Trompetenfanfaren, Salutschüsse, festliche Musik und „Viva il Papa“-Rufe begleiteten den Einzug von Papst Leo XIV. in den Ehrenhof des Königspalastes in Madrid, der ersten Station seiner Spanienreise. Empfangen wurde Leo XIV. von König Felipe VI. und Königin Letizia von Spanien — einem Land, dem er nicht nur durch familiäre Wurzeln, sondern auch sprachlich verbunden ist, wie der Spanische König in seiner Ansprache erwähnte. Felipe VI. hieß Leo herzlich „mit Demut und Freude“ willkommen.
Anwesend waren auch einige Bischöfe, darunter laut Vaticannews Erzbischof Piero Pioppo, Apostolischer Nuntius in Spanien und im Fürstentum Andorra, sowie der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Javier Argüello García von Valladolid. Während der Papst über den roten Teppich schritt, begrüßte er die Delegationen, und begab sich anschließend gemeinsam mit dem Königspaar zu einer kurzen privaten Begegnung in den Ehrensaal, bevor er sich mit einer Rede an staatliche Autoritäten, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie das Diplomatischen Korps wandte.
„Ich komme zu euch, um zu bestätigen, zu ermutigen und eine erneuerte Treue der Gläubigen zum Evangelium sowie eine tiefere Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Seelen dieser Nation zu fördern“, sagte der Papst im Salón de Columnas des Königspalastes von Madrid – jenem Ort, an dem 1985 der Beitritt Spaniens zur Europäischen Union unterzeichnet wurde und an dem 2014 auch die Abdankung von König Juan Carlos I. zugunsten seines Sohnes Felipe stattfand.
Appell für eine Kultur der Begegnung
In seiner ersten großen Rede in Spanien plädierte Papst Leo XIV. für eine Abkehr von Polarisierung hin zu einer Kultur der Begegnung, die Wahrheit, Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Angesichts der Spannungen im Land rief er dazu auf, „Seite an Seite gemeinsam zu wachsen“; Sicherheit entstehe nicht aus Waffen oder Mauern. Auch warnte er davor, Spaltungen zu schüren, die derzeit an Popularität gewinnen würden. Die Friedensbotschaft finde dort Aufnahme, wo Menschen sich nicht in vorgefertigten Ideologien verschließen würden, sondern sich der Wahrheit und dem Dialog öffneten.
Diese Wahrheit sei „immer größer als wir selbst" und führe auf Wege der Läuterung und Versöhnung, auf denen der Dialog mit den anderen – und mit dem Anderen im höchsten Sinn – zentral werde. Der Papst verwies dabei auf die Geschichte Spaniens, das geprägt von einem Geflecht aus Begegnungen und Konflikten immer wieder neue Anfänge ermöglicht habe. Unter anderem seien im Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden Räume des Austauschs über Sinn und Wahrheit entstanden.
Die christlichen Wurzeln Spaniens
Die einzelnen Etappen der Reise sollen den großen Facettenreichtum Spaniens sichtbar machen – eines Landes, „das seit fast zwei Jahrtausenden das Wort des Evangeliums angenommen hat“. Die christliche Tradition — Leo hob sie würdigend hervor — habe die erste Evangelisierung der iberischen Halbinsel stets mit der Verkündigung des Apostels Jakobus des Älteren verbunden; eine Verbindung, die, so der Papst, „von großer theologischer Bedeutung“ sei. Sie bringe das Selbstverständnis der Ortskirche zum Ausdruck, „in Kontinuität mit der vom Pfingstereignis ausgehenden apostolischen Sendung zu stehen“.
Leo XIV. verwies auf das geistliche Erbe großer spanischer Mystiker wie Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila. Beide hätten „mit offenen Augen“ inmitten der Geschichte gelebt und doch zum „Herzen der Wirklichkeit“ vorgedrungen. Gerade in einer von Ungleichgewichten und Konflikten erschütterten Welt wachse die Sehnsucht nach Frieden, Würde und einer „Zivilisation der Liebe“, sagte der Papst und erklärte mit Blick auf Teresa von Ávila, die dies mit dem Bild der inneren Burg veranschaulicht habe: Wenn der Mensch in sein Innerstes vordringe, in das Herz als Heiligtum der Wahrheit, öffne sich der Geist, Spannungen würden versöhnt und Gegensätze überwunden.
Dabei gehe es nicht um eine Flucht ins Innere, sondern um eine radikale Öffnung des Menschen zum Anderen hin. So entstehe ein Raum, in dem Widersprüche geklärt und Spannungen fruchtbar überwunden werden könnten. Zugleich rief er dazu auf, polarisierende Deutungen der sozialen Wirklichkeit und ihrer Geschichte hinter sich zu lassen und stattdessen die Komplexität der Realität fruchtbar anzunehmen.
Maßstäbe für Frieden und Gerechtigkeit
Konkret forderte Leo mit Blick auf den heiligen Ignatius von Loyola, auf Worte zu verzichten, die verletzen oder spalten, und stattdessen Kriterien der Unterscheidung zu entwickeln. Dazu gehörten die Würde der Person, die universale Bestimmung der Güter, die Option für die Armen, die Sorge um das gemeinsame Haus sowie der Einsatz für den Frieden. Diese Leitlinien müssten in konkrete Praxis übersetzt werden – in verantwortliche Planung, soziale Folgenabschätzung, die Integration der Schwächsten, digitale Bildung sowie eine an Gerechtigkeit und Frieden orientierte Forschung und Industrie.
Abschließend würdigte der Papst Spaniens Engagement für das Völkerrecht und den Multilateralismus, das sich in einem aktiven Einsatz für Frieden und internationale Solidarität zeige und erinnerte nochmal an den christlichen Glaube, der die Kultur Spaniens tief geprägt habe. Dieser sei bis heute eine Quelle der Hoffnung und Orientierung inmitten der gegenwärtigen Herausforderungen, die die Menschheitsfamilie gemeinsam bewältigen müsse.
Drei Stationen der Reise
Die aktuelle Reise des Papstes gliedert sich in drei große Etappen. Nach Madrid reist der Papst nach Barcelona. Dort steht vor allem das kulturelle und religiöse Erbe Spaniens im Mittelpunkt. Hundert Jahre nach dem Tod des Architekten Antoni Gaudí wird Leo XIV. den neuen Christus-Turm der Sagrada Família einweihen, der die berühmte Basilika vollendet und mit 172,5 Metern als höchster Kirchturm der Welt gilt.
Die letzte Station bilden die Kanarischen Inseln. Dort wird der Papst Migranten und Flüchtlinge treffen und damit ein Anliegen seines Vorgängers Franziskus aufgreifen. Die Inselgruppe ist seit Jahren ein Brennpunkt der Migration nach Europa. Mit seinem Besuch will Leo XIV. auf die Situation der Bootsflüchtlinge aufmerksam machen und zugleich die Arbeit kirchlicher Hilfswerke würdigen. Die Reise endet am kommenden Freitag mit einer Abschiedszeremonie auf Teneriffa.
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