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Die Christin aus dem Kaiserhaus

Ihr Name bleibt mit den Anfängen des Christentums in Rom verbunden: Zum Gedenktag der heiligen Flavia Domitilla, einer frühen Märtyrerin.
Die heilige Flavia Domitilla
Foto: IN | Flavia Domitilla soll am Ende ihres Lebens von Ponza wieder auf das Festland nach Terracina gebracht worden sein, wo sie in einem Feuer umkam, das ein Richter in dem Raum legen ließ, in dem sie schlief.

Der 7. Mai ist der Gedenktag der heiligen Flavia Domitilla, einer Verwandten des römischen Kaisers Domitian, die im 1. Jahrhundert lebte. Domitian regierte von 81 bis 96, als die christliche Gemeinde in Rom gerade erst zwei Jahrzehnte alt war. Domitilla ist eine der ersten namentlich bekannten Angehörigen der römischen Oberschicht, die sich ihr anschlossen. In der vorkonziliaren Tradition galt sie als Schülerin des Apostels Petrus, was jedoch historisch nicht belegt ist.

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Da „gemäß der Konstitution ‚Sacrosanctum Concilium‘ des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie ‚die Leidensgeschichten und Lebensbeschreibungen der Heiligen der geschichtlichen Wahrheit entsprechen‘ sollen“, wie es im Dekret zur Ausgabe des Martyrologium Romanum von 2001 heißt, vermerkt dieses über Flavia Domitilla nur zwei gut fundierte Tatsachen: ihre Zugehörigkeit zur Kaiserfamilie der Flavier und ihr Martyrium auf der Insel Ponza.

Die drei wichtigsten Quellen zu Flavia Domitilla sind der römische Historiker Cassius Dio, der Kirchenschriftsteller Eusebius von Caesarea und der Kirchenvater Hieronymus. Das älteste Zeugnis stammt von Cassius Dio, der zu Beginn des 3. Jahrhunderts eine mehrbändige Römische Geschichte verfasste. Zu Kaiser Domitian schreibt er unter anderem, dass dieser „zusammen mit vielen anderen auch Flavius Clemens ermorden ließ, obwohl dieser sein Cousin und mit Flavia Domitilla verheiratet war, die ebenfalls mit ihm verwandt war. Bei beiden lautete die Anklage auf Atheismus, und aus demselben Grund wurden auch andere verurteilt, die jüdische Gebräuche angenommen hatten, einige zum Tod, andere zur Beschlagnahmung ihres Vermögens. Domitilla wurde nur auf die Insel Pandataria verbannt.“

Verbannt bis zum Tod

Auch Eusebius berichtet etwa hundert Jahre später in seiner Kirchengeschichte über Flavia Domitillas Verbannung, ordnet dabei aber das, was der – nicht mit dem Christentum vertraute – römische Senator Cassius Dio als „jüdische Gebräuche“ verallgemeinert hatte, richtig ein, indem er schreibt, dass Domitilla verbannt wurde, weil sie sich „zu Christus bekannt“ habe. Außerdem korrigiert er ihren Verbannungsort: nicht die Insel Pandataria – das heutige Ventotene –, sondern das zur selben Inselgruppe im Tyrrhenischen Meer gehörige Ponza. Eusebius konnte diese Korrektur vornehmen, da das nicht weit von Rom entfernte Ponza sich unter den frühen Christen zum Wallfahrtsort entwickelt hatte, wo die Erinnerung an Flavia Domitilla wachgehalten wurde. So schreibt der Kirchenvater Hieronymus zu Beginn des 5. Jahrhunderts in einem Brief, dass die junge Witwe Paula, die Rom verließ, um im Heiligen Land als Asketin zu leben, auf ihrer Reise auf Ponza haltmachte, um den Ort zu sehen, an dem Flavia Domitilla „ein langes Martyrium erlebte“ – wobei ihr „Martyrium“ durchaus die Verbannung bis zum Tod gewesen sein kann. Um Domitilla ranken sich zahlreiche Legenden, die in ihrer Vita im 5./6. Jahrhundert niedergeschrieben wurden. So soll sie am Ende ihres Lebens von Ponza wieder auf das Festland nach Terracina gebracht worden sein, wo sie in einem Feuer umkam, das ein Richter in dem Raum legen ließ, in dem sie schlief. Aus historischer Sicht lässt sich der Inhalt dieser Legenden heute nicht mehr überprüfen, aber die Existenz von Flavia Domitilla ist durch ihre frühe Verehrung in der römischen Gemeinde und auf Ponza sehr gut belegt.

Ein weiteres, diesmal archäologisches, Zeugnis ist eine antike Inschrift, die im 19. Jahrhundert in einer römischen Katakombe entdeckt wurde. Sie besagt, dass eine gewisse Tatia Baucylla, eine Amme der Kinder von Flavius Clemens und Flavia Domitilla, Nichte des Kaisers Vespasian – Vater des Domitian –, das Grundstück von Domitilla als Begräbnisstätte geschenkt bekommen habe. Aus der Grabstelle entwickelte sich ein weitläufiger unterirdischer Friedhofskomplex, der heute als „Domitilla-Katakombe“ bekannt ist. Er gehört mit seinen zahlreichen Fresken mit biblischen Szenen und Szenen aus dem Alltagsleben zu den eindrucksvollsten Orten in Rom, an denen das frühe Christentum für die Besucher lebendig wird.

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