Die Grenzen schließen, Einwanderer ohne Papiere millionenfach abschieben: So lauteten die zentralen Wahlkampfversprechen von US-Präsident Donald Trump. Nicht nur die katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten, sondern auch Papst Leo XIV. setzten in mehreren Appellen ein humanitäres Gegengewicht zur strikten Migrationspolitik der US-Regierung. Zwar hätten Staaten das Recht, ihre Grenzen zu schützen, dürften dabei jedoch nicht mit Willkür, entmenschlichender Rhetorik und unter Missachtung der Menschenwürde von Migranten vorgehen.
Dass es der Trump-Administration bislang nicht gelungen ist, diese Herausforderung zu meistern, zeigen Woche für Woche die Bilder von brutalen Razzien und Verhaftungen durch die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE. Nicht selten trifft es dabei Menschen, die sich legal im Land aufhalten. Auch Ordensschwestern sind vor dem Zugriff der in ihrer derzeitigen Vorgehensweise hoch umstrittenen Einsatzkräfte nicht gefeit.
Mehrere Kongressabgeordnete setzen sich für Freilassung ein
Am eigenen Leib musste das kürzlich die aus Nigeria stammende katholische Ordensfrau Leticia Ugboaja erfahren. Ende Juni war sie auf dem Weg zur Sonntagsmesse im US-Bundesstaat Texas in der Nähe der Grenze zu Mexiko von zwei ICE-Beamten in Gewahrsam genommen worden. Nachdem Vertreter ihrer Pfarrgemeinde den Fall in den sozialen Medien publik machten, sprangen der 56-jährigen Ordensfrau auch zahlreiche Kongressabgeordnete zur Seite. Nach mehreren Stunden wurde sie schließlich freigelassen. Besonders schmerzhaft sei für sie gewesen, dass man ihr nicht gewährt habe, an der Sonntagsmesse teilzunehmen und die Eucharistie zu empfangen, betonte die Ordensschwester US-Medienberichten zufolge vergangene Woche bei einer Pressekonferenz.

Laut Schwester Leticias Anwalt sei das Asylgesuch der Ordensfrau, die den Daughters of Mary Mother of Mercy angehört, im Jahr 2019 zwar abgelehnt worden. Sie habe jedoch bislang rechtlichen Schutz vor einer Rückführung in ihr Heimatland Nigeria genossen, da ihr dort Folter drohen würde. Sie besitze eine Arbeitserlaubnis und habe stets alle Auflagen der Behörden eingehalten. Über die Gründe für ihre zwischenzeitliche Festnahme habe man sie nur unzureichend informiert. Ihrem Anwalt zufolge hätte die Regierung geplant, sie in ein Drittland abzuschieben – eine Praxis, die von Juristen und Menschenrechtsexperten kritisiert wird und die derzeit die US-Gerichte beschäftigt.
Weiter Ungewissheit über Aufenthaltsstatus
Über Schwester Leticias künftigen Aufenthaltsstatus besteht weiter Ungewissheit. Unklar war bis zuletzt, ob sie sich in dieser Woche erneut zu einem Termin mit den Einwanderungsbehörden einfinden soll. Formal gelte sie noch immer als abschiebepflichtig, so ihr Anwalt. Doch die Ordensschwester hat nicht nur ihr eigenes Schicksal vor Augen: „Es gibt viele andere in derselben Situation, Menschen, die einen gewissen rechtlichen Schutz genießen, alle Regeln befolgen, und dennoch mit der Ungewissheit leben“, betonte sie auf der Pressekonferenz. Ihnen wolle sie helfen, indem sie von ihrem Fall erzähle.
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