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Mit Franziskus führen lernen

Pilgerprogramm, Exerzitien und Business-Coaching: Die Theodosius-Akademie des Klosters Hegne zeigt, wie sich klösterliches Charisma heute zeitgemäß vermitteln lässt.
Theodosius-Akademie des Klosters Hegne
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Zvonimir Atleti? | Kloster Hegne verdankt seinen Aufstieg zum Pilgerziel vor allem einer volkstümlichen Küchenschwester: Der Sarkophag der seligen Ulrika Nisch, auch bekannt als Ulrika von Hegne, in der Krypta des Klosters der ...

Der Name weist auf das Gestern hin, das Konzept auf die Welt von morgen: Die Theodosius Akademie, seit der Gründung im Jahre 2020 ein zentraler Baustein des Klosters Hegne, ist nach dem Schweizer Kapuzinerpater Theodosius Florentini (1808–1865) benannt. Mitte des 19. Jahrhunderts gründete der Pater die Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz, die in der Tradition des heiligen Franz von Assisi steht.

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Zunächst in Ingenbohl in der Schweiz ansässig, entstanden zahlreiche Niederlassungen des Ordens in Europa und später auch auf anderen Kontinenten. Vor bald 150 Jahren ließen sich die Kreuzschwestern am Bodensee nieder, wo sie das historische Schloss Hegne – einst die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Konstanz – in ein Kloster umwandelten. Mehr als ein Jahrhundert lang war es ein klassisches Ordenskloster mit wachsender Gemeinschaft und vielfältigen Aufgaben in Bildung, Pflege und sozialer Arbeit.

Doch wie etliche andere Orden sah sich auch der Konvent in Hegne im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert. Die Zahl der Ordensschwestern ging deutlich zurück. Heutzutage leben zwar noch über 130 Schwestern in dem weitläufigen Gebäude mit Seeblick, doch der Altersdurchschnitt liegt bei über achtzig Jahren. Neueintritte sind selten geworden.

Geistlicher Ort erfindet sich neu

Das neue Konzept entstand als Antwort auf tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen und den demografischen Wandel im Orden. Es wurde ein Transformationsprozess eingeleitet, insbesondere im Hinblick auf die organisatorische Neuaufstellung. Mit der Gründung der „Stiftung Kloster Hegne“ 2018 wurden wichtige Aufgabenbereiche nach und nach in professionelle Strukturen überführt. Ziel war es, die Einrichtungen künftig unabhängig von der sinkenden Zahl der Ordensmitglieder zu sichern und gleichzeitig wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Als Teil der Stiftung wurde die Theodosius Akademie im Haus Ulrika etabliert, das zuvor der Betreuung der wachsenden Pilgerzahl gedient hatte.

Gemäß dem Grundsatz ihres Namensgebers Pater Theodosius – „Das Bedürfnis der Zeit ist der Wille Gottes“ – versucht die Akademie, Antworten auf zeitgenössische Fragen zu geben. Kernstück ist und bleibt aber die franziskanische Spiritualität. Zugleich wird der Dialog mit Menschen gesucht, die nicht unbedingt kirchlich verwurzelt sind, sich jedoch auf die Suche nach Sinn, Orientierung und einer gelebten Wertekultur begeben haben.

So ist über die Jahre etwas entstanden, das sich bewusst von herkömmlichen evangelischen und katholischen Akademien unterscheidet. Was aber genau ist anders? Markus Cordemann, Leiter der Theodosius Akademie, zählt spontan die große Bandbreite des Angebots auf, das die unterschiedlichsten Menschen anzieht – von Pilgern bis zu Führungskräften. „Neben den klassischen Kursen wie Exerzitien, stillen Tagen, Kreativkursen oder Trauerseminaren haben wir in diesem Jahr beispielsweise ein Seminar zum Thema ‚Franziskanische Schöpfungsspiritualität‘ im Programm. Unser Kurs ‚Franciscan Leadership‘ mit dem Titel ‚Führen, Leiten, Dienen‘ richtet sich mit einer Mischung aus franziskanischer Spiritualität und Managementthemen gezielt an leitende Angestellte aus dem kirchlich-karitativen Bereich. Überdies veranstalten wir zwei bis drei Kunstausstellungen pro Jahr in unserem Hotel St. Elisabeth sowie Konzerte, die überwiegend in der Klosterkirche stattfinden.“

