Das Glaubensfest „kommt&seht“ füllt eine lange vermisste Leerstelle im deutschen Katholizismus: ein missionarisches Treffen für die ganze Familie in zentraler Lage in Deutschland. Tonalität und Themensetzung verdienen die volle Punktzahl: Es gab weder jammernde Abgrenzung vom Linkskatholizismus noch Klagen über Missstände in der Kirche, sondern die Organisatoren zeigten beispielhaft, dass kirchliche Willkommenskultur nicht zu Lasten des Tiefgangs gehen muss.
Die Eucharistie wurde würdig gefeiert, die Anbetungszeiten waren intensiv, die Ständemeile bot eine Fülle von Anregungen. Das Format hat Zukunft. Es gibt zwar im deutschsprachigen Raum charismatisch inspirierte Veranstaltungen und Wochenendtreffen geistlicher Bewegungen mit missionarischem Elan, aber Zielgruppe Nummer eins sind dort junge Menschen. Ein Revival des Kongresses „Freude am Glauben“ zeichnet sich derzeit nicht ab.
Die Kirche reformdebattenbefreit im Verkündigungsmodus
Wohin könnte ein Pfarrer – abgesehen von Wallfahrten – mit Familien gehen, die eine eucharistische, marianische und lehramtstreue kirchliche Gemeinschaft erleben wollen? Wer gern katholisch ist und die Kirche einmal reformdebattenbefreit im Verkündigungsmodus erleben will, ist bei „kommt&seht“ richtig.
Luft nach oben bleibt dennoch. Denn gerade das Erzbistum Köln mit seinem multikulturellen und vielschichtigen Katholizismus verzeichnet seit Jahren einen starken Zulauf junger traditionsorientierter Katholiken. Eine rein am angelsächsischen Lobpreis orientierte Liturgie mag in den USA und Kanada ihre Berechtigung haben, in einem Erzbistum mit der reichen Kirchengeschichte Kölns darf tiefer gegraben werden.
Das Fest will auf das 750-jährige Jubiläum der ersten Fronleichnamsprozession vorbereiten. Es läge in der Logik des heiligen Bodens, auf dem die Kölner Katholiken stehen, wenn die überlieferte Liturgie, die jedes Jahr mehr junge Pilger aus der Region nach Chartres zieht, auch bei „kommt&seht“ einen Platz bekäme – und sei es eine Vesper.
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