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Die Welt ist dafür da, sich auf sie einzulassen

Wenn es eine Botschaft des Meetings in Rimini gibt, dann ist es die, sich als Christen nicht in Enklaven oder Ghettos zurückzuziehen.
Gottesdienst mit Papst Leo XIV.
Foto: IMAGO/GIORGIO SALVATORI (www.imago-images.de) | Überlaufenes Treffen dank Papst-Besuch: das katholische Rimini-Meeting in Italien.

So bunt wie das „Meeting“ war am heutigen Sonntag auch die Zusammensetzung der Zelebranten, die am Vormittag in der zweitgrößten Halle des Messegeländes von Rimini einen Gottesdienst für die Teilnehmer des Freundschafts-Treffens feierten: Neben dem Hauptzelebranten Kardinal Matteo Zuppi, Erzbischof von Bologna und Präsident der Italienischen Bischofskonferenz, standen etwa der Erzbischof von Algier, Jean-Paul Vesco, und die Bischöfe von Helsinki, Raimo Ramón Goyarrola Belda, und von Sokota in Nigeria, Matthew Hassan Kukah. Aber auch Ordensobere feierten mit wie der Generalabt der Zisterzienser, Mauro-Giuseppe Lepori, und Joseph L. Farrell, der Generalprior der Augustiner. Der Apostolische Vikar von Beirut war ebenso dabei wie der emeritierte Bischof in Moskau, Paolo Pezzi.

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Eine der Folgen des Besuchs von Leo XIV. am Vortag: Das Meeting ist in diesem Jahr völlig überfüllt. 60.000 Menschen, so die Veranstalter, sollen den Papst gestern begeistert empfangen haben. Insgesamt zählen die Organisatoren des Meetings nicht die Teilnehmer, sondern die täglichen Präsenzen. Insgesamt werden es 180.000 sein, die sich, per Meeting-App registriert, noch bis Mittwoch durch die Sicherheitsschleusen geschoben haben. So war auch die Messe mit dem Kardinal von Bologna bis auf den letzten Platz ausgebucht. Was nicht viel macht. Hunderte von Priestern sind beim Meeting dabei. Jeden Morgen werden in den Kirchen Riminis und der umliegenden Ortschaften Gottesdienste mit Teilnehmern des Treffens gefeiert.

„Geht hinaus und begegnet allen“

In seiner Predigt ging Kardinal Zuppi nochmals auf die gestrige Ansprache des Papstes vor dem Meeting ein. „In der Welt ist es so einfach, sich sicher zu fühlen, wenn man sich in einer Enklave verschließt“, sagte er. Jedoch habe „der Papst uns gestern dazu aufgerufen, uns von dem zu lösen, was uns trennt, um uns mit der großen und leidenden Gemeinschaft zu verbinden, die diese Welt und wir untereinander sind“. Gemeinschaft sei immer „dynamisch und inklusiv“, und ihr, wandte er sich an die Teilnehmer des Meetings, „habt, wie Papst Leo sagte, keine Enklave geschaffen“. Zuppi rief dazu auf, „Feindschaft mit Freundschaft zu bekämpfen“, „Papst Leo hat uns gesagt, wir sollen hinausgehen: ‚Geht hinaus und begegnet allen‘“. Gott „versammelt weiterhin eine universelle Familie, die in dieser Zeit, in der die unverschämte Überheblichkeit der Macht vorherrscht, sich dem Babel des Ichs oder eines verschlossenen Wir entgegenstellt“. Die Kirche lebe in der Welt, „ist aber nicht von der Welt, und gerade deshalb spürt sie die entschiedene Verantwortung für diese Welt“.

Die Politiker kommen später

Stand die erste Hälfte des Meetings ganz im Zeichen des Papstbesuchs und war das Programm weitgehend Politiker-frei, so absolvieren ab morgen wie jedes Jahr die politischen Größen ihren Meeting-Besuch. Das halbe Kabinett von Giorgia Meloni wird vertreten sein, ihre beiden Stellvertreter eingeschlossen, Außenminister Antonio Tajani und Infrastrukturminister Matteo Salvini. Auch Roberta Metsola, die Präsidentin des Europaparlaments, wird auf einem Podium sitzen, bevor der lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, am Mittwoch im Dialog mit Jugendlichen über die Zukunft der Christen im Heiligen Land das Programm des Meetings abschließt.

Doch an diesem Sonntag ging es nochmals geistlich zu, wieder in einer ausgebuchten Messehalle: Ein Podium befasste sich mit Don Luigi Giussani, dem Gründer der Bewegung „Comunione e Liberazione“. Als solcher hatte er 1982 Johannes Paul II. bei dessen Besuch des Meetings begrüßt, der das Treffen, wenn auch nicht in Präsenz, dennoch immer als eines der wichtigen Werke seiner Gemeinschaft begleitet hat. Im Februar 2005 verstorben, wurde sieben Jahre später für ihn ein Seligsprechungsprozess eröffnet, dessen diözesane Phase der Erzbischof von Mailand, Mario Delpini, mit einer Feier in der Basilika des heiligen Ambrosius abgeschlossen hat. Anlass für ein Gespräch, das heute der Postulator für die „causa Giussani“ auf diözesaner Ebene, Monsignore Ennio Apeciti, der Präsident der Fraternität von „Comunione e Liberazione“, der Laie Davide Prosperi, und der Journalist Alberto Savorana, Autor einer umfangreichen Biografie über Giussani, führten. 

