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Ein Gelübde im Bombenhagel

Der selige Petrus der Diakon war Freund Gregors des Großen, Schutzpatron eines Dorfes im Zweiten Weltkrieg und Zeuge göttlicher Inspiration.
Seliger Petrus, der Diakon
Foto: IN | Die rechte Hand des Papstes: Dem seligen Petrus vertraute Papst Benedikt I. im Jahr 577 wichtige Dienste in der römischen Kirche an.

Am 8. April 1945, als während der Frühjahrsoffensive der Alliierten zur Befreiung Italiens viele Bomben auf das norditalienische Piemont niedergingen, bat die katholische Gemeinde von Sassuola, einem Dorf unweit der Schweizer Grenze, den seligen Petrus mit dem Beinamen „der Diakon“, dessen Reliquien in einem ehemaligen Kloster am Ortsrand ruhten, um Schutz. Sie gelobten, dem Seligen dafür eine eigene Kapelle zu erbauen.

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Petrus der Diakon wurde Mitte des 6. Jahrhunderts auf der Burg seiner Familie, den Feudalherren von Vittimulo, geboren. Aus der Burg ging später der Ort Salussola hervor. Als junger Mann ging er zum Studium nach Rom und freundete sich dort mit dem einige Jahre älteren Mönch Gregor aus der vornehmen Familie der Anicier an. Nach einer steilen Karriere im Staatsdienst hatte Gregor sich entschieden, Mönch zu werden, und im Anwesen seiner Familie auf dem Caelius eine Gemeinschaft gegründet, die der Regel des heiligen Benedikt folgte. Auch Petrus schloss sich dieser Gemeinschaft an und wurde Benediktiner.

Petrus und Gregor wurden zu engen Mitarbeitern des Bischofs von Rom: Im Jahr 577 vertraute Papst Benedikt I. Petrus wichtige Dienste in der römischen Kirche an, während sein Nachfolger Pelagius II. im Jahr 579 Gregor als Gesandten nach Konstantinopel schickte. 590 wurde Gregor selbst auf den Stuhl Petri gewählt. Er gehört – mit dem Beinamen „der Große“ – zu den bedeutendsten Päpsten der Kirchengeschichte.

Ein „einzigartiger Freund”

Gleich nach seinem Amtsantritt sandte Papst Gregor seinen Mitbruder Petrus, der inzwischen zum Subdiakon geweiht worden war, nach Sizilien, wo es zahlreiche neugegründete Benediktinerklöster gab. Aus dieser Zeit sind einige Briefe Gregors erhalten, aus denen viel über Petrus hervorgeht: Klein und schmächtig von Statur, leistete er hervorragende Arbeit mit viel praktischem Sinn, etwa in der Armenfürsorge, im Kirchenbau und bei der Verteilung kirchlicher Ämter, aber auch zur Schlichtung von Grenzstreitigkeiten bei Ländereien und in der Bekämpfung von Bestechung und Wucherei. Als Kornkammer Italiens spielte Sizilien eine Schlüsselrolle für die Versorgung der Bevölkerung; daher war Petrus’ Arbeit dort mit viel Verantwortung verbunden. Nach zwei Jahren auf Sizilien versah er dieselbe Aufgabe ein Jahr lang in Kampanien und kehrte dann nach Rom zurück, wo er die Diakonweihe empfing.

Gregor der Große bezeichnet Petrus in seinen „Dialogen“ als „lieben Studiengefährten“ und „einzigartigen Freund“. Bis zu Gregors Tod blieb Petrus sein Sekretär und schrieb auch seine theologischen Werke nieder, die der Papst ihm – wie in der Antike üblich – mündlich diktierte. Petrus’ Tod ist als Legende überliefert: Nachdem er sich schon lange gewundert hatte, dass Gregor, der beim Diktieren hinter einem Vorhang saß, theologische Wahrheiten blitzschnell und ohne langes Nachdenken formulieren konnte, schaute Petrus eines Tages, von Neugier getrieben, hinter den Vorhang, und sah auf Gregors Schulter den Heiligen Geist in Form einer Taube sitzen, der ihm die Wahrheiten ins Ohr flüsterte. Petrus musste bei seinem eigenen Leben geloben, es niemandem zu erzählen. 605, ein Jahr nach Gregors Tod, kam es in Rom wegen einer Hungersnot zum Volksaufstand.

Petrus wurde Benediktiner

Gregor sei daran schuld, hieß es; er habe alles an die Armen verteilt. Am 30. April 605 stürmte die wütende Menge den Petersdom und wollte Gregors gesamte Schriften verbrennen. Da stieg Petrus auf die Kanzel und verkündigte öffentlich, dass er mit eigenen Augen gesehen habe, dass Gregors Schriften vom Heiligen Geist inspiriert seien – wenn er jetzt tot umfalle, sollte man dies als Beweis dafür nehmen, dass er die Wahrheit sage.

Tatsächlich fiel er, so die Legende, vom Blitz getroffen tot zu Boden. Wie alle Legenden hat auch diese einen wahren Kern: Petrus hat sein ganzes Leben in den Dienst Gregors des Großen und seines theologischen Werkes gestellt, das diesen zu einem der bedeutendsten Kirchenlehrer macht. Auch die Einwohner von Sassuola blieben 1945 von Bombardierungen verschont, und so ruhen die sterblichen Überreste von Petrus dem Diakon, der 1866 von Papst Pius IX. seliggesprochen wurde, seit 1957 in der dort für ihn errichteten Kapelle. Am 8. April 1945, als während der Frühjahrsoffensive der Alliierten zur Befreiung Italiens viele Bomben auf das norditalienische Piemont niedergingen, bat die katholische Gemeinde von Sassuola, einem Dorf unweit der Schweizer Grenze, den seligen Petrus mit dem Beinamen „der Diakon“, dessen Reliquien in einem ehemaligen Kloster am Ortsrand ruhten, um Schutz. Sie gelobten, dem Seligen dafür eine eigene Kapelle zu erbauen.

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