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Zum gemeinsamen Priestertum berufen

Christus sendet nicht nur die Apostel aus, sondern beruft alle Getauften zu seinem priesterlichen, königlichen und prophetischen Amt – ausgedrückt in der Mitfeier der Messe.
Katholischer Gottesdienst
Foto: Imago/Ralf Gerard | Der Priester allein ist es, der während der heiligen Messe als Stellvertreter Jesu die heiligen Worte der Wandlung ausspricht, worin das Opfer von Golgatha Gegenwart wird.

Im Evangelium hören wir am Sonntag von der Aussendung der zwölf Apostel. Diese Sendung setzt sich fort im Amtspriestertum durch die Weihe der Bischöfe, Priester und Diakone. Gleichzeitig gibt es aber auch eine Aufgabe für alle Christen kraft der Taufe und der Firmung. Schon in der Lesung aus dem Alten Testament wird sie angedeutet: „Ihr (das Volk Israel) sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk angehören.“ Und im Blick auf den Neuen Bund sagt später der Apostel Petrus: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das Gottes besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat“ (1 Petrus 2, 9).

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Im alten Israel wurde das Haupt der Priester und Könige mit Öl übergossen als Zeichen für das Einwirken des göttlichen Geistes. Darum wurden auch die Propheten, die keine materielle Salbung empfingen, als „Gesalbte“ betrachtet. Die „Salbung“ der Priester, Könige und Propheten im Alten Bund findet ihre Vollendung in Christus, dem „Gesalbten“ schlechthin. Darum heißt es bei der Chrisamsalbung im Ritus der Taufe: „Du wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten.“

Priester ist niemand für sich selbst, sondern für andere, für Gott und die Menschen. Die Hingabe an Gott drückt sich aus im Opfer. So auch beim allgemeinen Priestertum. Es findet seinen innersten Kern bei der Mitfeier des heiligen Messopfers. Dann, wenn in unblutiger Weise das Kreuzesopfer Jesu auf dem Altar Gegenwart wird, dann gewinnt auch die Teilhabe am allgemeinen Priestertum die größte Kraft und höchste Würde. Was hier geschieht, lässt sich vergleichen mit dem Geschehen auf Golgatha. Christus ist es, der dem himmlischen Vater das Sühnopfer für die Sünden der Menschheit darbringt. Aber unter dem Kreuz steht der Lieblingsjünger Johannes, da stehen die Frauen, da steht Maria. Zumindest Maria spricht auch hier ihr Ja zum Plan des himmlischen Vaters, das Ja zum Opfer ihres Sohnes. Sie schließt sich dem Kreuzesopfer innerlich an und gewinnt so die Vollmacht, durch ihre Fürbitte die Gnaden des Opfers mit auszuteilen.

Ganz ähnlich ist es bei der heiligen Messe. Der Priester allein ist es, der als Stellvertreter Jesu die heiligen Worte der Wandlung ausspricht, worin das Opfer von Golgatha Gegenwart wird. Aber alle anwesenden Gläubigen stehen gleichsam wie Maria und Johannes unter dem Kreuz. Durch ihr Mitbeten, ihre Teilnahme, tragen sie dazu bei, dass Gott verherrlicht wird und dass die Früchte des Kreuzesopfers bei den Menschen ankommen.

Exodus 19, 2–6a
Römer 5, 6–11
Matthäus 9, 36–10, 8
Zu den Lesungen des 11. Sonntags im
Jahreskreis 2026 (Lesejahr A)

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Manfred Hauke Apostel Bischöfe Jesus Christus Priestertum Simon Petrus

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