Wer war Luigi Giussani?

Apeciti wie Prosperi begannen ihre Erinnerung an Giussani mit der Schilderung der Person des Priesters, mit seinen Augen, seinem Lächeln, seinem Blick. Der Gründer der Bewegung hätte mit einfachen Gesten eine große Wertschätzung seines Gegenübers ausdrücken können. Für Prosperi, der früh seinen Vater verloren hat, sei Giussani wie ein Vater gewesen. In den Schriften Giussanis, so Apeciti, sei ihm aufgefallen, wie für diesen das Christentum, aber vor allem die Person Christi eine lebendige Gegenwart gewesen seien. Was so weit ging, dass Giussani für sich und seine Anhänger einen Satz aus dem Angelus-Gebet änderte: Nicht „…und hat unter gewohnt“ sollten sie sagen, sondern: „…und wohnt unter uns“. Apeciti hob den Mut zum „erzieherischen Risiko“ hervor, den gestern auch Papst Leo als Methode Giussanis empfohlen hatte: sich auf eine „riskante Auseinandersetzung mit der ganzen Wirklichkeit“ dieser Welt einzulassen und sich nicht in ein Ghetto, eine Fluchtburg zurückzuziehen.

Prosperi, der seit den 1990er-Jahren einen engen Kontakt zu Giussani hatte, nannte dessen Fähigkeit, einzelne Szenen des Evangeliums, das Zusammensein Jesu mit seinen Jüngern so authentisch zu schildern, dass man sich mitten in das Geschehen hineingenommen fühlte. Als junger Student habe ihn ein Satz Giussanis besonders beeindruckt: Es gebe ein Ziel, aber keinen Weg. Das sei genau seine Situation gewesen. Für ihn sei ein Leben für Gott das höchste Ideal gewesen, ohne zu wissen, wie das genau aussehe. Giussani habe ihm geholfen, als Christ nicht nach Regeln zu leben, sondern die Gegenwart Gottes im Alltag und in den anderen in einer beständigen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit zu verifizieren.

Papst Leo und Donald Trump

Auch wenn die politische Prominenz erst in den nächsten Tagen die Tore der Messehallen von Rimini betreten wird, so war es dennoch nicht unpolitisch. Schon vier Stunden nach der gestrigen Ansprache Papst Leos waren dessen Worte Zündstoff für eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Amerika auf dem Prüfstand“, an der unter anderem Christopher Caldwell, freier Autor bei der „New York Times“ und Redakteur bei der „Claremont Review of Books“, sowie Michael Driessen, Professor für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der amerikanischen John Cabot University in Rom, teilnahmen. Beide Gesprächspartner zeigten sich überzeugt, dass die katholische Kirche in den USA immer schon – und heute mehr denn je – die kulturellen und gesellschaftlichen Spaltungen des Landes mit durchlebt habe, die das Land schon einmal in einen „Bürgerkrieg“ sui generis gezogen hätten.

Papst Leo versuche nun, mit seinem „gesunden augustinischen Realismus“ auf die amerikanische Krise zu reagieren, und betone, dass eine spirituelle Erneuerung notwendig sei. Die kulturellen Konflikte, die Amerika spalteten, müssten nach Ansicht der beiden Referenten ein Ende finden, und aus diesem Grund lanciere der Papst „den Vorschlag einer neuen Einheit“, bei der der Sieg der einen über die andere Seite nicht vorausgesetzt werde. Driessen zitierte ausdrücklich die Ansprache des Papstes von wenigen Stunden zuvor: „Leo XIV. hat dazu aufgerufen, hinauszugehen, um allen Menschen in allen Teilen der Welt zu begegnen. Das ist sein Appell. Es ist eine Herausforderung an die katholische Kirche und an die amerikanischen Katholiken, aber auch an das ganze Land, damit sich die Vereinigten Staaten erneuern und ihre Lebenskraft wiederfinden.“

Was die aktuelle politische Lage angeht, so ist laut Caldwell der Trumpismus am Ende. „Mit dem Iran wird Trump das gleiche Schicksal ereilen wie Bush im Irak“, argumentierte er. „Für Bush war dieser Krieg zu einer Obsession geworden, zum einzigen Ziel seiner Amtszeit. Und nach ihm gab es vier demokratische Regierungen. So wird es auch für Trump sein, der die nationalen Notstände aufgibt, auf die er seinen Wahlkampf gestützt hatte. Das diskreditiert ihn in den Augen des Landes. Auch die Zustimmung der MAGA-Anhänger lässt schon nach.“

Man kann das Meeting nicht auf einen Punkt bringen. 3.300 freiwillige Helfer, die auf einer Fläche von 140.000 Quadratmetern für Ordnung und einen ausgezeichneten Service sorgen. 500 Redner aus allen Ländern und 180 Institutionen als Sponsoren und Kooperationspartner. Die großen italienischen Medien sind präsent. Und dann noch ein Papst, der eine Botschaft hatte. Bunt gemischt waren die Zelebranten beim Gottesdienst am Sonntagmorgen. Und bunt wird es weitergehen.

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