Die Sozialistische Republik Vietnam gehört zu den wenigen Staaten weltweit, zu denen der Heilige Stuhl keine vollen diplomatischen Beziehungen unterhält. 2023 konnte Papst Franziskus einen Ständigen Vertreter in das kommunistisch geführte Land entsenden, der jedoch noch nicht den Status eines Botschafters hat. Der Heilige Stuhl ist bestrebt, die Beziehungen zugunsten der etwa sieben Millionen Katholiken im Land, die trotz offizieller Religionsfreiheit immer wieder Repressalien ausgesetzt sind, zu verbessern. So ernannte Papst Johannes Paul II. 1993 den Priester Jean-Baptiste Pham Minh Man, der lange im Untergrund wirken musste, zum Koadjutor und späteren Erzbischof von Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, und Papst Franziskus empfing im April den Parlamentspräsidenten Tran Thanh Man, der den Heiligen Vater nach Vietnam einlud. Ein weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg ist die Seligsprechung des Märtyrers Franz Xaver Truong Buu Diep, die in dieser Woche, am 2. Juli, in Cà Mau an der Südspitze des südostasiatischen Landes gefeiert wird.
Franz Xaver Truong Buu Diep wurde am 1. Januar 1897 in der südvietnamesischen Provinz An Giang im Mekongdelta geboren. Das Gebiet bildete damals zusammen mit Kambodscha und Laos das unter französischer Kolonialherrschaft stehende Indochina. Während der Kolonialzeit ließen sich viele Vietnamesen taufen, und die katholische Kirche, die seit dem 16. Jahrhundert in Vietnam Missionen unterhielt, war im Wachsen begriffen. Auch Franz Xaver stammte aus einer katholischen Familie; seine Eltern hatten ihn nach dem berühmten jesuitischen Missionar benannt und kurz nach seiner Geburt taufen lassen. Er verlor mit sieben Jahren seine Mutter und trat fünf Jahre später in das Kleine Seminar von An Giang ein, bevor er seine Ausbildung im Priesterseminar in Phnom Penh, der heutigen Hauptstadt von Kambodscha, fortsetzte, wo er 1924 die Priesterweihe empfing.
Nicht die Herde im Stich lassen
Anschließend war er als Seelsorger unter der Landbevölkerung im Mekongdelta tätig, bis er 1930 zum Pfarrer im Wallfahrtsort Tac Say ernannt wurde. Da in der Pfarrei nicht viele Gläubige ansässig waren, kümmerte er sich zusätzlich um weitere Pfarrgemeinden und Missionsstationen. Er taufte zahlreiche Menschen und galt als eifriger Seelsorger, der die Belange der Gläubigen immer über seine eigenen Bedürfnisse stellte. Im März 1945, am Ende des Zweiten Weltkriegs, waren die Franzosen vorübergehend von den Japanern aus Vietnam vertrieben worden, das kurz darauf von chinesischen und britischen Truppen besetzt wurde. Dann versuchten französische Militärs, die Macht zurückzuerlangen, indem sie sich mit Ho Chi Minh, dem Oberhaupt der Kommunistischen Partei Vietnams, verbündeten, der in Hanoi die Unabhängigkeit der Republik Vietnam ausgerufen hatte.
Das allgemeine Chaos wurde durch das Unwesen marodierender Banden und japanischer Deserteure, die sich in den Dienst verschiedener Machthaber stellten, noch verschlimmert. Franz Xaver Truong Buu Diep wurde von Franzosen und anderen Priestern aufgefordert, Tac Say zu verlassen, da sich die Lage bedrohlich entwickelte. Dies lehnte er jedoch ab, um „seine Herde nicht im Stich zu lassen“. Am Morgen des 12. März 1946 versammelten sich Milizen, die der synkretistischen Sekte der Caodaisten, die den Katholizismus als Ausdrucksform des Kolonialismus bekämpften, vor der Kirche, in der sich Franz Xaver Truong Buu Diep zusammen mit Gläubigen seiner Gemeinde befand. Die etwa siebzig Personen wurden als Geiseln in einen Getreidespeicher gesperrt, der zunächst angezündet werden sollte. Dann änderten die Geiselnehmer ihre Absicht und riefen nur den Priester heraus. Die übrigen Gläubigen durften gehen, mussten aber das Land verlassen.
Der grausam entstellte Leichnam von Franz Xaver wurde wenig später gefunden. Er ist heute in der Wallfahrtskirche Tac Say bestattet, wo der philippinische Kurienkardinal Luis Antonio Tagle die heilige Messe zu seiner Seligsprechung feiern wird. Zu der Feier, für die außer der Kirche selbst ein etwa fünf Hektar großes Gelände vorbereitet und mit Großbildschirmen ausgestattet wird, werden etwa 70.000 Gläubige erwartet.








