Heiß ist es in Rom und Monsignore will sich nicht weit fortbewegen. Entgegen seiner Gewohnheit, für solche Treffen die Vatikannähe zu meiden, sind wir im „Matriciano“ im Stadtteil Prati verabredet, das direkt an den Borgo grenzt, durch den die Fluchtmauer des Vatikans verläuft. Das klassische Restaurant heißt so, wie es heißt, weil sein Gründer vor vier Generationen aus Amatrice stammte, jener Ortschaft nordöstlich von Rieti, die im August 2016 ein Erdbeben verwüstete. Seit über hundert Jahren wird „Il Matriciano“ von derselben Familie geführt. Wir bestellen den weißen Hauswein, vor allem aber viel Wasser dazu, und nehmen – was denn sonst – „Bucatini alla Matriciana“ mit durchwachsenem Speck. Wir trinken an auf Antoni Gaudí und den König von Spanien, der dem Papst flugs seinen Privatjet zur Verfügung stellte, als Leo XIV. den defekten Flieger von Iberia samt den aus Rom mitgekommenen Journalisten auf Teneriffa zurücklassen musste. Monsignore bedauert es überhaupt nicht, dass diesmal die „fliegende Pressekonferenz“ ausfallen musste.
Nach Pedro Sánchez bekomme nun auch Emmanuel Macron seinen Papstbesuch, fügt Monsignore hinzu und sagt, dass nicht alle im Staatssekretariat darüber glücklich waren, dass Papst Leo Ende September Frankreich noch in der Amtszeit des scheidenden Präsidenten einen Besuch abstatten wird. Eine ähnlich fulminante Rede des Papstes wie vor dem Parlament in Madrid erwartet er sich von der Station in Metz, ganz in der Nähe des Grabs von Robert Schuman, zu Europa und dem bedrohten Frieden.
Umstrittene deutsche Segnungsgottesdienste
Doch irgendetwas stimmt nicht mit meinem Gegenüber und beim zweiten Gang – Hähnchenbrust in Orangensoße – rückt Monsignore mit der Sprache raus. Er habe schon vor längerer Zeit um eine Versetzung in den „Außendienst“ gebeten, sprich: an eine Nuntiatur, und meint zur Begründung, dass er für den römischen Dienst zu ungeduldig sei. Es gehe alles so langsam. Die ausstehenden Ernennungen. Der Mangel an klärenden Worten zur rechten Zeit. Man wisse im Staatssekretariat ziemlich genau, was in den Ortskirchen geschehe. Nicht nur Nuntiaturberichte träfen dort ein. Auch Dossiers, jede Menge Briefe, Eingaben von Pfarren und Gläubigen. Man werte die Medien aus. Aber nichts passiert. Zum Fall der Segnungsgottesdienste in Deutschland für Paare, die sich lieben, habe der Papst selbst auf dem Rückflug von Afrika nach Rom etwas gesagt. Und explizit auf den Münchner Kardinal Bezug genommen. Folgen hatte es keine. Stattdessen habe der gewichtige Herr aus München ein paar Tage später mit großer Delegation beim Vatikan eine Ladung Augustinerbräu abgegeben – das Gruppenfoto mit dem Papst natürlich eingeschlossen. Darüber habe „Vatican News“ dann ausführlich berichtet.
Gerade aus der bayerischen Landeshauptstadt erhalte man gerade ziemlich viel Post, meint Monsignore. Zum Abschluss des Gay Pride in München finde im Liebfrauendom ein Jugendgottesdienst zum Christopher Street Day statt – an einem Sonntag, einen Tag vor dem Hochfest Peter und Paul. Da könne man sich schon vorstellen, was das für ein Segen sei, den es am Ende gebe. So etwas spalte die Gläubigen und den Klerus. Und es sei noch nicht ausgemacht, so der Monsignore weiter, dass Rom bei der klaren Ansage bleibe, dass die geplanten Synodalkonferenzen keine bindenden Beschlüsse fassen dürfen. Das ganze Spiel wolle er nicht mehr aus der Nähe verfolgen. Auf der Zehn-Punkte-Skala geben wir dem „Matriciano“ die volle Punktzahl, weil die Bedienung ein sehr freundlicher und flinker Peruaner war. „Papa Léone“ und „Chiclayo“ rufen wir ihm beim Fortgehen zu und er streckt lachend den Daumen nach oben. Was weiß der Glückliche schon von den Deutschen.
Das Ristorante „Il Matriciano“ liegt im vatikannahen Stadtteil Prati in der Via dei Gracchi, Hausnummer 55.
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