Die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen wollten eine gemeinsame Fakultät für Katholische Theologe gründen. Das bestätigten Sprecher der beiden Universitäten auf Nachfrage der „Tagespost“. Gründungsdekanin soll die Bochumer Fundamentaltheologin Julia Enxing werden.
Derzeit gibt es in Bochum eine Fakultät für Katholische Theologie und an der Universität Duisburg-Essen ein Institut für Katholische Theologie. Das Hochschulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen sieht die Möglichkeit einer gemeinsamen Trägerschaft einer Fakultät durch mehrere Universitäten vor.
Für eine starke Theologie
Laut Auskunft der Ruhr-Universität Bochum hat der Senat der Universität in der vergangenen Woche sein „Benehmen zur Gründung einer gemeinsamen Fakultät erklärt“. Die Universität Duisburg-Essen teilt mit, die „Gründungsphase“ beginne am 1. Januar 2027. Das Ziel der Neugründung sei „die Stärkung der Lehramtsstudiengänge und der theologischen Wissenschaft im Ruhrgebiet“.
Ein Sprecher des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen verweist gegenüber der „Tagespost“ auf die massiv gesunkenen Studierendenzahlen. Landesweit seien die Zahlen im Fach Katholische Theologie zwischen 2018 und 2025 um 45 Prozent gesunken.
An der Ruhr-Universität sei die Zahl der Studentinnen und Studenten in diesem Zeitraum um 63 Prozent zurückgegangen, in Duisburg-Essen um 42 Prozent. Noch deutlicher seien die Zahlen der Studienanfänger gesunken: landesweit minus 48 Prozent, minus 71 Prozent an der Ruhr-Universität, minus 56 Prozent an der Universität Duisburg-Essen.
Vertrag mit dem Heiligen Stuhl spielt zentrale Rolle
„Die beiden Universitäten sind deshalb mit dem Ansinnen an das Land herangetreten, eine gemeinsame Fakultät zu gründen, um Studierenden im Fach Katholische Theologie dauerhaft ein verlässliches Studienangebot machen zu können“, so der Sprecher. Der „hochschulrechtliche Prozess zur Gründung einer gemeinsamen Fakultät“ stehe jedoch „noch ganz am Anfang“.
Die Neugründung der gemeinsamen Fakultät „berührt auch die staatskirchenrechtliche Beziehung zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der katholischen Kirche“, erklärt der Sprecher des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft. Die Parteien befänden sich dazu „in einem Austausch, der noch nicht abgeschlossen ist“.
Die Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Bochum ist Gegenstand eines Vertrages zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 1984. Im Jahr 2018 wurde durch einen diplomatischen Notenwechsel zwischen beiden Parteien festgehalten, dass die Fakultät erhalten bleiben kann, obwohl die Priesteramtskandidaten des Bistums Essen seit 2012 nicht mehr in Bochum, sondern an der Universität Münster studieren.
Die Ruhr-Universität teilt mit, die Gründung erfolge „vorbehaltlich der noch ausstehenden Prüfung und Zustimmung durch die Katholische Kirche und das Land Nordrhein-Westfalen“.
Bischof Overbeck begrüßt die Pläne
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck begrüße die Überlegungen, so ein Sprecher des Bistums, und unterstütze den „laufenden Beratungsprozess, bei dem selbstverständlich alle notwendigen Gremien und Institutionen beteiligt werden“. Er stehe dazu auch mit den zuständigen Vatikanbehörden in Kontakt. Es gehe darum, „die wissenschaftliche Qualität, die Breite der Disziplinen und eine verlässliche Perspektive für Studierende und Mitarbeitende sicherzustellen“.
Was die praktischen Konsequenzen der Neugründung betrifft, scheinen noch viele Fragen offen zu sein. Etwaige Auswirkungen auf Professuren, Studiengänge, Beschäftigte, Haushaltsmittel, Einrichtungen und bestehende Kooperationen sollen „während der Gründungsphase geklärt werden“, so die Universität Duisburg-Essen. Eine Neuakkreditierung der Studiengänge hält man nicht für erforderlich; die „bestehenden Studiengänge“ würden „weitergeführt“. Der Sitz der gemeinsamen Fakultät solle in Bochum liegen. Dem Vernehmen nach ist weiterhin ein Lehrbetrieb an den beiden Standorten Essen und Bochum geplant, die etwa eine halbe Autostunde und eine ganze Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln auseinanderliegen.
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