Drei Tage lang haben rund 200 Personen, darunter Nobelpreisträger, Wissenschaftler, Religionsvertreter, Diplomaten sowie ehemalige Staats- und Regierungschefs, im Borgo Laudato Si in Castel Gandolfo an der „Erklärung von Rom für einen unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ gearbeitet. Im Mittelpunkt der Beratungen standen unter anderem autonome Waffensysteme, die Rolle Künstlicher Intelligenz (KI) in nuklearen Führungs- und Entscheidungsstrukturen sowie Fragen der atomaren Abrüstung. Am Freitag wurde die Erklärung „Vatican News“ zufolge auf dem römischen Kapitol vorgestellt. Die zentralen Aspekte darin: bessere, stabile und verlässliche Kommunikationskanäle zur Vermeidung nuklearer Eskalationen zwischen Staaten sowie eine internationale Regulierung und Überwachung Künstlicher Intelligenz (KI).
Kardinal Baldassare Reina betonte bei der Vorstellung, es gehe bei der Frage rund um KI weniger um die „Technologie an sich“ als vielmehr um das menschliche Herz, das sie lenke, das Gewissen, das sie anleite und die Politik, die sie reguliere. Keine Maschine, kein Algorithmus und kein autonomes System dürfe in den Mittelpunkt von Entscheidungen gestellt werden, von denen das Überleben der Menschheit abhängt, so der Kardinal, der auch Generalvikar des Papstes für das Bistum Rom ist. „Entscheidungen, die über Leben und Tod, Frieden und Krieg sowie die Zukunft der Völker und künftiger Generationen entscheiden, müssen unter vollständiger, verantwortungsvoller und sinnvoller menschlicher Kontrolle bleiben", sagte er und wiederholte damit im Kern, was Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika „Magnifica humanitas“ geschrieben hatte. Leo XIV. hielt sich während der Beratungen im Borgo Laudato Si auf.
Plädoyer für einen „entwaffneten Frieden"
Außerdem sprach der Kardinal von möglichen Verbindungslinien zwischen Künstlicher Intelligenz und Atomsystemen als einer „der ernstesten Herausforderungen unserer Zeit". Die Risiken gingen über militärische oder technologische Fragen hinaus, sie seien auch „menschlich, ethisch, spirituell und staatsbürgerlich". Weiter erklärte er: „Wenn die Zerstörungskraft schneller wächst als die Fähigkeit zum Dialog, wenn die Automatisierung schneller voranschreitet als die Besonnenheit, wenn das Misstrauen zwischen den Nationen zu einer dauerhaften Struktur wird, dann ist die gesamte Menschheit aufgerufen, innezuhalten und sich erneut für den Weg der Verantwortung zu entscheiden." Eine Sicherheit, die auf der Drohung der gegenseitigen Zerstörung aufbaue, bleibe „stets fragil, provisorisch und anfällig für Fehler, Fehleinschätzungen, Unfälle und plötzliche Krisen".
Reina verwies auf eine Ansprache des Papstes über den „entwaffneten Frieden". Entwaffnen bedeute nicht nur, Waffenarsenale abzubauen, sondern Denkweisen, Sprachgebrauch, Wirtschaftssysteme und internationale Beziehungen abzurüsten. Es bedeute den Übergang von einer Kriegswirtschaft zu einer Friedenswirtschaft und sei eine Investition „in das reale Leben der Völker: Gesundheit, Bildung, Ernährung, Umwelt, menschenwürdige Arbeit und ganzheitliche menschliche Entwicklung". Der Physik-Nobelpreisträger David Gross brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Wir bitten Sie, das Risiko von Krieg, Atomkrieg und völliger Auslöschung zu reduzieren … Denken Sie an Ihre Menschlichkeit, und vergessen Sie den Rest!" DT/dsc
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