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Pagliarani: „Gerede, Diskussionen und Dialog müssen der Wirklichkeit weichen“

Der Generalobere der Piusbruderschaft verteidigt die geplanten Bischofsweihen, übt Kritik an der Haltung konservativer Gegner und würdigt zugleich Unterstützung aus der Kirche.
Pater Davide Pagliarani,
Foto: KNA | „Die Rechte des Christkönigs über die Seelen und über die Nationen erneut zu bekräftigen“ sei mehr denn je notwendig, sagt er Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. in einem Interview.

Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX), Davide Pagliarani, hat die angekündigten Bischofsweihen als notwendig verteidigt und scharfe Kritik an Entwicklungen in der Kirche geübt. In einem am vergangenen Donnerstag auf dem Portal „fsspx.news“ veröffentlichten Interview äußerte er sich unter anderem zur Begründung der Weihen, zur Lage des Glaubens, zur Rolle konservativer Kirchenvertreter sowie zur Schisma-Frage.

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Die Gründe für die Entscheidung für Bischofsweihen seien „objektiv gesehen schwerwiegend“, denn auf dem Spiel stehe das Heil der Seelen. Die durch die Ankündigung der Weihen ausgelöste Debatte sei von großer Tragweite. „Im Grunde ist niemand gleichgültig geblieben“, so der Generalobere. 

Pagliarani kritisierte zudem konservative und traditionalistische Kreise als zu passiv. Diese beschränkten sich häufig auf Analysen und Kritik, ohne daraus konsequente Schritte abzuleiten, und warteten stattdessen etwa auf Antworten aus Rom oder neue Entscheidungen zur Liturgie.

Der Generalobere warf konservativen und traditionalistischen Kreisen vor, sich in Analysen und Erwartungen zu erschöpfen, die „kaum in realistische und konsequente Stellungnahmen münden“. Statt zu handeln, werde vielfach weiter auf Antworten aus Rom gewartet – etwa auf eine Reaktion auf die vor Jahren vorgelegten Dubia zu „Amoris laetitia“ oder auf ein neues Motu proprio zur überlieferten Messe.

Die Entscheidung über die Weihen sei laut Pagliarani eine „bedeutungsvolle Geste, die dazu zwingt, nachzudenken“. Die Priesterbruderschaft erweise sich dabei als „Werkzeug für eine heilsame Erschütterung“. Durch die Vorsehung könne sie etwas beitragen, „das die Kirche heute zu ihrem Wohl und zu ihrer Erneuerung sicherlich mehr denn je braucht“.

Pagliarani begründete die Notwendigkeit eines solchen Schrittes mit einer zunehmenden Relativierung des Glaubens. Durch ständige Diskussionen würden selbst grundlegende Fragen als verhandelbar erscheinen, was zu Gleichgültigkeit und Anpassung führe. Viele richteten sich dabei „in einer Komfortzone ein, klammern sich an Gleichgewichte und Privilegien, die man keinesfalls aufs Spiel setzen will“. Angesichts der Ewigkeit und der Gefahr, den Himmel zu verlieren, müssten „Gerede, Diskussionen und Dialog der Wirklichkeit weichen“, so der Generalobere.

Es sei „mehr denn je notwendig, die Rechte des Christkönigs über die Seelen und über die Nationen erneut zu bekräftigen, zu verkünden und zu bekennen“. Zudem forderte Pagliarani eine klare Rückkehr zu einem exklusiven Heilsverständnis und einer strengeren Moralverkündigung. Die Kirche müsse erneut den Anspruch bekräftigen, „die einzige Arche des Heils für jeden Menschen“ zu sein, und dürfe Sünde nicht relativieren.

„Ein unsäglicher Skandal“

Scharfe Kritik übte er auch am Pontifikat von Papst Franziskus. Die Teilnahme eines Papstes an einem Pachamama-Ritual in den Vatikanischen Gärten bezeichnete er als „Wahnsinn und ein unsäglicher Skandal“. Zudem wandte er sich gegen die Vorstellung, alle Religionen beteten „unter verschiedenen Namen“ denselben Gott an, sowie gegen eine Abkehr vom missionarischen Auftrag der Kirche. Man müsse „damit aufhören, die Welt um Verzeihung dafür zu bitten, dass man versucht hat, sie zu bekehren“.

Pagliarani wies den Vorwurf zurück, die Bruderschaft handle aus Ungehorsam oder Eigeninteresse. „Wenn man nicht anerkennt, dass der Glaube selbst auf den Spiel steht, dann kann die gegenwärtige Situation der Priesterbruderschaft St. Pius X. unweigerlich nur als ein Problem der Disziplin, der Auflehnung oder des Ungehorsams wahrgenommen werden“, sagte er. Die bevorstehenden Weihen seien vielmehr „ein Akt der Treue“, der darauf abziele, „die Mittel zu bewahren, um die eigene Seele und die der anderen zu retten“. Aus Sicht des Generaloberen stellen die geplanten Weihen eine moralische Verpflichtung dar. Es wäre „eine sehr schwere Sünde“, sich dieser Aufgabe zu entziehen, wenn die Vorsehung der Bruderschaft die Mittel gebe, den Glauben zu verkünden.