Das Alleinstellungsmerkmal „Ulrika-Apostolat“

Als Alleinstellungsmerkmal bewertet Markus Cordemann, der die Theodosius Akademie seit 2016 mitentwickelt hat, das sogenannte „Ulrika-Apostolat“. Es geht auf die Kreuzschwester Ulrika Nisch zurück, die bis zu ihrem Tod 1913 der Hegner Gemeinschaft angehörte und als Küchenschwester gearbeitet hat. Von den jungen Frauen, die bei ihr kochen lernten, wurde Schwester Ulrika hoch verehrt. Nach ihrem Tod nahm die Verehrung für sie noch zu, ein Seligsprechungsverfahren wurde 1952 eingeleitet, genau 35 Jahre später wurde Ulrika Nisch von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

„Durch Schwester Ulrika sind wir auch eine Pilgerstätte und ein wichtiger spiritueller Ort für die Erzdiözese Freiburg. Viele Menschen wenden sich mit ihren Bitten an uns, die wir in unser Gebet aufnehmen. Dies geschieht sowohl in der Akademie als auch durch die Schwestern des Klosters – im Vertrauen auf die Fürsprache der seligen Schwester Ulrika“, so Cordemann. Die Pilger können sich seit vier Jahren buchstäblich auf den Weg zu der Seligen machen, denn es wurde der 124 Kilometer lange „Ulrikaweg“ eingerichtet. Der Fußweg verläuft in sechs Etappen von der oberschwäbischen Heimat von Schwester Ulrika bis nach Allensbach-Hegne, wo sich ihr Grab in der Klosterkirche befindet.

Schwestern haben den Hut auf

Die Zusammenarbeit zwischen Theodosius Akademie und den Kreuzschwestern geht Hand in Hand – so war es von Beginn an: „Unser Anliegen ist es, die über Jahrzehnte gewachsenen Angebote so weiterzuentwickeln, dass sie auch in Zukunft tragfähig bleiben. Zu diesem Zweck wurden mehrere Arbeitsgruppen gebildet, in denen stets auch Schwestern mitwirkten. Auftraggebende Instanz war dabei die damalige Provinzleitung, sodass die Schwestern bereits im Entstehungsprozess eng eingebunden waren – und es bis heute sind“, erzählt Markus Cordemann. Viele künstlerische Kurse, aber auch die Exerzitien werden nach wie vor von Schwestern geleitet.

Über die zahlreichen neuen Gäste freuen sich die Ordensschwestern. Benedicta-Maria Kramer, die von 2009 bis 2018 Provinzoberin der Gemeinschaft war und dem Vorstand der Stiftung angehört, sagt: „In unserer Lebensordnung heißt es: ‚Wir wollen nicht müde werden, neue Wege zu den Menschen zu suchen‘.“ Den Wandel zu einer modernen Institution hat die Ordensschwester maßgeblich gefördert. Dazu erklärt sie: „Wir verstehen uns als eine sich ständig wandelnde Organisation. Unsere Werte, unser Wissen und unsere Erfahrungen möchten wir zur Verfügung stellen sowie mit und von anderen lernen.“

Mit Kursen, Konzerten, Kunstausstellungen und Gesprächsangeboten wendet sich Theodosius Akademie nicht nur an externe Gäste, sondern ebenso an die Mitarbeiter der Einrichtung. Für die mehr als 300 Beschäftigten der Klosteranlage und der Stiftung werden gezielt Angebote entwickelt und durchgeführt, die eine christlich-spirituelle beziehungsweise werteorientierte Unternehmenskultur fördern sollen. Im Mittelpunkt steht dabei der „Hegne WerteKompass für Führung und Teamarbeit“: Die vier Himmelsrichtungen auf dem Kompass heißen Miteinander, Verantwortung, Vertrauen und Offenheit, sie geben mit je vier Impuls-Sätzen die Verhaltensmaßstäbe für alle vor.


Kloster Hegne beweist, dass Klöster auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft Bestand haben können. Nach dem Grundsatz: Nur was sich ändert, bleibt.

Die Autorin ist freie Journalistin und Buchautorin.

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