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Gott ist mächtig und geduldig

Gott ist kein Relativist, aber er hat Geduld. Zu den Lesungen des 16. Sonntags im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A).
Kratzdistel im Weizenfeld
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Darf erstmal stehenbleiben: Kratzdistel im Weizenfeld.

Die erste Lesung und das Evangelium betonen Gottes Macht. Sie steht ihm zur Verfügung, wann immer er ihrer bedarf, erklärt das Buch der Weisheit. Und Jesus Christus lässt im Evangelium keinen Zweifel darüber aufkommen, dass Gott am Ende die Scheidung zwischen Gut und Böse herbeiführen wird. Er ist weder schwach noch ein Relativist. Deshalb wird das Unkraut verbrannt werden.

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Diese Betonung göttlicher Allmacht wird jedoch flankiert von einer zweiten Botschaft: Gott hat Geduld. Gerade weil er der unangefochten Mächtige ist, kann er sich Zeit lassen. „Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde“, heißt es schon im Alten Testament. Das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut enthält sodann den zur Geduld mahnenden Satz Jesu: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte.“ Die zweite Lesung aus dem Römerbrief erklärt diesbezüglich den Unterschied zwischen Gott und dem Menschen. Letzterer hat eine begrenzte Sichtweise. Er weiß nicht, worum er in rechter Weise beten soll. Es ist der Geist Gottes, der für den kurzsichtigen Menschen vor Gott für das wahrhaft Gute eintritt: „Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“

Die Geschichte der Kirche hat die Tatsache, dass der Mensch über einen begrenzten Horizont verfügt, bestätigt. Immer wieder waren die Christen geneigt, die Apostel nachzuahmen: Sollen wir das Böse ausreißen? Jetzt schon? Daraus entstand im Mittelalter die ungeduldige These, wonach der Irrtum kein Recht auf Existenz habe. Daraus leitete man das Recht ab, Ketzer zu verfolgen und zu töten, Bücher zu zensieren und Menschen zu vertreiben. Man wirft es der katholischen Kirche bis heute vor.

Die evangelischen Gemeinschaften haben spiegelbildlich das Gleiche getan. Stets war die Ungeduld des kurzsichtigen Menschen im Spiel. Er wollte das Jüngste Gericht „verzeitlichen“: Was erst am Ende der Geschichte geschehen sollte, wollte er sofort verwirklichen. Viel Leid ist dadurch entstanden. Noch heute wird der Vorwurf Voltaires zitiert, den er an die Christen richtete: „Wollt ihr Christus gleichen, so werdet Märtyrer, nicht Henker.“

Man kann die Lehre daraus ziehen, dass es stets einer klugen Balance bedarf. Auf der einen Seite darf die Geduld nicht dazu führen, dass man relativistisch wird. Gut und Böse gilt es zu unterscheiden. Ersteres muss man wählen und alle dazu ermutigen. Aber zugleich muss man sich vor dem Rigorismus hüten, schon vor der Zeit eine allein dem Allmächtigen zustehende Entscheidung herbeizuführen. Denn diese vermeintliche Abkürzung läuft dem Willen Gottes zuwider. Er besteht darin, durch den zeitlichen Aufschub den Sündern die Umkehr zu gewähren, wie es schon im Buch der Weisheit weise heißt.

Lesungen: 

Weisheit 12, 13.16-19
Römer 8,26-27
Matthäus 13,24–30

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