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Er bat den Proconsul um einen Hammer

Im Mittelalter Nationalheiliger: Der heilige Symphorianus wurde im römischen Gallien zum Märtyrer, weil er Kybele kein Opfer darbringen wollte.
Sankt Symphorianus
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Seine Mutter bestärkt den Heiligen Symphorianus vor seiner Hinrichtung, Holzstich.

Durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden für die Totenmesse fünf Präfationen – feierliche Eröffnungen des Hochgebets – eingeführt. Die erste Präfation enthält den Satz: „Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen.“ Er hat seinen Ursprung in der Lebensbeschreibung des heiligen Symphorianus, die Gregor von Tours im 6. Jahrhundert niederschrieb, und wird auch im Martyrologium Romanum zu Symphorianus’ Gedenktag am 22. August zitiert: „Als er zur Hinrichtung geführt wurde, mahnte ihn seine Mutter von der Stadtmauer aus: ‚Mein Sohn, mein Sohn, Symphorianus, bewahre den lebendigen Gott im Herzen! Heute wird dir das Leben nicht genommen, sondern zum Besseren gewandelt.‘“

Symphorianus wurde um das Jahr 160 in Augustodunum, dem heutigen Autun, geboren. An der Handelsstraße „Via Agrippa“ gelegen, war die Stadt sehr wohlhabend und Sitz berühmter Rhetoren- und Philosophenschulen. Die Bevölkerung war durch den keltischen Druidenkult und den importierten griechisch-römischen Polytheismus in religiöser Hinsicht synkretistisch geprägt. Nur wenige Menschen gehörten im zweiten Jahrhundert der christlichen Gemeinde an, darunter Symphorianus’ Eltern Faustus und Augusta. Faustus stammte aus einer adligen Familie und bekleidete wahrscheinlich ein öffentliches Amt. Als Bischof Polykarp von Smyrna, ein Schüler des Apostels Johannes, drei Missionare nach Gallien sandte, nahmen Faustus und Augusta sie bei sich auf; sie sollen ihren neugeborenen Sohn Symphorianus auch getauft haben. Dieser erhielt an den Schulen der Stadt die klassische Ausbildung der Oberschicht und wurde von seiner Mutter christlich erzogen.

Gottesdienste nur im Verborgenen

Im Jahr 177 gab es nur wenige Tagesreisen entfernt in der Stadt Lugdunum, dem heutigen Lyon, ein furchtbares Massaker, von dem der Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea berichtet: 48 Christen wurden wegen ihres Glaubens verhaftet und grausam hingerichtet. Als die Nachricht die Runde machte, waren die Christen in Autun alarmiert. Sie gaben sich große Mühe, die Gottesdienste nur im Verborgenen zu feiern – im Gegensatz zu der mit großem Pomp öffentlich zelebrierten Verehrung der römischen Gottheiten. Bei einer solchen Gelegenheit kam es im Jahr 178 oder 180 zu einem verhängnisvollen Zwischenfall. Als das Bildnis der „Magna Mater“ Kybele in feierlicher Prozession durch die Stadt getragen wurde, machte Symphorianus eine abfällige Bemerkung. Es kam zu einem Gemenge; der etwa Zwanzigjährige wurde verhaftet und vor den Prokonsul Heraclius geführt. Dieser fragte ihn: „Wer bist du, und warum betest du die Göttermutter nicht an?“, woraufhin Symphorianus entgegnete: „Ich bin Christ. Ich verehre den wahren Gott im Himmel und keine Dämonenstatue.“ In seinem jugendlichen Eifer bat er Heraclius dann um einen Hammer, um das Bildnis zu zerschlagen.

Heraclius scheute sich, den jungen Mann aus guter Familie zu verurteilen, und ließ ihn zunächst nur in den Kerker werfen. Nach zwei Tagen verhörte er ihn erneut und forderte ihn auf, Kybele ein Opfer darzubringen, um sein Leben zu retten. Darüber hinaus versprach er ihm einen lukrativen Posten, wenn er sich einsichtig zeige. Symphorianus ließ sich jedoch nicht überreden, sondern antwortete nur: „Du hast Macht über meinen Körper; meine Seele wirst du nicht bekommen.“ Daraufhin ordnete Heraclius an, Symphorianus zu enthaupten. Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte außerhalb der Stadt begegnete er beim Stadttor seiner Mutter, die ihm mit den oben zitierten Worten Mut zurief.

Auf Symphorianus’ Hinrichtungsstätte ließ der Bischof Euphronius von Autun im fünften Jahrhundert eine Basilika und eine Abtei errichten, die heute nicht mehr existieren.

Symphorianus war zur Merowingerzeit im frühen Mittelalter im Frankenreich hoch verehrt und galt gleichsam als Nationalheiliger. Sein Grab war schon zu Zeiten Gregors von Tours, der es besuchte, durch die Berührung der zahlreichen Pilger kaum noch erkenntlich; seine Reliquien wurden überall in verschiedenen Kirchen verteilt. Heute ist er über seine Heimatstadt Autun, deren Schutzpatron er ist, hinaus kaum noch bekannt.

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