Wer als bischöflicher Finanzdirektor auf die aktuellen Kirchensteuerzahlen schaut, kann sich entspannt zurücklehnen: Nach sieben Milliarden Euro für beide Kirchen im Jahr 2022 wird für 2025 ein Ertrag von 12,7 Milliarden Euro erwartet, gut 6,7 Milliarden für die katholische und sechs Milliarden für die evangelische Seite. Zugleich treten aber weiter Menschen massenhaft aus den Kirchen aus. Die Steuer wird mehr, die Menschen weniger. Wie passt das zusammen?
Der Grund dafür ist einfach und bewirkt, dass die Kirchenoberen mit Sorge auf die nächsten Jahre sehen. Die Babyboomer-Generation der 60er-Jahre, die gerade in der Zielgeraden des Berufslebens steht und ihre aktuell höchsten Gehälter bezieht, geht in den Ruhestand, mit dann geringeren Bezügen. Und viel weniger rücken nach. Es ist also eine Scheinblüte der Kirchensteuer, die wir erleben; im Übrigen werden auch für 2025 durch die Inflation etwa 150 Millionen Euro weniger eingenommen werden.
Der Staat lässt sich übrigens den Einzug der Steuer über sein System gut bezahlen, er erhält gut drei Prozent des Aufkommens dafür. In Österreich muss das die Kirche für den sogenannten Kirchenbeitrag selbst tun, was mit mehr Aufwand und mehr Ärger verbunden ist. Die weitere Prognose zur Steuerentwicklung ist nicht günstig. 2019 haben Finanzwissenschaftler errechnet, dass sich spätestens um 2060 der Ertrag um die Hälfte reduziert, wenn man die damals erhobene Austrittsquote zugrunde legt. Aktuell flacht diese Kurve etwas ab. Doch in jedem Fall werden die Einnahmen dramatisch weniger werden, auch wegen der kontinuierlich sinkenden Geburtenrate.
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