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Vorbild Glettler

Harte Kritik in der Sache, guter Wille im persönlichen Umgang: Ein Blick nach Österreich könnte die deutschen Bischöfe den Umgang mit der AfD lehren.
Onlineredakteur Jakob Ranke, Bischof Herrmann Glettler
Foto: DT / IMAGO / Roland Mühlanger | Der kunstsinnige Innsbrucker Bischof Glettler, sicher kein Freund der FPÖ, sieht sich in der Lage, mit Rechtspopulisten in den Dialog zu gehen, statt ihn nur von Plakaten zu proklamieren.

Eine Botschaft, zwei Welten des politischen Umgangs: Wie die deutschen Bischöfe regelmäßig vor politischen Inhalten der AfD warnen, so kritisch äußern sich die österreichischen Bischöfe zu Aussagen aus der rechtspopulistischen FPÖ. Beispiel aus Österreich: Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler warnt vor einigen Tagen in einer Predigt davor, sich „inmitten einer hochnervösen, aggressiven Zeit“ von „Neid, Hass und einfachen Lösungen“ leiten zu lassen. „Vorsicht deshalb vor all denen, die das Blaue vom Himmel versprechen“, so Glettler. Jeder weiß: Es geht um die FPÖ, nicht nur, weil Blau deren Parteifarbe ist. Aktuelles Beispiel aus Deutschland: Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige spricht sich aus für die „Achtung der Würde eines jeden Menschen und der Menschenrechte“; besonders herausgefordert sei man, „wenn Hass und Hetze sowie populistische oder extremistische Positionen zunehmend salonfähig werden“. Jeder weiß: Hier geht es um die AfD, die vor der kommenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt weit vorn liegt.

Einfache Lösungen, Hass, Extremismus, Menschenwürde: Das Buzzword-Arsenal, mit dem die Kirchen das rechtspopulistische Politikangebot (berechtigt oder nicht) kommentieren, ähnelt sich in Deutschland und Österreich durchaus. Der feine Unterschied liegt im Rest des Wohlwollens, den sich Glettler leistet. „Wärst besser grüner Politiker geworden“, soll der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Christoph Steiner gut hörbar während Glettlers Predigt dazwischengerufen haben. Eine absolute Ungehörigkeit – die dieser allerdings bestreitet, er habe das lediglich seiner Sitznachbarin gesagt. Im Nachgang allerdings lud Steiner Glettler zum Gespräch „auf Kaffee und Kuchen“ ein. Und Obacht: Jetzt will sich Glettler tatsächlich mit Steiner zum Gespräch treffen.

Dialog auf Bundesdeutsch

Und in Deutschland? Wann gab es zuletzt ein öffentlich angekündigtes Gespräch zwischen einem Bischof und einem AfD-Politiker? Statt den Dialog, vielleicht gar (warum eigentlich nicht?) die Überzeugung des Gegenübers in Angriff zu nehmen, übt man sich in Deutschland lieber in intellektueller Selbstverzwergung. Feige wählte seine Worte anlässlich der Vorstellung einer neuen Kampagne zur Landtagswahl mit dem Namen „bewusst wählen“. Deren Plakate verkünden schlicht: „Nächstenliebe Dialog Menschenwürde Solidarität bewusst wählen!“ Wie schon in der Vergangenheit setzt man statt auf ganze Sätze, gar Argumente, lieber auf moralisch aufgeladene Schlagworte, herunterladbar im Format A4, A3 und A2.

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Wer AfD wählt, kann nicht nächstenlieb sein. Oder – oh die Ironie – dialogbereit? Die Kampagnenwebsite verlinkt dann auf Browser-Games des Landeszentrale für politische Bildung (Projektpartner Amadeu Antonio Stiftung und weitere), in denen junge (?) Menschen in erschütternd schlichten Szenarien lernen sollen, auf sexistische Äußerungen wie „Blondinen sind blöd“ zu antworten, wenn ihnen auf dem Spielplatz mal wieder ein AfD-Nazi gegenübertritt. Die richtige, weil deeskalierende Antwort lautet übrigens: „Das Grundgesetz verbietet Abwertung aufgrund des Aussehens. Außerdem hat die Haarfarbe nichts mit Intelligenz zu tun.“

Das ist alles so fernab jeglicher realer zwischenmenschlicher Begegnung, dass man sich um die Kommunikationsfähigkeit der Kirche nur noch sorgen kann. Es ist keineswegs falsch, wenn Bischöfe sich zu politischen Entwicklungen zu Wort melden, die ihnen bedenklich erscheinen. Aber Ziel muss, getreu dem Motto „Die Kranken brauchen den Arzt“, sein, überzeugen zu wollen, anstatt der eigenen moralischen Überlegenheit im Schulterschluss mit EKD, Verfassungsschutz und linken NGOs ein dümmliches Denkmal zu errichten. Die AfD ist die Schwesterpartei der FPÖ, nicht die Wiedergeburt der NSDAP. Es gibt sie noch nicht so lange wie die österreichischen Blauen, aber jetzt auch schon 13 Jahre. Gewöhnt euch dran, liebe deutsche Hirten. Ein Blick nach Österreich zeigt, wie man damit umgehen kann.

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