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Weltkulturerbe Kölner Dom: Eine Kostbarkeit, die Geld kostet

Sind zwölf Euro Eintritt für den Kölner Dom ein Skandal? Keinesfalls – die Kirchensteuer kann nur dann kulturelle Flatrate sein, wenn alle Kirchenmitglied sind.
Feuilletonredakteur Henry C. Brinker, Kölner Dom
Foto: DT / IMAGO / Marc John | Nicht jeder begegnet dem Gotteshaus mit dem gebotenen Respekt: Manchmal wird aus dem Dom auch die Bahnhofs-Wartehalle.

Wer auf Reisen bedeutende Kirchen besichtigt, kennt es nicht anders. Ob Mailänder Dom, der „Steffi“ in Wien, Notre Dame in Paris oder ganz aktuell die Sagrada Familia in Barcelona: Wer Gotteshäuser von Rang besucht, um zu schauen statt zu beten, muss zahlen. Gründe dafür gibt es viele: die explodierenden Kosten für den Erhalt der Gebäude oder eine Regulierung der Besuchermassen, die die Bausubstanz immer stärker belasten. Aber auch eine Teilhabe an den Erlösen, die geschäftstüchtige Reiseveranstalter mit Besichtigungstouren erzielen, ist mehr als legitim. Flusskreuzfahrten auf dem Rhein mit reichen Amerikanern machen Stopp am Dom. Karawanen von Reisebussen spucken Touristen aus, die viel Geld ausgeben, ohne dass die Kirchen an den Umsätzen beteiligt werden. Online bieten Fremdenführer sündhaft teure Besichtigungstouren an: 110 Euro für 90 Minuten bei GetYourGuide. Die Kirche geht bei all der Geschäftemacherei leer aus, ja, zahlt sogar die Ermöglichung.

Als die Zugehörigkeit zu einer Kirche noch selbstverständlich war, hat es eine Diskussion um Besuchertickets nicht gegeben. Bevölkerung und Kirche waren eins. Die Kirchensteuer – sie war eben auch eine kulturelle Flatrate. Das ist heute anders. Man könnte es auch auf die Formel bringen: Je mehr Kirchenaustritte es gibt, desto mehr Eintrittsgelder sind nötig.

Messbesucher zahlen keinen Eintritt

Um es klar auszusprechen: Die zwölf Euro Obolus für den Kölner Dom bei Besichtigungen sind voll gerechtfertigt, ein fairer Preis für ein einzigartiges Weltkulturerbe. 44.000 Euro kosten Erhalt und Öffnungsbetrieb pro Tag, 27.000 Euro davon betreffen allein die zahllosen Gewerke zum Schutz des baulichen Denkmals mit seinen Schätzen. Insgesamt sind 16 Millionen pro Jahr für den Dom aufzubringen.

Gleichwohl gilt: Lasst die Kinder zu mir kommen! Bis dreizehn Jahre hat der Nachwuchs freien Eintritt, Besucher mit Einschränkungen zahlen nur sechs Euro. Beter und Teilnehmer an den 2000 Messen pro Jahr brauchen selbstverständlich auch keinen Eintritt zu entrichten. Kostenlose Sonderöffnungen gibt es an bestimmten Feiertagen und bei der langen Nacht der Museen.

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Der Dom ist in erster Linie ein Gotteshaus, auch wenn man es am Verhalten der Besucher nicht immer ablesen kann. Allein die Beseitigung der ausgespuckten Kaugummis verschlingt pro Jahr einen fünfstelligen Betrag. Wartende der Deutschen Bahn, die mangels Aufenthaltsmöglichkeiten in den Dom flüchten, verzehren dort Brezen und Cola. Ein Menü bei McDonald’s würde sie etwa zwölf Euro kosten, so viel wie künftig das Besucherticket für den Dom. Das Museum Ludwig 50 Meter weiter nimmt ebenfalls zwölf Euro Eintritt. In einer Gesellschaft, die alles danach bemisst, was seinen Wert in Euro und Cent ausmacht, heißt „kostenlos“ viel zu oft auch „bedeutungslos“. Traurig, aber wahr: Manche Menschen mögen künftig wohl mit anderen Augen auf und in das Gotteshaus schauen, wenn sie vorher zwölf Euro entrichten mussten.

Viele sind aus der Kirche ausgetreten, um Geld zu sparen. Was das auch für das kulturelle Leben in all seinen Verästelungen für Konsequenzen hat, dafür ist das ab Juli fällige Besucherticket für den Kölner Dom ein kleines Beispiel. Übrigens: Das stille Gebet zu Gott ist weiterhin überall auf der Welt und immer kostenlos, aber nie umsonst.

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