gruppe zusammenschweißte. Nach einem kurzen Get-together starteten wir mit dem ersten, etwa eineinhalbstündigen Krafttraining im klösterlichen Gym, dem Leoninum, das nach unserem bewegungsfreudigen Papst benannt wurde.
Vor dem Schlafengehen gab es noch ein gemeinsames Gebet mit einem anschließenden Salve Regina. Der erste Tag zeigte auch schon den Grundtenor dieser Woche, der aus regelmäßigem Gebet, Betrachtung des Philipperbriefs und Krafttraining bestand. Außerdem durften wir mehrere Highlights erleben. So wurden wir beispielsweise vom Militärseelsorger und Ex-Spezialkräftesoldat Richard Weyringer im Military Crossfit unterwiesen. Außerdem gab es einen „Pater-Karl-Tag“, an dem wir einer Erwachsenentaufe in der Missio-Kapelle beiwohnten, ins Freibad fuhren, ein Krafttraining abhielten und den Abend mit einer guten Zigarre ausklingen ließen. Mein persönliches Highlight war jedoch der Abend der Barmherzigkeit mit Anbetung und Beichte.
Man gewinnt Glaubens- und Muskelkraft
Dass Sport und christlicher Glaube gut zusammenpassen, wurde mir auf dieser Kraftsportwoche zunehmend bewusst. Sport bringt dich an deine körperlichen und geistigen Grenzen und testet die eigene Standhaftigkeit in Extremsituationen aus. Da wir in diesen Tagen sieben intensive Krafttrainings à eineinhalb Stunden durchführten, waren auch meine Muskeln nach ein paar Tagen stark beansprucht. Ich konnte meine Arme nur noch in einem 90-Grad-Winkel an meinem Körper führen. Diese Anstrengung führte jedoch auch dazu, dass ich ein wohliges Gefühl der Erschöpfung spürte und mich im Gebet besser dem Herrn öffnen konnte. Dies spürte ich besonders in den Vigilien, zu denen ich mich in den frühen Morgenstunden unter starkem Muskelkater aufraffte. Besonders positiv in Erinnerung ist mir der Teamgeist unserer Truppe. Wichtig war nicht, wer die meisten Kilos auf der Bank drückte, sondern dass jeder seine persönlichen Grenzen austestete und alles für den Herrn gab. Wir motivierten uns gegenseitig und der eine oder andere, mich eingeschlossen, wuchs über sich hinaus.
Die Kraftsportwoche war für uns eine echte Bereicherung. Man lernt nicht nur gleichgesinnte junge Christen kennen und verbringt mit ihnen eine großartige Zeit, sondern man hat auch die Gelegenheit, an Glaubens- und Muskelkraft dazuzugewinnen. Die Verbindung von körperlicher Anstrengung, Teamgeist und gemeinsamem Gebet ließ mich auch in dieser Kraftsportwoche unserem Herrn Jesus Christus ein Stück weit näherkommen. Damit hat sich der Aufenthalt voll und ganz gelohnt. Denn das Schönste in meinem Leben ist, wenn ich Gott nahe sein darf!
Der Autor studiert Wirtschaftsrecht und Geschichte an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck.
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