Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Das war Murks, Herr Marx!

Der Münchner Erzbischof hat eingeführt, womit man in Rom nicht einverstanden ist. Ob er sich die Mahnung von Papst Leo zu Herzen nimmt? Als Kardinal steht er in einer besonderen Pflicht.
Vatikankorrespondent Guido Horst, Reinhard Kardinal Marx
Foto: DT / IMAGO / Wolfgang Maria Weber | Rüffel vom Chef: Papst Leo findet Marx' Vorstoß nicht vergnüglich.

Das deutliche Nein von Papst Leo zu den gerade von Kardinal Reinhard Marx empfohlenen Segnungsfeiern lässt aufhorchen. Als Kardinal der römischen Kirche ist der Erzbischof von München insbesondere dazu angehalten, die Einheit mit dem Papst zu wahren. Auf dem Flug von Äquatorialguinea zurück nach Rom machte dieser klar, dass man in Deutschland wisse, wie der Vatikan zu solchen Feiern für Paare steht, für die die Note „Fiducia supplicans“ nicht nur keine Grundlage bietet, sondern die sie explizit ausschließen will.

Lesen Sie auch:

Der Vatikan habe bereits mit den deutschen Bischöfen gesprochen und klargestellt, so Papst Leo, „dass wir nicht mit der formalisierten Segnung von Paaren einverstanden sind – in diesem Fall homosexuellen Paaren – oder von Paaren in irregulären Situationen.“ Trotzdem hat Marx nun bei seinen Seelsorgern auf der Abhaltung solcher Segensfeiern gedrängt. Mit dem Kopf durch die Wand. Nur dass Kardinäle keine Wände durchbrechen dürfen, die aus päpstlichen Weisungen bestehen. Dann sollten sie eher Manns genug sein, den Purpur in Rom zurückzugeben.

Kardinal Marx vertieft so nicht nur den Spalt zwischen der Kirche in Deutschland und Rom, sondern auch innerhalb der deutschen Bischofskonferenz. Nicht alle Bischöfe wollen auf Biegen und Brechen die Segensfeiern „für Paare, die sich lieben“ durchsetzen, so als sei das ein Meilenstein kirchlicher Reform. Gerade mit einem Papst Leo und mit dem neuen Vorsitzenden Bischof Heiner Wilmer wollen viele Bischöfe die wirklich zentralen Fragen einer apparatelastigen Kirche angehen, damit der Glaube wieder zum Leuchten kommt. Vor allem treibt es sie um, das mit dem Synodalen Weg entstandene Bild von der deutsch-katholischen oder anders-katholischen Kirche auf Sonderwegen endlich aus den Köpfen zu bekommen – in der Heimat, in Rom und in der ganzen Welt.

Das sechste Gebot ist eben nur das sechste

Da ist der Münchner Kardinal jetzt ordentlich reingegrätscht und hat das Zerrbild von den deutschen Katholiken, sie seien hoffnungslos vom Los-von-Rom-Virus infiziert, wieder kräftig aufleben lassen. Zugegeben: Das grüne Licht aus dem Hause Fernández für spontane Segnungen für homosexuelle Paare kam etwas stotternd heraus. Erst „Fiducia supplicans“, was die Bischöfe Schwarzafrikas auf die Barrikaden trieb, dann eine weitere Erklärung des Glaubenspräfekten, wie das alles zu verstehen sei und was „Fiducia supplicans“ eben nicht wolle. Kardinal Marx ist schlau und romerfahren genug, um genau zu wissen, was die „mens“ des Schritts von Papst Franziskus und Kardinal Fernández war. Aber genau da hinein haut er seinen Keil, um Gräben, die sich allmählich schließen, wieder zu vertiefen.

Dahinter steckt – auch bei Kardinal Marx – der Glaube an eine „neue Sexualmoral“, wie sie der Synodale Weg formuliert hat und die angeblich mit der traditionellen Morallehre der Kirche nicht mehr zu vereinbaren sei. Gott sei Dank hat Papst Leo im Flugzeug vor den Journalisten auch gesagt, dass das Thema Sexualität nicht das Wichtigste ist und andere Fragen „viel größer und wichtiger“ seien. Das sechste Gebot ist eben nur das sechste. Leute wie Marx machen es aber zum A und O der sicherlich notwendigen Reformen. Wahre Reform kann aber immer nur darin bestehen, dass man Überflüssiges und Falsches wegnimmt, damit die eigentliche Botschaft des Evangeliums wieder die Herzen erreicht und keine Spaltungen das Antlitz der Kirche verunzieren. Dazu gehört sicherlich Marxens Anweisung an seine Seelsorger, Segensrituale für irreguläre Paare anzubieten und damit das Gift der Spaltung noch tiefer in den Leib der Kirche einzureiben.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Guido Horst Erzbischöfe Guido Horst Heiner Wilmer Papst Franziskus Päpste Reinhard Marx Seelsorgerinnen und Seelsorger

Weitere Artikel

Die Ernennung des Erzbischofs von San Francisco, Salvatore Cordileone, zum Mitglied der Apostolischen Signatur hat manchen erstaunt. Doch was ist diese Vatikanbehörde überhaupt?
06.08.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Öffentlich gegen die Abtreibung: So viele Menschen wie nie zuvor kamen laut Veranstalter zum Münchner Marsch für das Leben. Gegendemonstranten blockierten zeitweise den Zug.
20.04.2026, 18 Uhr
Elisabeth Hüffer

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Nach ihm ist St. Gallen benannt: Der heilige Gallus errichtete dort eine Einsiedelei. Auch in Füssen, Kempten und am Bodensee ist er noch heute ein Begriff.
16.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock