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Bätzing: „Segnung Homosexueller steht im verantwortbaren Rahmen”

In Bezug auf die Segensfeiern für homosexuelle Paare pfiff Papst Leo Kardinal Marx zurück. Was sagen deutsche Kirchenvertreter dazu? Die „Tagespost” hat nachgefragt.
Georg Bätzing
Foto: Imago/Peter Back | Letzte Woche hatte der Papst das Nein des Vatikans zu Segensfeiern für homosexuelle Paare bekräftigt. Nun stellen Bischof Georg Bätzing und andere deutsche Kirchenvertreter sich quer.

Jüngst hat Papst Leo XIV. das Nein des Vatikans zu Segensfeiern für homosexuelle Paare bekräftigt. Diese hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx zuvor in seinem Erzbistum erlaubt. Reaktionen aus der katholischen Kirche ließen nicht auf sich warten. Eine Übersicht:

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Das Schreiben „Segen gibt der Liebe Kraft“ könne man in seiner Berufung auf „Fiducia supplicans“ nicht anders als „sophistisch“ – täuschend argumentierend – bezeichnen, kritisierte der Münchner Theologieprofessor Andreas Wollbold gegenüber der „Tagespost“. „Dort waren liturgische Segensfeiern eindeutig ausgeschlossen, hier dagegen werden sie liebevoll ausgestaltet. Wie weise von Papst Leo, dazu ein klares Nein auszusprechen!“, stellte er sich hinter den Papst und damit gegen den Erzbischof seiner Diözese. Selbstverständlich könne kein Seelsorger dazu verpflichtet werden, bei solchen Feiern mitzuwirken oder auch nur sie zu vermitteln, wie das Papier es verlange. „Engagierte Seelsorge ringt stattdessen zusammen mit den Betroffenen um den Willen Gottes“, so Wollbold.

ZDK-Vizepräsident: „Das ist gut so.”

Der Limburger Bischof Georg Bätzing wehrte sich gegen Papst Leos Kritik. Segensfeiern für homosexuelle Paare gingen „auf den Wunsch von katholischen Menschen in solchen Partnerschaften ein, die nicht kirchlich heiraten können oder wollen“, jedoch „gelebte Treue und Verantwortung“ trotzdem unter den Segen Gottes stellen möchten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Solche Segnungen entsprächen nicht gänzlich der Linie des Vatikans, stünden nach seiner Überzeugung jedoch trotzdem „in einem verantwortbaren Rahmen, der die Einheit der Kirche nicht gefährdet“.

Auch der Vizepräsident des Zentralrats Deutscher Katholiken, Thomas Söding, sieht kein Problem bei der Segnung homosexueller Paare. Er teilte dem Deutschlandfunk am Montag mit, „in Deutschland sei das, was mit gleichgeschlechtlichen Paaren passieren soll und kann, mit Rom abgesprochen und daran wird sich nichts ändern“. Kardinal Marx’ Schritt sorge „für mehr Klarheit und das ist gut so“. Södings Einschätzungen zufolge sei die Segnung homosexueller Paare in Deutschland längst Praxis. „Die Frage ist eigentlich, wird offen drüber geredet oder wird nicht offen drüber geredet.“ Ferner gebe es in Deutschland den pastoralen Bedarf, denn viele Paare suchten den Segen Gottes für ihre Beziehungen.

Der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist es wichtig zu unterscheiden, dass man „nicht von förmlichen Segensfeiern, die mit einer liturgischen Trauung oder der sakramentalen Ehe verwechselt werden könnten“ spreche. Gleichzeitig sehe man „im Sinne der Erklärung „Fiducia supplicans” die Möglichkeit, Menschen in konkreten Lebenssituationen seelsorglich zu begleiten und ihnen den Segen Gottes zuzusprechen – in einer nicht ritualisierten Form“, so das Bistum auf Anfrage der „Tagespost“. Dieser pastorale Segen stehe jenen Menschen offen, die darum bitten.

Eigentlich schließt „Fiducia supplicans“ „diese Rituale” aus

Bereits im Herbst 2025 hatte Papst Leo in einem Interview darauf hingewiesen, „in Nordeuropa“ gebe es „Rituale zur Segnung von ‚Menschen, die sich lieben‘“, welche „ausdrücklich gegen das von Papst Franziskus genehmigte Dokument Fiducia supplicans“ verstoßen. Damit könne Papst Leo „niemand anderen“ als „die deutschen Kirchenleute“ mit ihrer Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft. Segnungen für Paare, die sich lieben“ gemeint haben, schlussfolgerte Communio.online. Schließlich habe es zu dem Zeitpunkt in Europa kein vergleichbares Dokument gegeben, außer dem der flämischen Bischöfe, was jedoch schon vor „Fiducia supplicans” erschien. Bischof Bätzing, damals Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gab sich dennoch selbstbewusst bezüglich der Handreichung der deutschen Bischöfe: „Wir haben dieses Papier transparent mit dem Dikasterium für die Glaubenslehre erarbeitet und in Rücksprache mit diesem Dikasterium erarbeitet“, sagte er.

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Im Anschluss daran empörte sich Kardinal Victor Fernández, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, über die katholische Kirche in Deutschland: In mehreren deutschen Diözesen seien Materialien für Segnungsfeiern für irreguläre Paare in Umlauf gebracht worden. Man habe sich dabei auf die Erklärung „Fiducia supplicans“ seines Hauses berufen, die jedoch genau diese Feiern oder Rituale ausschließe. DT/elih

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