Am ersten Todestag des lieben Papstes Franziskus ist seine Erinnerung in der Kirche und in der Welt lebendig. Da ich wegen der Apostolischen Reise nach Afrika nicht in Rom bin, schließe ich mich im Geiste all jenen an, die sich in der Basilika Santa Maria Maggiore versammelt haben, um das Eucharistische Opfer zum Gedenken an meinen Vorgänger darzubringen. Zusammen mit den Kardinälen, Bischöfen, Priestern und Ordensleuten grüße ich herzlich die Pilger, die gekommen sind, um ihm ihre Zuneigung und Dankbarkeit zu bekunden.
Der Tod ist keine Mauer, sondern eine Tür, die sich weit zur Barmherzigkeit öffnet, die Papst Franziskus unermüdlich verkündet hat. Der Herr hat ihn am 21. April letzten Jahres zu sich gerufen, im Herzen des österlichen Lichts. Er hat seinen irdischen Pilgerweg in der Umarmung des auferstandenen Christus beendet, in jener „Freude des Evangeliums“, die eine seiner eindringlichsten Apostolischen Schreiben inspiriert hat.
Er war Nachfolger Petri und Hirte der Weltkirche in einer Zeit, die von einem epochalen Wandel kenngezeichnet war und immer noch geprägt ist, jenem Wandel, dessen er sich voll und ganz bewusst war. Und er hat uns allen ein mutiges Zeugnis gegeben, das ein bedeutendes Erbe für die Kirche darstellt.
Sein Lehramt hat er als Jünger und Missionar gelebt, wie er gerne sagte. Er blieb Jünger des Herrn, treu zu seiner Taufe und zu seiner Weihe zum Bischofsamt, bis zum letzten Tag. Er war auch Missionar und verkündete das Evangelium der Barmherzigkeit „allen, allen, allen“, wie er mehrmals sagte. Die Früchte seines Zeugnisses als fürsorglicher Hirte haben die Herzen so vieler Menschen bis an die äußersten Grenzen der Erde berührt, auch dank der apostolischen Pilgerreisen und vor allem jener letzten „Reise“, die seine Krankheit und sein Tod darstellten.
Im Einklang mit seinen Vorgängern hat er das Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgegriffen und die Kirche dazu angespornt, offen für die Mission zu sein, als Hüterin der Hoffnung der Welt, und leidenschaftlich für die Verkündigung jenes Evangeliums zu wirken, das jedem Leben Fülle und Glück schenken kann.
Noch immer hallen seine Ermahnungen nach, die er in beredten Worten zum Ausdruck brachte, um die Frohe Botschaft verständlicher zu machen: Barmherzigkeit, Frieden, Brüderlichkeit, Geruch der Schafe, Feldlazarett und viele andere. Jeder dieser Ausdrücke führt uns zurück zum Evangelium, das er mit einer neuen Sprache gelebt hat, die dasselbe Evangelium von immer verkündete.
Papst Franziskus hegte sein ganzes Leben lang eine tiefe Verehrung für Maria; wir erinnern uns, dass er sich so oft nach Santa Maria Maggiore, dem Ort seiner Grabstätte, begeben hat und zu vielen über die ganze Welt verstreuten Marienheiligtümern. Die Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, helfe uns, unter allen Umständen unermüdliche Apostel ihres göttlichen Sohnes und Propheten ihrer barmherzigen Liebe zu sein.
Aus dem Vatikan, 12. April 2026, Papst Leo XIV.
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