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Köln kann den Fluch der Karibik lösen

Der Kölner Dom wird von Touristen künftig Eintritt verlangen, Beter kommen kostenlos herein. Eine Chance, die eigentliche Bestimmung der Kathedrale ins Bewusstsein zu rufen.
Kirchenredakteurin Regina Einig, Kölner Dom
Foto: DT / IMAGO / Horst Galuschka | Künftig kostenpflichtig: Der Zugang zum Kölner Dom.

Der Teufelsadvokat schaut dieser Tage hellwach auf Köln: Just im reichen Erzbistum am Rhein reicht das Geld offenbar nicht mehr für die Erhaltung der bedeutendsten Kathedrale in Deutschland. Künftig sollen Touristen Eintritt zahlen, nur Betern steht das Gotteshaus offen. Mit dem Verweis auf die längst eintrittspflichtige Kathedrale von Mailand oder die stolzen Preise, die Besucher der Sagrada Família in Barcelona zahlen, lässt sich in der Rheinmetropole allerdings nicht ohne Weiteres argumentieren: Das deutsche Kirchensteuersystem weckt Erwartungen an eine Gratismentalität. Und diese hat dem Kölner Dom als augenfälligem Zentrum der Evangelisierung durchaus geschadet.

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Beispiel Anna Lapwood: Die britische Starorganistin und Influencerin erhielt im vergangenen Jahr aufgrund des Massenandrangs für ihr höchst säkulares und kostenfreies Konzertprogramm unter dem Druck einer kilometerlangen Warteschlange, die die Innenstadt lahmlegte, spontan einen zweiten Konzerttermin im Dom. Ein bemerkenswertes Entgegenkommen der Verantwortlichen: Lapwoods Aufführung von Filmmusik wie „Der Fluch der Karibik“ wäre in der nahen Kölner Philharmonie besser aufgehoben gewesen. Wäre der Gedanke an so viel kostenlose Volksbespaßung in der Stadtverwaltung aufgekommen?

Wenige Monate später wurde evangelisierungsfreudigen Kirchensteuerzahlern eröffnet, dass einer der erfolgreichsten Familientermine im Dom, das alljährliche Adventskonzert mit den „Höhnern“, künftig nicht mehr stattfinden wird. Dem Vernehmen nach spielen die Kosten eine Rolle. In Zeiten, in denen die Kirchenmusik als Weg der Evangelisierung häufig unterschätzt wird, können sich die Verantwortlichen des Kölner Doms nun vom Fluch der Karibik lösen und im Dom bevorzugt finanzieren, was dem Glauben dient.

Den Dom zu erhalten, bedeutet weitaus mehr als ein Sanierungsprogramm für die Dombauhütte und fachgerechte Fassadenrestaurierung. Im Mittelpunkt der Stadt soll der Dom als Leuchtturm der Evangelisierung stehen. Der missionarische Geist ist im Erzbistum deutlich spürbar, im Domprogramm wäre allerdings noch Luft nach oben. Eintrittsgelder sind eine Möglichkeit, um Besucher daran zu erinnern, dass Beter auch in emblematischen Gotteshäusern Vorfahrt haben und der Kölner Dom nicht die stilvollere Wartehalle des nahen Hauptbahnhofs ist. Und auch die Verantwortlichen des Doms erhalten die Chance, sich und der Öffentlichkeit die eigentliche Bestimmung der Kathedrale ins Bewusstsein zu rufen: ein Haus des Gebetes mitten in der Stadt.

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Regina Einig Kölner Dom

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