Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erklärung von Castel Gandolfo

Experten fordern Grenzen für KI im Atomzeitalter

Konferenz in Castel Gandolfo: Nobelpreisträger, Politiker und Religionsvertreter machen sich für internationale Regeln für KI stark und betonen die Verantwortung des Menschen.
Rom fordert Grenzen für KI im Atomzeitalter
Foto: IMAGO/Gennaro Leonardi | Im römischen Kapitol wurde die „Erklärung von Rom für einen unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ vorgestellt.

Drei Tage lang haben rund 200 Personen, darunter Nobelpreisträger, Wissenschaftler, Religionsvertreter, Diplomaten sowie ehemalige Staats- und Regierungschefs, im Borgo Laudato Si in Castel Gandolfo an der „Erklärung von Rom für einen unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ gearbeitet. Im Mittelpunkt der Beratungen standen unter anderem autonome Waffensysteme, die Rolle Künstlicher Intelligenz (KI) in nuklearen Führungs- und Entscheidungsstrukturen sowie Fragen der atomaren Abrüstung. Am Freitag wurde die Erklärung „Vatican News“ zufolge auf dem römischen Kapitol vorgestellt. Die zentralen Aspekte darin: bessere, stabile und verlässliche Kommunikationskanäle zur Vermeidung nuklearer Eskalationen zwischen Staaten sowie eine internationale Regulierung und Überwachung Künstlicher Intelligenz (KI).

Lesen Sie auch:

Kardinal Baldassare Reina betonte bei der Vorstellung, es gehe bei der Frage rund um KI weniger um die „Technologie an sich“ als vielmehr um das menschliche Herz, das sie lenke, das Gewissen, das sie anleite und die Politik, die sie reguliere. Keine Maschine, kein Algorithmus und kein autonomes System dürfe in den Mittelpunkt von Entscheidungen gestellt werden, von denen das Überleben der Menschheit abhängt, so der Kardinal, der auch Generalvikar des Papstes für das Bistum Rom ist. „Entscheidungen, die über Leben und Tod, Frieden und Krieg sowie die Zukunft der Völker und künftiger Generationen entscheiden, müssen unter vollständiger, verantwortungsvoller und sinnvoller menschlicher Kontrolle bleiben", sagte er und wiederholte damit im Kern, was Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika „Magnifica humanitas“ geschrieben hatte. Leo XIV. hielt sich während der Beratungen im Borgo Laudato Si auf.

Plädoyer für einen „entwaffneten Frieden"

Außerdem sprach der Kardinal von möglichen Verbindungslinien zwischen Künstlicher Intelligenz und Atomsystemen als einer „der ernstesten Herausforderungen unserer Zeit". Die Risiken gingen über militärische oder technologische Fragen hinaus, sie seien auch „menschlich, ethisch, spirituell und staatsbürgerlich". Weiter erklärte er: „Wenn die Zerstörungskraft schneller wächst als die Fähigkeit zum Dialog, wenn die Automatisierung schneller voranschreitet als die Besonnenheit, wenn das Misstrauen zwischen den Nationen zu einer dauerhaften Struktur wird, dann ist die gesamte Menschheit aufgerufen, innezuhalten und sich erneut für den Weg der Verantwortung zu entscheiden." Eine Sicherheit, die auf der Drohung der gegenseitigen Zerstörung aufbaue, bleibe „stets fragil, provisorisch und anfällig für Fehler, Fehleinschätzungen, Unfälle und plötzliche Krisen".

Reina verwies auf eine Ansprache des Papstes über den „entwaffneten Frieden". Entwaffnen bedeute nicht nur, Waffenarsenale abzubauen, sondern Denkweisen, Sprachgebrauch, Wirtschaftssysteme und internationale Beziehungen abzurüsten. Es bedeute den Übergang von einer Kriegswirtschaft zu einer Friedenswirtschaft und sei eine Investition „in das reale Leben der Völker: Gesundheit, Bildung, Ernährung, Umwelt, menschenwürdige Arbeit und ganzheitliche menschliche Entwicklung". Der Physik-Nobelpreisträger David Gross brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Wir bitten Sie, das Risiko von Krieg, Atomkrieg und völliger Auslöschung zu reduzieren … Denken Sie an Ihre Menschlichkeit, und vergessen Sie den Rest!"  DT/dsc 

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Kardinäle Leo XIV.

Weitere Artikel

Was kann der Mensch noch besser als die Künstliche Intelligenz? Knapp sieben Wochen nach „Magnifica humanitas“ zieht Reinhard Kardinal Marx in München ein selbstbewusstes Fazit.
08.07.2026, 19 Uhr
Jakob Ranke
Das Programm des Konsistoriums Ende Juni steht nun fest. Papst Leo XIV. will mit den Kardinälen über die internationale Lage und künstliche Intelligenz beraten.
11.06.2026, 11 Uhr
Guido Horst

Kirche

Das Erzbistum München hebelt im Umgang mit spirituellem Missbrauch das Kirchenrecht aus. Was Betroffene riskieren, wenn sie das Gespräch mit dem Erzbistum suchen.
17.07.2026, 13 Uhr
Heribert Hallermann
Schwester Katharina Ganz wird Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Die Personalie hat nicht nur eine pastorale, sondern auch eine kirchenpolitische Dimension.
15.07.2026, 21 Uhr
Benjamin Leven
Die KHKT verliert ihre Führung: Rektor, Kanzlerin und Geschäftsführer hören auf. Medienspekulationen über die Hintergründe werfen Fragen auf. Die Debatte kommt zur Unzeit.
15.07.2026, 15 Uhr
Benjamin Leven Jakob Ranke
Nach den unerlaubten Bischofsweihen legt die Gemeinschaft fristgerecht Rechtsmittel gegen das Exkommunikationsdekret ein. Damit ist die verhängte Strafe vorerst ausgesetzt.
14.07.2026, 13 Uhr
Meldung