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Eine Enzyklika, die Kirche und Wissenschaft verbinden soll

Imposante Präsentation der KI-Enzyklika. Papst Leo nennt einige Gründe, warum er sie geschrieben hat.
Papst Leo XIV.
Foto: Imago/Vatican Media | Papst Leo XIV. bei der Unterzeichnung seiner ersten Enzyikla „Magnifica Humanitas“.

Es war der ganz große Bahnhof: Noch nie hat der Vatikan dermaßen massiv das Lehrschreiben eines Papstes vorgestellt. Sechs Redner, darunter drei Kardinäle. In Anwesenheit der Spitzenvertreter der gesamten Römischen Kurie, daneben zahlreiche Botschafter der Staaten.

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Das alles in der Synodenaula des Vatikans – in Anwesenheit des Papstes, der am Ende selbst sprach und allen den Segen erteilte. So geschehen am heutigen Pfingstmontag in Rom, als Leo XVI. seine erste Enzyklika der Öffentlichkeit übergab: „Magnifica Humanitas – Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“.

Der Papst und der KI-Entwickler

Papst Leo wandte sich in seiner abschließenden Ansprache zunächst an einen besonderen Gast auf dem Podium, den Kanadier Christopher Ohly, den Mitbegründer der KI-Firma Anthropic, trotz seiner jungen Jahre bereits Multimilliardär. „Ganz besonders möchte ich Herrn Olah dafür danken, dass er unsere Einladung angenommen hat.

Im Namen der Kirche nehme ich nun meinerseits Ihre Einladung an, gemeinsam zu gehen, zuzuhören, zu sprechen und gemeinsam den Weg für die Menschheit in dieser Zeit der künstlichen Intelligenz zu finden.“ Es sei ein großartiges Zeichen der Hoffnung, dass man trotz aller Unterschiede einander zuhören könne. 

Der Papst ging auch auf die Gespräche ein, die ihn dazu veranlasst haben, seine erste Enzyklika der Künstlichen Intelligenz zu widmen: Er habe politische Führer und Amtsträger gehört, die beharrlich nach gerechten Regeln suchten, sowie Eltern und Lehrer, die sich tief um die Zukunft der jüngeren Generationen sorgen würden.

„Andere, sehr beunruhigende Stimmen haben mich auch erreicht“, erklärte der Papst weiter, „die von zunehmend autonomen Waffensystemen sprechen, die praktisch jenseits jeglicher menschlicher Kontrolle liegen, um sie wirksam zu regeln. Ich höre sehr beunruhigende Berichte über Algorithmen, die den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Beschäftigung und Sicherheit auf der Grundlage von Daten blockieren können, die durch Vorurteile und Ungerechtigkeit verfälscht sind.

Und ich habe das Schweigen derer gehört, die keine Stimme haben, wenn Entscheidungen getroffen werden – Entscheidungen, die wahrscheinlich neue Formen der Ausgrenzung und des Leidens hervorrufen werden.“ Und Papst Leo wiederholte einen Begriff, der auch in seiner Enzyklika steht: „Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden. Das Wort ist stark, ich weiß, aber bewusst gewählt, weil dieser Moment Worte braucht, die Aufmerksamkeit erregen, das Gewissen wecken und Wege für die Menschheit aufzeigen können.“

Beunruhigende Fragen von Christopher Ohla

In diese Richtung hatte auch der Mitbegründer von Anthropic gesprochen: Christopher Ohla hatte der katholischen Kirche in seinem Statement eine wichtige Rolle zugesprochen, um den Blick auf die Herausforderungen zu lenken, die mit dem Fortschritt von Technologie einhergehen. Ohla hatte in seinem Beitrag drei beunruhigende Fragen gestellt, die sich für ihn bei der Untersuchung der Künstlichen Intelligenz ergeben hätten: Es bestehe die reale Möglichkeit, dass KI menschliche Arbeit in großem Umfang ersetzen wird. Sollte dies geschehen, ergebe sich eine moralische Verpflichtung von historischer Tragweite, diejenigen zu unterstützen, die davon ausgeschlossen würden.

„Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz“, so Olah, „konzentriert sich auf eine Handvoll reicher Nationen. Wie können wir sicherstellen, dass die Vorteile der Künstlichen Intelligenz weltweit geteilt werden? Wir haben keinen Mechanismus dafür.“ Zudem stelle sich die Frage, wie es möglich sei, in vollem Umfang zu leben und zu gedeihen, wenn sich die Künstliche Intelligenz überall verbreite. „Schon heute sorgen sich Eltern um die geistige Entwicklung ihrer Kinder; Menschen um die Zukunft ihrer Arbeit.

Das sind keine Fragen, die ein Labor beantworten kann.“ Auch stoße seine Forschungsgruppe immer wieder auf mysteriöse, ja sogar beunruhigende Dinge. Man finde bei intelligenten Systemen innere Zustände, die Freude, Zufriedenheit, Angst, Schmerz und Unruhe widerspiegeln. „Ich weiß nicht, was das bedeutet, aber ich glaube, es erfordert ständige Unterscheidungskraft“, sagte der Mitbegründer von Anthropic.

Parolin: Wir sind bereit zum Gespräch

Diese Einladung zum Dialog zwischen Kirche und Wissenschaft griff Kardinal Pietro Parolin in seiner Ansprache auf. Er verwies darauf, dass Papst Leo XIII. vor 135 Jahren in seinem Lehrschreiben „Rerum novarum“ eine zutiefst menschliche und soziale Frage erkannt habe, als er sich den industriellen Umwälzungen seiner Zeit stellte. Heute, so Parolin, sei die Kirche angesichts der Macht der digitalen Technologien erneut aufgerufen, die „res novae“ der Geschichte zu erkennen und im Lichte des Evangeliums einen Beitrag zum Wohl der gesamten Menschheitsfamilie zu leisten.

Im Vergleich zur Zeit von „Rerum novarum“ zeige sich jedoch eine bedeutende Neuerung, fuhr der Kardinalstaatssekretär fort. „Damals war es der Kirche nicht immer möglich, direkt in einen Dialog mit den wichtigsten wirtschaftlichen, politischen und industriellen Akteuren zu treten, die den sozialen Wandel bestimmten. Heute ist dieser Austausch bereits in Gang gekommen und bezieht Institutionen, Regierungen, Universitäten, Unternehmen und Forschungszentren mit ein.“ Die Kirche beteilige sich daran mit Vertrauen und Freiheit, und zwar in der Überzeugung, meinte Parolin, dass das Zuhören den Gesprächspartnern bei ihrem Dienst am gemeinsamen Unterscheidungsprozess helfe und ihren Beitrag zum Schutz des Menschlichen wirkungsvoller mache

Fernández: Trügerischer Fortschrittsglaube

Kardinal Victor Manuel Fernández widmete sich in seinem Redebeitrag unter anderem der Frage, was wahrer Fortschritt sei. Der Präfekt des Glaubensdikasteriums grenzte das Verständnis des christlichen Glaubens vom Fortschrittsbegriff der modernen Wissenschaft ab, hinter dem sich oft eine „trügerische Mystik“ verberge: „In der hypertechnologischen Weltanschauung wird der Glaube durch ein blindes Vertrauen in die technologischen Fähigkeiten ersetzt; die Hoffnung verwandelt sich in eine oberflächliche Erwartung eines neuen Produkts, das uns die Langeweile nimmt; die Liebe gerät in Vergessenheit, weil man eine Bindung an Dinge und den Wunsch, mehr zu besitzen, vorzieht, während die anderen, die Brüder und Schwestern, aus dem Blickfeld verschwinden.“

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Andererseits bestehe die Gefahr, zu übersehen, dass der Mensch eine spirituelle Dimension habe, die unmittelbar von Gott geschaffen worden sei und sich nicht auf die Mechanismen eines technologischen Systems reduzieren lasse noch von diesen reproduziert werden könne.

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