Pagliarani kritisierte zudem die Haltung konservativer Kardinäle wie Gerhard Ludwig Müller und Robert Sarah, die sich gegen die Weihen ausgesprochen haben. Diese erklärte er unter anderem mit der Sorge der Betroffenen, mit der Priesterbruderschaft gleichgesetzt zu werden.

Zudem warf er ihnen vor, die Anforderungen des Glaubens und des Kirchenrechts nicht in Einklang bringen zu können. Diese lebten in einer „dauerhaften Dichotomie“, die entschlossenes Handeln verhindere. Die Bruderschaft hingegen betone den Vorrang des Glaubens: „Das Lehramt ist dazu da, den Glauben zu lehren, nicht ihn zu erfinden; das Recht ist dazu da, ihn zu bewahren.“

Diese Spannung sei Ausdruck einer „typisch modernen“ Denkweise, in der Gesetz und Wirklichkeit voneinander getrennt würden, was zu ideologischen Ansätzen führe. Diese Haltung könne bei Autoritäten zu „irreversibler Verblendung und Herzensverhärtung“ führen, die sich in einem Handeln nach dem Prinzip „Gesetz ist Gesetz“ ohne Rücksicht auf die konkreten Umstände, Erfordernisse oder Absichten äußere.

Zugleich verwies Pagliarani auf Unterstützung für die geplanten Weihen auch außerhalb der Bruderschaft. Mehrere Diözesanpriester und Bischöfe hätten ihre „Dankbarkeit und ihre Ermutigung bekundet“, wofür er ausdrücklich danke. Besonders Athanasius Schneider habe „großen Mut und eine Freiheit des Wortes“ bewiesen und sei ein „Zeichen der Hoffnung“. Auch der im Jahr 2024 verstorbene Bischof Vitus Huonder habe die Bruderschaft bereits zuvor zu Weihen ermutigt.

Unverständnis für Schweigen

Zugleich betonte Pagliarani, er habe nach wie vor den Wunsch, vor den geplanten Weihen ein persönliches Gespräch mit Papst Leo XIV. zu führen. Er zeigte sich überrascht, dass es bislang „keinerlei Antwort oder persönliche Reaktion“ gegeben habe, und erklärte, er habe „Mühe“, dieses Schweigen zu verstehen. Eine mögliche Einstufung der Bruderschaft als schismatisch betreffe nicht nur eine Institution, sondern konkrete Personen, die sich der Kirche verbunden fühlten.

Mit Blick auf die Schisma-Frage sprach Pagliarani von einer widersprüchlichen Haltung innerhalb der Kirche. Der Widerspruch sei „real“ und mache eine „fluide“ Praxis des Vatikans sichtbar. Während Vertreter einer strengen kanonistischen Linie die Bruderschaft weiterhin als schismatisch einstuften, verwies er auf andere Stimmen, die sie nicht so bewerteten.

So habe etwa Kardinal Dario Castrillón Hoyos eine flexiblere Haltung eingenommen. Auch Papst Franziskus habe die Bruderschaft nie als schismatisch behandelt und erklärt, er werde sie nicht verurteilen. Ebenso könnten nach Darstellung Pagliaranis auch Leo XIV. und andere Verantwortliche derzeit kaum von einem bereits bestehenden Schisma ausgehen, da sie versuchten, ein solches zu vermeiden.

Diese Uneinheitlichkeit führte Pagliarani auf einen „ekklesiologischen Irrtum“ zurück. Der Begriff der „nicht vollen Gemeinschaft“ ermögliche es, ein Subjekt zugleich als katholisch und nicht katholisch zu betrachten, was zu „verworrenden, inkohärenten und ‚fluiden‘ Urteilen“ führe. Das Gesetz der Kirche könne demnach nur „teilweise“ auf jemanden anwendbar sein, insofern er auch nur teilweise Sohn der Kirche sei. Letztlich liege nach seiner Darstellung in dieser modernen Ekklesiologie auch ein juristischer Irrtum begründet.

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Pagliarani kritisierte zudem Vertreter aus Ecclesia-Dei-Kreisen, die den Schisma-Vorwurf gegenüber der Bruderschaft unterstützten. Diese griffen die FSSPX aus seiner Sicht paradoxerweise an, „indem sie die ekklesiologischen Irrtümer des Zweiten Vatikanischen Konzils zitieren und verteidigen“. Anstatt diese in konstruktiver Weise offenzulegen, würden sie „benutzt, um die Priesterbruderschaft St. Pius X. zu steinigen“. DT/jna

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