Das Hin und Her zwischen dem Vatikan und den katholischen Bischöfen in Deutschland reißt nicht ab. Nach der Veröffentlichung eines Briefes des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Victor Manuel Fernández, aus dem Jahr 2024, der deutlich macht, dass der Vatikan keiner Fassung der deutschen Handreichung zu Segensfeiern jemals zugestimmt hat und dies Ende 2025 auch gegenüber dem Trierer Bischof Stephan Ackermann kommuniziert worden sei, legt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin nun nach: Laut „Vatican News" sagte Parolin am Mittwochabend, es sei „verfrüht, von Sanktionen zu sprechen“. Noch sei man im Dialog mit den deutschen Bischöfen. „Wir werden sehen, was geschieht“, so Parolin gegenüber Journalisten am Rande der Vorstellung des Buches „Liberi sotto la Grazia“ in Rom.
Letztendlich liege die Entscheidung beim Papst: „Wir haben jedoch bereits seit einiger Zeit einen Dialog begonnen und dabei jeweils unsere Sichtweisen dargelegt.“ Parolin zeigte sich zuversichtlich, „eine Lösung zu finden“, die die unterschiedlichen Auffassungen, auch beim „Thema der Synodalität“, zusammenführen könne. Zugleich betonte er, dass jede Entscheidung „im Einklang mit dem Kirchenrecht, dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Tradition der Kirche“ stehen müsse. Der Weg der Kirche und auch die Hoffnung sei es, „niemals zu Sanktionen greifen zu müssen, sondern die Probleme friedlich lösen zu können“.
Keine Zustimmung des Vatikans
Im Übrigen hat das Glaubensdikasterium gegenüber „Vatican News" am Mittwoch noch einmal bekräftigt, dass das im Jahr 2025 von den deutschen Bischöfen veröffentlichte Vademecum „Segen gibt der Liebe Kraft“ nicht die Zustimmung des Vatikans habe. Der damalige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hatte genau dagegen behauptet, alles sei in Absprache mit dem Glaubensdikasterium geschehen. Der Vatikan hält fest: keine Segensfeiern mit Gebet, Gesang und Bibellesungen, keine eigenen Gottesdienste. Erlaubt sind einzig einfache, spontane Segnungen.
Der deutsch-römische Streit um die Segnungsfeiern war jüngst erneut aufgeflammt, nachdem ein Schreiben des Münchner Kardinals Reinhard Marx an die Öffentlichkeit gelangt war. Darin legt er den Seelsorgern seines Erzbistums die Handreichung nahe — bis hin zu der Aufforderung, dass ein Seelsorger, der solche Segnungen nicht selbst vornehmen möchte, jemanden finden müsse, der dies an seiner Stelle tue. DT/dsc
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