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Bischof Feige: „Sehr skeptisch“ gegenüber Evangelisierungs-Strategien

Es gehe nicht darum, Menschen „bewusst“ vom Evangelium überzeugen zu wollen, so der Magdeburger Bischof. Christen müssten „authentisch und diakonisch Kirche sein“.
Gerhard Feige
Foto: IMAGO/Peter Back (www.imago-images.de) | Evangelisierung hilft nicht, weil die Welt so komplex ist - meint der Magdeburger Bischof Gerhard Feige.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hält wenig von Aufrufen zur Evangelisierung, mit denen manche katholische Bischöfe auf rückläufige Kirchenmitgliedszahlen reagieren. „Ich bin sehr skeptisch gegenüber Strategien und Methoden, mit denen Menschen bewusst überzeugt werden sollen“, sagte Feige (74) der „Herder Korrespondenz“ (September-Ausgabe). „Es geht nicht darum, Menschen das Evangelium überzustülpen. Die heutige Zeit fordert uns heraus, möglichst authentisch und diakonisch Kirche zu sein.“

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Feige wies darauf hin, dass in der Gesellschaft Entwicklungen wie die Säkularisierung, Pluralisierung, Individualisierung und Digitalisierung voranschritten. In dieser Hinsicht habe die Religionssoziologie „uns ernüchtert“. Und weiter: „Die Welt ist unheimlich komplex geworden. Methoden zur Evangelisierung scheinen mir kaum die richtige Antwort auf diese komplizierten Phänomene zu sein.“ Es wäre zwar schön, wenn die Kirche wieder mehr Mitglieder hätte, aber das sei nicht das erste Anliegen, sagte der Bischof. „Die Aufgabe der Kirche ist es, selbstlos für die Gesellschaft da zu sein.“

Mit heftiger Kritik nicht gerechnet

Feige mahnte die katholische Kirche zugleich, den „Kairos“, den günstigen Augenblick zum Handeln, nicht zu verpassen. Dies zeige sich zum einen im Einsatz für Arme und Bedrängte. „Wachsam müssen wir auch innerhalb der Kirche sein. Den Vorwurf, wir seien zu sehr mit Strukturreformen beschäftigt, teile ich nicht“, sagte Feige und fügte hinzu: „Reformen sind notwendig.“ Sie seien Teil der Evangelisierung. „Denn manche Strukturen werden zu Hindernissen für die Verkündigung des Evangeliums, weil Menschen sich so sehr an ihnen stoßen.“

Feige ist seit 21 Jahren Bischof des Bistums Magdeburg. Seine einstige Vorstellung von der Aufgabe sei „idealer und heiler als das, worin ich in der Wirklichkeit angekommen bin“. „Es richten sich enorme Erwartungen an das Bischofsamt sowohl seitens der Kirche als auch der Gesellschaft. Zugleich wird man mit niederschmetternder Kritik konfrontiert“, berichtete Feige. „Damit hatte ich so nicht gerechnet.“ (DT/KNA)

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