Am Sonntag hat in Vilnius der sechste Weltkongress der Barmherzigkeit begonnen. 5.000 Katholiken kommen in der „Geburtsstadt der Botschaft von der Göttlichen Barmherzigkeit“ bis Freitag zusammen. Die Pilger kommen aus 53 Ländern, darunter den USA, Argentinien, Kuwait, Myanmar, Pakistan und Polen.
An der Eröffnungsmesse auf dem Vorplatz der Kathedrale von Vilnius mit anschließender Fronleichnamsprozession nahmen 7.000 Gläubige teil. Vilnius’ Erzbischof Gintaras Grušas, der zugleich Vorsitzender der litauischen Bischofskonferenz und des Rates der europäischen Bischofskonferenzen ist, merkte dazu an: „Die Eucharistie ist das Zentrum der göttlichen Barmherzigkeit.“ Daher sei es umso passender, den Kongress mit der Sakramentsprozession zu beginnen. Heute würde „der lebendige Christus selber“ durch die Straßen von Vilnius gehen.
Mit dabei: „Schwestern von Mutter Teresa”
Zum anwesenden Klerus gehörten unter anderem Erzbischof Rino Fisichella, Propräfekt des Dikasteriums für Evangelisierung, Erzbischof Georg Gänswein, apostolischer Nuntius für Estland, Lettland und Litauen und der Berliner Erzbischof Heiner Koch. Außerdem kam der Präsident von Litauen, Gitanas Nausėda. Neben jungen Priestern und Familien waren zahlreiche Rentner und Ordensgemeinschaften anwesend, darunter die Missionarinnen der Nächstenliebe.

„Frieden – der Frieden, den wir so dringend suchen – kann nicht ohne Barmherzigkeit existieren“, sagte Papst Leo in seinem Grußwort. Er zeigte sich erfreut über den Barmherzigkeitskongress, der auf eine Initiative des heiligen Johannes Paul II. zurückgeht. Am Montagmorgen sprach der ehemalige Verbrecher John Pridmore über seine Begegnung mit Gott und der göttlichen Barmherzigkeit, welche sein Leben veränderte. „Früher hätte ich mein Haus nicht ohne Pistole verlassen. Heute würde ich es nicht ohne meinen Rosenkranz verlassen“, erklärte er dem ergriffenen Publikum. Anschließend, vor der heiligen Messe, sprach Bartholomäus I., der griechisch-orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, über Ökumene und Barmherzigkeit.
Die Stadt der Barmherzigkeit
Das Leitwort ist in diesem Jahr „Aufbau einer Stadt der Barmherzigkeit“. Der Montagabend ist dem Sakrament der Beichte gewidmet. Auf dem Programm stehen bis Freitag zahlreiche Bischofsmessen, Gebetszeiten und Vorträge. Zu den Sprechern gehören der anglikanische Pastor und Gründer der Alpha-Kurse Nicky Gumbel, der australische Podcaster und Redner Matt Fradd und Father James Mallon, Gründer von „Divine Renovation“.

Seit 2008 findet der Weltkongress der Barmherzigkeit alle drei Jahre statt (2020 fiel er aus): in Rom, Krakau, Bogotá in Kolumbien, Manila auf den Philippinen und 2023 in Apia im südpazifischen Inselstaat Samoa. Vilnius ist die Stadt „von Gott erwählt, um durch die heilige Faustina und den seligen Michael Sopocko die Welt an seine Barmherzigkeit zu erinnern“, sagte Erzbischof Grušas in seinem Grußwort. Hier ließ die polnische Ordensschwester Faustina Kowalska 1934 nach vielen Visionen das Gnadenbild des barmherzigen Jesus anfertigen. Das Originalgemälde befindet sich bis heute in der Altstadt. DT/elih
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