Stand der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., kurz davor, zum Katholizismus zu konvertieren? Diese These vertrat vor 25 Jahren der katholische Kirchenhistoriker Stefan Samerski. Samerski war im Nachlass des Kurienkardinals Mariano Rampolla del Tindaro auf Briefe gestoßen, die belegen, dass Wilhelm II. 1898–1900 mehrere vertrauliche Gespräche mit dem Innsbrucker Jesuitendirektor Victor Kolb geführt hatte. Kolb war aufgrund der Gespräche zu der Überzeugung gelangt, der Kaiser beabsichtige eine Konversion zur katholischen Kirche, und bat die Kurie um Instruktionen. Die Kurie nahm die Angelegenheit ernst, riet aber zur Zurückhaltung. Die Gespräche verliefen schließlich im Sande.
Der fast katholische Kaiser?
Wilhelm II. war stark an religiösen und theologischen Fragen interessiert. Hatte er wirklich ein Faible für den Katholizismus?
