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Leo XIV. in Äquatorialguinea: „Diese Wirtschaft tötet“

Der Papst kritisiert auf seiner apostolischen Reise soziale Ungleichheit, Ausbeutung von Rohstoffen und militärische Nutzung neuer Technologien.
Leo XIV. und Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo
Foto: Imago/Catholicpressphoto | Papst Leo XIV. wird von Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, dem Präsidenten Äquatorialguineas, empfangen.

Papst Leo XIV. hat bei einem Treffen mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft in Äquatorialguinea vor wachsender sozialer Ungleichheit und einer „Wirtschaft der Ausgrenzung“ gewarnt. Dies geht aus dem vom Presseamt des Heiligen Stuhles veröffentlichten Redetext hervor.

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„Die Ausgrenzung ist das neue Gesicht der sozialen Ungerechtigkeit“, erklärte der Papst am Dienstag in Malabo vor Vertretern des Staates sowie im Beisein von Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo. Zugleich habe sich „die Kluft zwischen einer ‚kleinen Minderheit‘ – 1% der Bevölkerung – und der übergroßen Mehrheit dramatisch vergrößert“. Er betonte zudem die Aufgabe staatlicher Verantwortungsträger, Hindernisse für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu beseitigen. Grundlage dafür seien die „allgemeine Bestimmung der Güter“ und die Solidarität.

Technologische Entwicklung hat Rohstoff-Spekulation beschleunigt

Deutliche Kritik äußerte der Papst an der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und deren Zusammenhang mit internationalen Konflikten. Die rasante technologische Entwicklung habe „eine Rohstoff-Spekulation beschleunigt“, wodurch grundlegende Anliegen wie die Bewahrung der Schöpfung, die Rechte lokaler Gemeinschaften und die Würde der Arbeit in den Hintergrund gerieten.

Zugleich verwies Leo XIV. auf ein Paradox der Gegenwart: Während es vielen Menschen an „Land, Nahrung, Unterkunft und menschenwürdiger Arbeit“ fehle, seien „Mobiltelefone, soziale Netzwerke und sogar künstliche Intelligenz für Millionen von Menschen, auch für die Armen, zugänglich“.

Mit Blick auf die Ursachen bewaffneter Konflikte erklärte der Papst, deren Ausbreitung hänge häufig mit der „Kolonisierung von Öl- und Mineralvorkommen“ zusammen, oftmals ohne Rücksicht auf Völkerrecht und Selbstbestimmung der betroffenen Länder.

Ohne Kurswechsel wird Zukunft der Menschheit beeinträchtigt

Zudem warnte der Papst vor der militärischen Nutzung neuer Technologien. Diese würden vielfach „in erster Linie für kriegerische Zwecke konzipiert und eingesetzt“. Ohne einen Kurswechsel drohe „eine tragische Beeinträchtigung der Zukunft der Menschheit“.

Leo XIV. griff auch eine bekannte Aussage seines Vorgängers Franziskus aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium auf“ und betonte: „Wir müssen heute ein Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen sagen. Diese Wirtschaft tötet.“

Der Papst erklärte, dass politisches Handeln sich am Gemeinwohl orientieren müsse. Gottes Name dürfe „niemals zur Rechtfertigung todbringender Entscheidungen und Handlungen herangezogen werden“. Zugleich erinnerte er mit Blick auf den Kirchenvater Augustinus daran, dass der Mensch täglich entscheide, ob er sich an einer von Machtstreben geprägten irdischen Ordnung oder an einer auf Liebe und Gerechtigkeit gegründeten Ordnung orientiere.

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Mit Blick auf die Zukunft rief er zu neuen politischen Visionen und verstärkter Bildungsarbeit auf. Es brauche den Mut „zu neuen Visionen und zu einem Bildungspakt, der den jungen Menschen Raum gibt und Vertrauen schenkt“. Zudem appellierte Leo XIV.: „Lassen Sie uns gemeinsam, mit Weisheit und Hoffnung, auf die Stadt Gottes zugehen, die Stadt des Friedens.“ DT/jna

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