Vor seinem Schreibtisch in Madrid steht eine Statue der Patrona Bavariae, die Münchner Freunde ihm geschenkt haben. Am 20. August vollendet Kardinal Antonio María Rouco Varela sein 90. Lebensjahr. Seit seiner Emeritierung 2014 lebt der vitale Kirchenrechtler in der Madrider Innenstadt zwischen Almudena-Kathedrale, Priesterseminar und der Kirchlichen Hochschule San Dámaso und widmet sich seinem Herzensthema: der Evangelisierung.
Der gebürtige Galicier, der Anfang der 1960er-Jahre bei Klaus Mörsdorf in München studierte und über das Verhältnis von Staat und Kirche im Spanien der frühen Neuzeit promovierte, war im quirligen spanischen Katholizismus Stabilisator und treibende Kraft zugleich. Viermal wählten die Mitbrüder ihn zu ihrem Vorsitzenden. Rouco Varela verkörperte in der Bischofskonferenz und darüber hinaus den polyglotten Intellektuellen mit Auslandserfahrung. Gegen die rasante Säkularisierung des Landes, die Legalisierung der Abtreibung und die Einführung der Homo-„Ehe“ bezog er deutlich Position.
Jahrelang auf der Todeskandidatenliste der Terrororganisation ETA
Dass die Bischöfe auf der iberischen Halbinsel ungeachtet aller nationalen Ambitionen, von denen der Episkopat im Baskenland und in Katalonien nicht frei ist, geeint blieben, ist vor allem sein Verdienst. Rouco Varela förderte begabte Bischofskandidaten, fand klare Worte gegen die baskische Terrororganisation ETA, auf deren Todeskandidatenliste er selbst viele Jahre stand, und machte den geprüften Menschen Mut. In seine Amtszeit fallen mehrere Papstbesuche, die Weltjugendtage in Santiago de Compostela und Madrid und der Boom des Jakobswegs. Die Achse Madrid-Rom funktionierte in den Pontifikaten Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. hervorragend. In den Priesterseminaren Madrids und im Nachbarbistum Toledo gab es keine Klagen über Nachwuchsmangel.
Loyalität bewies der Kardinal auch gegenüber Papst Franziskus. Rouco Varela schwieg diskret und machte seine Arbeit, wenn Purpurträger ihrem Befremden über dogmatische Unschärfen des Argentiniers Luft machten. An seiner persönlichen Treue zum Lehramt ließ er nie einen Zweifel. Doch der Kardinal besitzt die Gabe der Gelassenheit, die aus der Kenntnis der Kirchengeschichte kommt. Knospen am Weinstock der Kirche freuen ihn. Dass die wachsenden und sich verjüngenden Bruderschaften in Andalusien und Zentralspanien in ihm einen Verbündeten haben, ist kein Zufall.
Mehrere gute Freunde hat er inzwischen begraben, darunter auch den Münchner Kirchenrechtler Winfried Aymans. Im Sommer urlaubt er gern am Ammersee. Auch die Liebe zu Bayern verbindet ihn mit Benedikt XVI.
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