Der Liberalismus lebt von einer Einsicht, die im Zeitalter moralischer Überhitzung wie ein Affront wirkt. Der Mensch ist kein Material gesellschaftlicher Entwürfe, kein Objekt politischer Pädagogik und kein Rohstoff weltanschaulicher Formung, sondern Person mit eigener Würde, Verantwortung und dem Recht, ihr Leben ohne die fortwährende Beaufsichtigung wechselnder Milieus und ihrer Empfindlichkeitskataloge zu führen. Die eigentliche Größe des Liberalismus lag deshalb nie darin, den Menschen zu veredeln, sondern ihn vor jenen zu schützen, die genau dies mit ihm beabsichtigen und ihre Anmaßung auch noch für Fürsorge halten. Diese Einsicht ist in den vergangenen Jahren verdrängt worden.
Freiheit statt Anmaßung
Der Mensch ist keine Modellmasse für gesellschaftliche Entwürfe: Eine liberale Einsicht, die zunehmend verloren geht.
