Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Rede im spanischen Parlament

Papst: Spanien darf christliche Wurzeln nicht verlieren

Im spanischen Parlament nennt Leo XIV. den Frieden eine „moralische Notwendigkeit“. Die Bischöfe erinnert er daran, dass die Stärke der Kirche in der Heiligkeit ihrer Kinder liege.
Papst Leo XIV. im spanischen Parlament
Foto: IMAGO/ABACA (www.imago-images.de) | Leo XIV. sprach als erster Papst im spanischen Abgeordnetenhaus – vor einem Parlament, das exemplarisch für die Krise der spanischen Politik steht.

Leo XIV. stand heute der politisch wohl brisanteste Termin seiner Spanienreise bevor. Er sprach als erster Papst im spanischen Abgeordnetenhaus – vor einem Parlament, das exemplarisch für die Krise der spanischen Politik steht. Es ist polarisiert und zersplittert; neben den großen Parteien sitzen dort nationalistische und separatistische Kräfte, darunter Bildu, deren Wurzeln im Umfeld der früheren Terrororganisation ETA liegen. Die Minderheitsregierung von Pedro Sánchez ist auf solche Stimmen angewiesen. Seit 2024 regiert sie mit verlängerten Staatshaushalten und häufig mit „Dekreten“, gesetzesvertretenden Verordnungen, die parlamentarisch bestätigt werden müssen, aber die normale Beratung verkürzen.

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Der Papst sprach jedoch über allgemeine Prinzipien, die die Tagespolitik übersteigen. Die Kirche, so Leo XIV., respektiere die Eigenständigkeit staatlicher Institutionen. Als Weggefährtin der Menschheit sei sie „gemeinsam mit der Menschheit unterwegs“. Gerade deshalb erinnere sie daran, dass Politik „der Anerkennung eines Maßstabs, der ihr vorausgeht und sie übersteigt“ bedürfe.

Papst mahnt zum Lebensschutz

Im Mittelpunkt jeder Gesetzgebung stehe die Frage nach dem Menschenbild. Spanien habe den Menschen immer als mehr betrachtet denn als Rädchen im sozialen oder politischen Getriebe. Von Cervantes, der die Freiheit „eines der kostbarsten Geschenke“ nannte, bis zu Teresa von Ávila und Unamuno zeige sich eine Kultur, die um Wahrheit, Freiheit und Ewigkeit wisse. In Salamanca hätten Gelehrte wie Francisco de Vitoria vor 500 Jahren erkannt, dass Macht nicht alles rechtfertigen könne, was politisch möglich erscheine.

Jede gerechte Gesellschaft gründe auf der „Anerkennung der unantastbaren Würde des Menschen“. Sie gehe dem Staat voraus und dürfe nicht wechselnden Mehrheiten untergeordnet werden – hier zitierte Leo die Rede Benedikts XVI. vor dem Deutschen Bundestag. Die Verteidigung des Lebens sei „weder eine Partei- noch eine konfessionelle Angelegenheit“, sondern „ein zivilisatorisches Ziel“. Jedes Leben müsse „von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Lebensende“ geschützt werden.

Das Gemeinwohl deutete der Papst als „gesellschaftliche Form der Menschenwürde“. Es sei nicht die Summe von Einzelinteressen, sondern der Horizont, in dem Menschen und Gruppen ihre Vollendung leichter erreichen können. Besondere Bedeutung maß Leo XIV. der Familie bei. Ebenso erinnerte er an das „vorrangige und unveräußerliche Recht“ der Eltern, die Erziehung ihrer Kinder nach ihren Überzeugungen zu wählen.

Leo XIV. plädiert für „sichere und legale" Migration

Auch über Migration sprach der Papst: Es brauche „sichere und legale Wege, würdige Aufnahmebedingungen und echte Integrationsmöglichkeiten“. Es soll zugleich darauf hingearbeitet werden, „dass niemand sein Zuhause aufgrund von Mangel an Frieden und Sicherheit oder aufgrund von menschenunwürdigen Lebensbedingungen verlassen muss.“

Angesichts der geistigen und kulturellen Krise nannte Leo XIV. den Frieden eine moralische Notwendigkeit. Frieden verlange diplomatischen Mut, Begegnung und eine Sprache, die nicht zerstöre. Waffen könnten vorübergehend Ruhe schaffen, „doch sie werden niemals einen echten und dauerhaften Frieden schaffen können“.

Die Autonomie der politischen Ordnung dürfe jedoch nicht in Feindseligkeit gegenüber dem Religiösen umschlagen. Der Glaube beanspruche keine Privilegien, dürfe aber auch nicht zum Schweigen gebracht werden. Das Beichtgeheimnis nannte der Papst einen „heiligen Raum innerer Freiheit“. Zum Schluss lud Leo XIV. die Abgeordneten ein, „den Blick zu heben“: Jede öffentliche Entscheidung betreffe Menschen aus Fleisch und Blut, besonders die Schwächsten. 

Im Anschluss an seine Rede im Parlament, die mit langem Applaus aufgenommen wurde, fuhr der Heilige Vater zum Sitz der Spanischen Bischofskonferenz, nachdem er die Menschen begrüßt hatte, die sich außerhalb des Parlaments versammelt hatten.

Synodaler Weg als „Prozess des tiefen Zuhörens“

Vor den Bischöfen beschrieb Leo XIV. den synodalen Weg als „Prozess des tiefen Zuhörens“. Es gehe darum, „die Stimme Gottes zu erkennen“, die durch die kirchliche Gemeinschaft spreche. Als Leitbild wählte er das Bild einer Reise, deren Ziel Gott sei. Auf diesem Weg müsse die Kirche Freiheit und Mut verbinden: Sie solle Strukturen zurücklassen, „die uns nicht helfen“, zugleich aber bewahren, was ihrem Auftrag diene.

Spanien verfüge über ein „unermessliches christliches Erbe“, dessen Schönheit selbst Ungläubige erreiche. Dieses Erbe dürfe nicht Ballast sein, sondern müsse Frucht bringen. Unverzichtbar bleibe das „Wegzehr des Pilgers“: das Brot des Wortes und der Eucharistie. Es gehe nicht darum, die Feier äußerlich attraktiver zu machen, sondern die Abwesenheit Christi als Hunger zu erfahren. Das sakramentale Leben gebe der Kirche ihren Rhythmus.

Zugleich mahnte Leo XIV. zu Dialog und missionarischer Beweglichkeit. In einer säkularisierten und von Migration geprägten Gesellschaft brauche es neue Sprachen für die Verkündigung des Evangeliums. In einer Zeit wachsender Polarisierung müsse die Kirche „ein Zeugnis der Einheit in der Vielfalt“ geben. 

Auch die Missbrauchskrise ließ Leo XIV. nicht aus. Wer von Menschen verletzt worden sei, die ihn hätten schützen sollen, müsse auf „Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung“ und wirksame Prävention stoßen. 

Ausführlich sprach Leo XIV. auch über Berufungen. Berufungspastoral dürfe sich nicht auf Zahlen beschränken; sie wachse aus lebendigen Gemeinden, glücklichen Priestern, treuen Familien und einer Kirche, die zeige, dass die Nachfolge Christi das Leben nicht verarme, sondern weite. „Die Stärke der Kirche liegt nicht in der Größe ihrer Mittel, sondern in der Heiligkeit ihrer Kinder, in der Gemeinschaft ihrer Hirten und in der demütigen und beharrlichen Treue derer, die sich vom Heiligen Geist leiten lassen“, schloss Leo XIV.

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José García Bischöfe Leo XIV.

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