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Kloster Neuzelle: „Ein großes Wunder“

Mehr als 500 Menschen feiern in Treppeln den Baufortschritt am Bernhardshof. Die Zisterzienser von Neuzelle wollen hier im kommenden Jahr einziehen.
Zisterzienser von Neuzelle
Foto: Oliver Gierens | Es geht voran: zumindest wird am "Bernhardshof" schon mal gebaut. Im Bild die Neuzeller Zisterzienser.

Über Treppeln ragt ein 30 Meter hoher Baukran in den Himmel. Darunter stehen Gerüste und die ersten massiven Holzwände eines Hauses, das einmal bis zu 14 Zisterziensermönchen Platz bieten soll. Noch ist es eine Baustelle. Und doch sind am 22. August mehr als 500 Menschen zum Bernhardshof gekommen.

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Eigentlich hatten die Zisterzienser zu einem Richtfest eingeladen. Doch der Bau ist noch nicht ganz so weit. Aber, so Pater Kilian Müller, Ökonom und Subprior des Klosters Maria Friedenshort, man habe sich „dann doch entschieden zu feiern, um Danke zu sagen für diese breite Unterstützung, die wir hier gefunden haben.“

So wird aus einer Baustelle für einige Stunden ein Treffpunkt für Mönche, Ordensschwestern, Katholiken, evangelische Christen, Nachbarn, Förderer und Menschen, die teilweise Hunderte Kilometer gefahren sind.

Später kommt ein größerer Klosterneubau

Einer von ihnen ist Werner Schneiderwanger aus Aachen. „Ich bin morgens um zwei Uhr losgefahren und erstaunt über die vielen Leute, die hier waren. Was die Mönche hier aufbauen, was da für Sehnsucht dabei ist, beeindruckt mich sehr. Ich war schon mehrmals hier und bin Mitglied der Josefs-Gemeinschaft.“ Immer wieder komme er gerne zum Kloster Neuzelle und bleibe einige Tage: „weil mir das einfach wertvoll ist, hier zu sein. Es gibt mir immer wieder Kraft, auch für den Alltag zu Hause.“

Seit 2017 leben nach rund 200 Jahren Unterbrechung wieder Zisterzienser in Neuzelle. 2018 wurde das von der österreichischen Abtei Heiligenkreuz abhängige Priorat gegründet. Die Mönche leben bislang unter provisorischen Bedingungen, unter anderem im ehemaligen katholischen Pfarrhaus. Der Bernhardshof im etwa zehn Kilometer entfernten Treppeln soll ihnen nun erstmals ein eigenes gemeinschaftliches Zuhause geben. Später ist ein noch größerer Klosterneubau von „Maria Friedenshort“ auf dem ehemaligen Stasi-Gelände im Wald vorgesehen.

Auf dem Bernhardshof wird dieser Zukunftsplan inzwischen sichtbar. Erste Holzelemente des Klausurgebäudes sind montiert. Ende September soll nach den Planungen der Rohbau stehen. Zu Pfingsten 2027 hoffen die derzeit sieben Mönche, einziehen zu können. Zur Gemeinschaft gehören außerdem ein Novize, drei Kandidaten und zwei Anwärter.

Bistum Görlitz will weiter unterstützen

Pater Alberich Maria verbindet mit dem neuen Haus deshalb mehr als zusätzliche Quadratmeter. Er hofft auf „Ruhe und neue Möglichkeiten, selbstständiger zu sein. Auch die neuen Kandidaten unter einem Dach zu haben, sei von Vorteil. Hier entsteht ein Ort des Gebetes und der Gastfreundschaft – später auch mit eigenen Gästezimmern.“

Auch der zuständige Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt ist nach Treppeln gekommen. Ihn überrascht vor allem die Resonanz: „Über diese große Beteiligung, die vielen Leute, die hier gekommen sind. Ich habe mit einigen gesprochen, die auch von weit hergefahren sind – sogar aus Bayern. Und es sind nicht nur Katholiken, die uns unterstützen wollen.“

Das Bistum Görlitz werde das Projekt weiter unterstützen, auch finanziell, versichert der Bischof. Zugleich macht er deutlich, dass die Möglichkeiten begrenzt sind: „Wir haben eine finanzielle Unterstützung zugesagt. Immer wenn der nächste Schritt gegangen ist, damit wir auch was sehen, dann beteiligen wir uns.“ Den größten Anteil müsse jedoch das Stift Heiligenkreuz selbst tragen.

Segen in atheistischer Gegend

Zu denen, die mitarbeiten, gehören auch Ordensfrauen. Schwester Godeberta und Schwester Veronika helfen seit zwei Jahren den Zisterziensern in Neuzelle. Beim Fest kümmern sie sich um die Verköstigung der Gäste, reichen Bratwürste aus. Im Alltag arbeiten sie eher im Hintergrund, übernehmen Aufgaben in der Hauswirtschaft, waschen Wäsche und reinigen die Gemeinschaftsräume. „Der heilige Franziskus, unser Ordensvater, hat von Jesus den Auftrag bekommen, baue meine Kirche wieder auf, die zu zerfallen droht.“ In diesem Sinne verstehen die Schwestern ihre Hilfe für die Zisterzienser, erläutert Schwester Godeberta.

Dass die Unterstützung längst über die katholische Kirche hinausreicht, zeigt Melitta Kretke. Die evangelische Christin wurde in der Nähe geboren, ging in Neuzelle zur Schule und lebt heute in Frankfurt (Oder). Was an diesem Nachmittag in Treppeln geschieht, empfindet sie als „ein großes Wunder. Man glaubt nicht, dass bei uns in dieser atheistischen Gegend so etwas möglich ist. Das freut mich sehr für dieses dürre Land hier, dass so viel Segen darauf liegt. Ein geistliches Zentrum entsteht und so viele Menschen arbeiten zusammen“.

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Rocco Thiede Bischöfe Bistum Görlitz Evangelische Kirche Katholikinnen und Katholiken Katholische Kirche Stift Heiligenkreuz

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